Harriet Newell
US-amerikanische Missionarin
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Harriet Newell (geborene Atwood; * 10. Oktober 1793 in Haverhill, Massachusetts, USA; † 30. November 1812 in Port Louis, Mauritius) war eine Missionarin, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Samuel Newell (1784–1821) von der eigens für sie und drei weitere Missionare gegründeten Missionsgesellschaft American Board of Foreign Commissioners for Foreign Missions (ABCFM). Initiatoren waren kongregationalistische Geistliche aus Massachusetts.

Leben



Harriet kam als Tochter des Kaufmanns Moses Atwood (1761–1608) und dessen Ehefrau Mary, geborene Tenney (1769–1853) zur Welt. Sie war die dritte von insgesamt neun Kindern.[1] Sie war fünfzehn Jahre alt, als ihr Vater an Tuberkulose verstarb.
Harriet besuchte als junges Mädchen die Bradford Academy (1806–1807) und ab 1810 eine weitere private Bildungsstätte. Auch verbrachte sie einige Wochen an der Byfield Academy, an der eine ihrer älteren Schwestern Unterricht erteilte. Bereits als Dreizehnjährige hatte sie sich entschlossen, ein Leben in der Nachfolge Jesu zu führen. Etwa im selben Alter begann sie, ein Tagebuch zu führen, in dem sie unter anderem ihre geistliche Entwicklung aufzeichnete. Im Jahr 1809 schloss sie sich der First Congregational Church in Haverhill an. Eine enge Freundschaft verband sie mit Ann „Nancy“ Hasseltine (1789–1826), der späteren Ehefrau Adoniram Judsons (1788–1850). Im Oktober 1810 lernte Harriet ihren späteren Ehemann Samuel Newell kennen. Er hatte die Harvard-Universität besucht und absolvierte gerade ein zweites Studium am Andover Theological Seminary. Er war ein guter Bekannter ihrer Freundin Ann und Adoniram Judsons. Im April 1811 macht Newell ihr offiziell einen Heiratsantrag, den sie nach einigem Zaudern annahm. Sie befürchtete nämlich, dass ihre schwache gesundheitliche Konstitution den beruflichen Plan ihres zukünftigen Ehemannes, als Auslandsmissionar nach Indien auszureisen, zunichtemachen könnte.[2]
Harriet überwand ihre inneren Bedenken und heiratete im Februar 1812 Samuel Newell. Nur wenige Tage vorher hatte ihre Freundin Ann Adoniram Judson das Ja-Wort gegeben. Die beiden Männer waren am 5. Februar in einem Gottesdienst zu Missionaren ordiniert und augesandt worden.[3] Noch am 19. Februar 1812, also wenige Tage nach ihren Hochzeitsfeiern, gingen beide Ehepaare sowie ein weiterer Missionar an Bord des Segelschiffs Caravan.[4]
Am 18. Juni 1812 erreichten sie Kalkutta und wurden vom Baptistenmissionar William Carey begrüßt. Ein Aufenthalt auf Dauer wurden ihnen aber seitens der Ostindischen Handelsgesellschaft verweigert.[5] Die fünf Missionare suchten daraufhin nach einem Aufenthaltsort in geographischer Nähe. Dabei hörten sie von der Insel Mauritius, die zwar auch unter britischer Verwaltung stand, dessen Gouverneur aber für christliche Missionare eine gewisse Offenheit zeigen würde. Das nächste Schiff, das Richtung Mauritius segelte, hatte nur noch zwei Plätze für Reisende zur Verfügung. Man ließ den Newells den Vortritt, zumal Harriet schon fortgeschritten schwanger war. mit dem Wegen schwierigen Wetterverhältniisen benötigte die Brigg über drei Monate, um nach Mauritius zu gelangen. Am 8. Oktober, zwei Tage vor ihrem 19. Geburtstag, stellten sich bei Harriet Geburtswehen ein. In einer kleinen Kabine auf dem Schiffsdeck wurde sie mit Hilfe ihres Ehemannes von einem Mädchen entbunden. Das Baby erhielt den Namen Harriet Atwood. Die Freude an dem Neugeborenen sollte allerdings nicht lange während. Nach nur fünf Tagen starb das Mädchen in den Armen seiner Mutter. Kurz nach dem Tod des Kindes brach bei Harriet die Tuberkulose aus. Stark geschwächt kam sie auf Mauritius an. Ein britischer Chirurg und ein dänischer Arzt versuchten zu helfen, jedoch ohne Erfolg. Harriet Atwood Newell starb im Beisein ihres Mannes und eines Dieners am 30. November 1812 in Port Louis.[6] Ihr Grab befindet sich auf dem Western Cemetery.[7]
