Harry Schumann
deutscher Verleger und Autor
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Eduard Hermann Harry Schumann (* 23. Mai 1894 in Rastenburg; † 4. Februar 1942 in Berlin) war ein deutscher Verleger und Autor.
Leben
Harry Schumann wurde als Sohn des Regierungsbaumeisters Hermann Schumann (1848–1909) und Mary Sydow (1873–1956), einer Theaterschauspielerin geboren. Nach seiner Schulausbildung in Rastenburg und Königsberg und dem Tod seines Vaters zog er zusammen mit seiner Mutter und Schwester nach Berlin-Charlottenburg.[1] Seine 2 Jahre ältere Schwester Margot Schumann gründete 1918 die staatlich anerkannte Lehranstalt für Technische Assisteninnen in Berlin Charlottenburg.
Während des Ersten Weltkrieges wurde er 1916 zum Militärdienst einberufen, aber bereits 1917 wegen eines Lungenleidens als dienstunfähig entlassen. 1919 verlegte er seinen Wohnsitz nach Dresden und heiratete hier 1921 Charlotte Hertha Anna, geschiedene Texheimer, geborene Schneider, die später im Lektorat des Verlages mitarbeitete. Die Ehe wurde 1933 geschieden. Im gleichen Jahr erwarb er das Rittergut Goßwitz in Oehlisch und verwirklichte damit seinen Traum von einem Leben auf dem Lande. Hier leitete er neben dem Verlag nun auch einen landwirtschaftlichen Betrieb mit etwa 30 Angestellten. Einer Brandkatastrophe im Jahr 1935 fielen große Teile des Schlosses zum Opfer.[2] 1936 heiratete er Irma, geborene Merker (1904–1979), die gemeinsame Tochter Helga wurde am 13. Juli 1937 in Dresden geboren.
1937 wurde er wegen Verrats der deutschen Volksgemeinschaft verhaftet und zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Freiheitsstrafe wurde 1941 auf Grund eines Gnadengesuches wegen seines schlechten Gesundheitszustandes in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Ein Jahr später verstarb Schumann an einer Lungenentzündung und fand auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden seine letzte Ruhe.[3]
Wirken
Nach seiner Schulausbildung in Rastenburg absolvierte Schumann eine Ausbildung zum Buchhändler bzw. Kaufmann und versuchte seither publizistisch tätig zu werden. Erste Artikel erschienen in der "Ethischen Rundschau" unter Magnus Schwantje. Durch den Aufsatz "Gerhart Hauptmanns Ethik" wurde er einem größeren Publikum bekannt. 1913 entstand seine erste Publikation "Ernst Hardt und die Neuromantik". 1919 entwickelte sich zwischen ihm als Autor der ersten Biografie von Karl Liebknecht und dem Inhaber des Dresdner Carl Reissner Verlages Erwin Paul Kurtz, der das Buch als Lektor betreute eine geschäftliche Verbindung und persönliche Freundschaft. Nach seinem Umzug nach Dresden begann er im Reissner-Verlag zu arbeiten und wurde 1923 Mitinhaber.
Unter seiner Leitung entstand im Geiste der Weimarer Republik der Editionsschwerpunkt "Memoiren bedeutender Zeitgenossen".[4] Hier veröffentlichte er Biografien und Briefe politischer Repräsentanten wie Friedrich Ebert, Walther Rathenau, Philipp Scheidemann u. a. Ebenso erschienen Werke zu gesellschaftspolitisch brisanten Themen. Er veröffentlichte z. B. unter dem Titel "Volk in Not! Das Unheil des Abtreibungsparagraphen 218" die Gefängnisaufzeichnungen des Gynäkologen Carl Credé-Hoerder mit Illustrationen von Käthe Kollwitz. Credé-Hoerder war 1926 wegen verbotener Schwangerschaftsabbrüche in Celle zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Eine enge Freundschaft verband ihn mit Willy Steiger, Versuchsschullehrer und Reformpädagoge in der staatlichen Versuchsschule der Gartenstadt Hellerau, den er für eine nebenberufliche Lektorenarbeit gewinnen konnte.[5]
Nach dem Tod von Erwin Kurtz im Jahr 1927 wurde Schumann Alleininhaber des Reissner-Verlages, der seine Hochkonjunktur erlebte. Jedoch verschob sich der Publikationsschwerpunkt hin zu konservativen monarchistischen Ansichten und begann auch Vertreter der deutschen Rechten zu verlegen. Gleichzeitig erscheinen aber, vielleicht als Flucht aus seinem Konflikt mit dem neuen Verlagsprogramm zunehmend Kunstbände, die sich zu einem Schwerpunkt des Verlages entwickeln ("Das Neue Käthe Kollwitz-Werk", Heinrich Zille: "Berliner Geschichten und Bilder", George Grosz: "Der Spießerspiegel"). Schumann beförderte auch die Geschlechterdiskurse und veröffentlichte 1932 den Roman der ersten bekennenden homosexuellen Schriftstellerin Toni Schwabe "Die Hochzeit der Esther Franzenius" sowie die von Niels Hoyer herausgegebene Biografie "Lili Elbe, ein Mensch wechselt sein Geschlecht".
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zeigte er sich anpassungsbereit, trat zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 1.964.931)[6] und gab 1934 zwei seiner Weltkriegstagebücher "Geist von Langemarck" neu heraus.[7] 1937 wurde er wegen Verrats der deutschen Volksgemeinschaft und Devisenvergehen verhaftet und zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Carl Reissner Verlag wurde liquidiert. Harry Schumann ernannte 1938 den langjährigen Verlagsvertreter Oswald Arnold zum Geschäftsführer, der den Verlag 1940 in den Berliner Oswald Arnold Verlag (OAV) umwandelt.[8]
Publikationen
- Die Seele und das Leid. Reissner, Dresden, 1919.
- Karl Liebknecht. Ein unpolitisches Bild seiner Persönlichkeit. Reissner, Dresden, 1919.
- Vom Sinn des Eros. Reissner, Dresden, 1921.
- Das Mysterium der Menschenseele. Reissner, Dresden, 1927.
- Geist von Langemarck. Dresden, Reissner, 1934.
- Der produktive Mensch. Neue Wege zu Erfolg und Meisterung des Lebens. Reissner, Dresden, 1934.
Literatur
- Andreas Pehnke: Harry Schumann und sein Carl-Reissner Verlag. In: Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Hrsg.): Archiv für Geschichte des Buchwesens, Berlin, de Gruyter 2020, S. 99–130.
- Andreas Pehnke: Bücher im Geiste der Weimarer Demokratie. Harry Schumann (1894–1942) und der Carl Reissner Verlag. Beucha, Sax-Verlag, 2021.
Weblinks
- Literatur von und über Harry Schumann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Nachlass von Harry Schumann in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
- Freundesbuch des Hauses Schumann in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden