Harald Leupold-Löwenthal

österreichischer Psychiater und Neurologe, Psychoanalytiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Harald Johann Friedrich Leupold-Löwenthal[1] (* 6. August 1926 in Wien; † 13. März 2007 ebenda) war ein österreichischer Psychiater, Neurologe und Psychoanalytiker.

Grab von Harald Leupold-Löwenthal auf dem Wiener Zentralfriedhof

Leben

Leupold-Löwenthal wurde in Wien geboren. Nach der Kriegsmatura 1943 im Gymnasium Stubenbastei und kurzem Wehrdienst studierte er Medizin an der Universität Wien und nahm 1951 eine Stelle an der Wiener Psychiatrischen Universitätsklinik an. 1953 und 1954 studierte er in London, ehe er 1959 die Anerkennung zum Facharzt für Psychiatrie und Neurologie erhielt. Von 1961 bis 1963 war er am Psychiatrischen Krankenhaus der Stadt Wien tätig. Gleichzeitig absolvierte er auch eine psychoanalytische Ausbildung und seine Lehranalyse. 1964 eröffnete er eine eigene Praxis. 1963 wurde Leupold-Löwenthal Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, von 1967 bis 1973 war er deren Sekretär, von 1974 bis 1981 ihr Vorsitzender. 1982 habilitierte sich Leupold-Löwenthal an der Universität Wien und erhielt die Lehrberechtigung für Psychotherapie und Psychoanalyse mit Berücksichtigung der klinischen Psychotherapie.

Zusammen mit Friedrich Hacker und anderen war Leupold-Löwenthal Mitglied des Gründungsvorstands der 1968 gegründeten Wiener Sigmund-Freud-Gesellschaft, 1971 war er bei der Einrichtung des Sigmund-Freud-Museums in der ehemaligen Wohnung Sigmund Freuds in Wien federführend. Von 1976 bis 1999 war er Präsident der Sigmund-Freud-Gesellschaft.

Leupold-Löwenthal starb im März 2007 an einem Herzstillstand. Er wurde am Wiener Zentralfriedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab bestattet (Gruppe 40, Nr. 81).[1][2]

Anlässlich des 80. Geburtstags von Leupold-Löwenthal entstand im August 2006 ein ORF-Porträt, in dem Gerhard Bronner als deklarierter Lebensfreund des Geehrten wie folgt zitiert wurde. Demnach beschrieb Bronner ihn als Menschen der [3]

„… aus mehreren Persönlichkeiten besteht: Der Leupold ist ein waschechter Meidlinger, spricht die Sprache dieses Wiener Vorstadtbezirks mit seinen deftigen Ausdrücken und liest am liebsten Schundromane. Der Löwenthal hingegen ist ein vornehmer, gebildeter Akademiker, der sich an edelfaden cineastischen Kunstwerken erfreut, bei denen man bereits nach fünf Minuten einschläft.“

Gerhard Bronner: ORF-Porträt über Leupold-Löwenthal, August 2006[3]

Gedenken

In Gedenken an Harald Leupold-Löwenthal unterstützt seine Witwe, die Italienerin Ida di Pietro Leupold-Löwenthal (* 20. Februar 1947 in Rom),[4] den Verein NierenKinder Berlin e. V. (ehemals Dialysekinder).[5] Im Februar 2021 legte sie den offenen Priv.-Doz. Dr. Harald Leupold-Löwenthal Stiftungsfonds als Zustiftung in der Stiftung zur Förderung der universitären Psychoanalyse auf, mit dessen Mitteln die Internationale Psychoanalytische Universität Berlin gefördert werden soll.[6]

Auszeichnungen

Schriften

  • Handbuch der Psychoanalyse. Orac, Wien 1986, ISBN 978-3-7015-0047-5 (wurde zu einem wissenschaftlichen Standardwerk[8])
  • Freud und die Juden. (= IDCIV-Vorträge, Nr. 19). Informationszentrum im Dienste der Christlich-Jüdischen Verständigung, Wien 1988.
  • hrsg. mit Inge Scholz-Strasser: Die Sigmund-Freud-Vorlesungen 1970–1988. Aufsatzsammlung und Konferenzschrift. Böhlau, Wien/Köln 1990, ISBN 978-3-205-05242-5.
  • Der Laie. Konferenzschrift (= Die Sigmund-Freud-Vorlesungen, Bd. 1). Internationale Psychoanalyse, München/Wien 1990, ISBN 978-3-621-26527-0.[9]
  • Wien und die Fremden. Vortrag im Wiener Rathaus am 19. Juni 1991. Mit einem Gespräch des Autors mit Hubert Christian Ehalt. (= Wiener Vorlesungen im Rathaus, Bd. 17). Picus, Wien 1992, ISBN 978-3-85452-316-1.
  • Ein Wiener zu sein. Geschichte, Geschichten, Analysen. Vortrag im Wiener Rathaus am 16. Oktober 1996. Mit einem Vorwort von Hubert Christian Ehalt. (= Wiener Vorlesungen im Rathaus, Bd. 56). Picus, Wien 1997, ISBN 978-3-85452-355-0.
  • mit Inge Scholz-Strasser (als Hrsg.): Ein unmöglicher Beruf. Über die schöne Kunst, ein Analytiker zu sein. Arbeiten zur Psychoanalyse. Aufsatzsammlung. Mit einem Vorwort von Inge Scholz-Strasser unter Mitarbeit von Markus Arnold. Böhlau, Wien 1997, ISBN 3-205-98412-9.

posthum:

  • mit Peter Haiko und Mara Reissberger: Die weiße Stadt - der Steinhof in Wien. Architektur als Reflex der Einstellung zur Geisteskrankheit. Verein Steinhof als Gemeingut Erhalten und Gestalten, Wien 2018, ISBN 978-3-200-05740-1.

Literatur

  • Hans Lobner (Hrsg.): Psychoanalyse heute. Festschrift zum 60. Geburtstag von Harald Leupold-Löwenthal. Orac, Wien 1986, ISBN 978-3-7015-0048-2.
  • Sylvia Zwettler-Otte, Albrecht Komarek (Hrsg.): Der psychoanalytische Prozeß. Festschrift zum 70. Geburtstag von Harald Leupold-Löwenthal. Aufsatzsammlung. Turia und Kant, Wien 1996, ISBN 978-3-85132-122-7 (mit Bibliografie, S. 532–543).
  • Daphne Stock, Ernst Lürßen: Zur Aktualität der Psychoanalyse. Festveranstaltung im Wiener Rathaus am 17. Juni 2006 zum 80. Geburtstag von Harald Leupold-Löwenthal. Aufsatzsammlung. Mit einem Vorwort von Hubert Christian Ehalt. (= Wiener Vorlesungen im Rathaus, Bd. 129). Picus, Wien 2007, ISBN 978-3-85452-529-5.

Film

  • Christian M. Kreuziger (Regisseur): Harald Leupold-Löwenthal zum 80. Geburtstag. Eine Annäherung. Cinecraft, 2006 (Trailer auf Youtube).

Einzelnachweise

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