Die Nachricht vom Tod der jungen Missionarin löste unter Christen in den Vereinigten Staaten ein starke Bewegung aus. Sie wurde zur missionarischen „Heldin“ und zum Vorbild für viele junge Leute, nicht zuletzt auch dadurch, dass viele Eltern ihren Kinden die Vornamen Harriet Newell gaben.[8] Hier einige Beispiele:
- Harriet Newell Noyes (1844–1901), China-Missionarin
- Harriet Newell Haskell (1835–1907), amerikanische Pädagogin
- Harriet Newell Kneeland Goff (1828–1901), führende Persönlichkeit der Abstinenzbewegung und Autorin zahlreicher Veröffentlichungen
- Harriet Newell Wright (ca. 1816–1898), Ehefrau von Allen Wright, einem prominenten Häuptling der Choctaw und presbyterianischen Prediger
- Harriet Newell Austin (1826–1891), amerikanische Hydrotherapeutin, Vertreterin der Kleidungsreform und Autorin
Dafür, dass auch männliche Kinder nach Harriet Newell genannt wurden, steht dieser Name:
- Harriet Robinson Newell French (1828–1907); er gab den Namen an seine Tochter weiter: Harriet French Swain (1868–1958) weiter. Auch seine Enkelin erhielt diesen Namen: Harriet Swain Burgin Lee (1934–?).
Würdigungen
- Ein Denkmal, das 2013 von der Missionsgesellschaft ABCFM in St. Louis / Mauritius errichtet wurde, trägt folgende Inschrift: „Sacred to the memory of Mrs. H. Atwood, / Wife of the Revd. S. Newell, / Missionary at Bombay. / Born at Haverhill, Mass. U.S. America Oct. 10, 1793; / Died after a distressing voyage / From India to this place, Nov. 30, 1812. / Long devoted to Christ, her heart burned for the heathen. / For them she left her kindred and her native land, / And welcomed dangers and sufferings. / Of excellent understanding, rich in accomplishments / And virtuous. The delight of her friends. / A crown to her husband, and an ornament to the / missionary cause. / Her short life was bright, her death full of glory. / Her name lives in all Christian lands, and is pleading / With irresistible eloquence for the heathen. / This humble monument to her memory / Is erected by the American Board of Commissioners / For foreign mission.“[9]
- Im Juni 2018 erhielt sie einen Ehrenplatz in der Haverhill Citizens Hall of Fame.[10]
Veröffentlichungen (Auswahl)
Harriet Newells Memoiren wurden bis in die Gegenwart in vielen Auflagen und Ausgaben veröffentlicht. Beispiele dafür sind die folgenden beiden Ausgaben von 1816 und 2021.
- Memoirs of Mrs. Harriet Newell, Wife of the Rev. S. Newell, American Missionary to India, who died on the Isle of France, Nov. 30, 1812, Aged nineteen Years. Edinburgh, 1816 (4. Auflage).
- Memoirs of Harriet Newell. Curiosmith: Chanhassen, 2021.
Literatur (Auswahl)
- Phyllis J. Read, Bernard L. Witlieb: The Book of Women's Firsts. Random House: New York, 1992.
- Lois Stiles Edgerly (Hrsg.): Give Her This Day. Tilbury House: Gardiner, 1990.
- Edward T. James (Hrsg.): Notable American Women. 1607–1950. The Belknap Press of Harvard University Press: Cambridge, 1971.
- Daniel C. Eddy: Daughters of the Cross: or, Woman's Mission. Dayton and Wentworth: New York, 1851. S. 11–42 (Harriet Newell, the Proto-Martyr).
- American Sunday School Union (Hrsg.): The Life and Writings of Mrs. Harriet Newell. Philadelphia, 1831.