Hary Raithofer
österreichischer Radiomoderator
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Harald[1] „Hary“ Raithofer (* 17. April 1965 in Bruck an der Mur) ist ein österreichischer Linienpilot sowie ehemaliger Radiomoderator und Medientrainer. Von 1996 bis 2004 moderierte er den Ö3-Wecker.
Leben und Karriere
Ausbildung und Beginn der Fernseh- und Radiokarriere
Nach dem Besuch der Volksschule in seinem Heimatort Langenwang und des Gymnasiums in Mürzzuschlag maturierte Hary Raithofer 1985 an der BHAK Mürzzuschlag, um anschließend der WU Wien für das Studium der Betriebswirtschaftslehre beizuwohnen.
Schon während des Studiums sammelte er erste Erfahrungen beim ORF-Fernsehen, überwiegend als Kabelleger bei Sportübertragungen. Darauf folgte eine rasche Weiterentwicklung beim neu eingeführten Kinderformat als Studioassistent und -inspizient bzw. als Redakteur und Beitragsgestalter beim Kinder-Wurlitzer zusammen mit Thomas Brezina. Im Rahmen des Kinderformats sammelte Raithofer auch Erfahrung vor der Kamera. Er spielte die Figur Professor Kleinstein in der Livesendung Heureka[2], die einen Fernsehpreis erhielt. Da ihn die zeitintensive Arbeit beim Fernsehen immer mehr in Anspruch nahm, brach er kurzerhand sein Studium ab.
Im Sommer 1988 frönte Hary Raithofer zum ersten Mal seiner Leidenschaft fürs Radio. Er machte erste Erfahrungen als Moderator bei Radio Adria, einem Urlaubsradioprojekt der österreichischen Tageszeitung Die Presse (Sendegebiet Obere Adria)[3]. 1992 folgte der Ruf des im Zuge der Programmreform neu gegründeten Wiener Stadtsenders Das neue Radio Wien aus der Argentinierstraße. Dies beendete auch die Beschäftigung beim Fernsehen. Innerhalb kurzer Zeit war Raithofer Moderator der Morgensendung und wurde in Folge Programmchef des Senders. Hierbei trat er unter anderem auch als Förderer von Hadschi Bankhofer Jr., dessen Vorgesetzter und Mentor er von 1992 bis 1995 bei Radio Wien war. Im Jahr 1995 wagte Raithofer einen Neuanfang, indem er zum bundesweit meistgehörten ORF-Radiosender Hitradio Ö3 wechselte und dort anfangs Assistent (Kaffeeholer) bei Dominic Heinzls Mittagsmagazin Smalltalk wurde. Weiters durfte er sich als Reporter bei Oliver Baiers Samstagnachmittagsshow beweisen. Die neue Sendung Der Pleiten-, Pech- und Pannendienst bescherte ihm dann den ersten österreichweiten Auftritt hinter dem Mikrofon. Darauf folgte die Moderation des Club Ö3.
Im Zuge der von Bogdan Roščić eingeleiteten Ö3-Programmreform übernahm er im Jahr 1996 die Moderation des Ö3-Weckers, der bekannteste Morgenshow in Österreich, und moderierte die Sendung bis ins Jahr 2004. Hier war er maßgeblich an der Reform beteiligt, als Ö3 dringend auf die damals aufkommenden Privatradios reagieren musste. Nach dem Fall des Radiomonopols erlitt der Sender empfindliche Einbußen und in der Ära Raithofer schaffte vor allem der Ö3-Wecker historische bis heute ungebrochene Höchstwerte. Rasch entwickelte sich der gebürtige Steirer zum berühmtesten Morgenmoderator des Landes. Einer der Höhepunkte seiner Ö3-Laufbahn war etwa nach dem Jahrhunderthochwasser 2002, als er im Zuge der Ö3-Charity-Radtour auf den Großglockner zusammen mit knapp 12.000 Menschen an der Expedition Großglockner teilnahm, woraufhin die Oesterreichische Nationalbank 100 Euro pro Teilnehmer (insgesamt 1,2 Millionen Euro) für die Ö3-Hochwasserhilfe spendete, nachdem bereits im Vorfeld rund 10 Millionen Euro an Sachspenden zusammengekommen waren.[4][5]
Seine letzte Sendung moderierte Raithofer am 17. November 2004. Die Moderation übernahm nach ihm Robert Kratky, der davor bereits abwechselnd mit ihm durch die Sendung führte.[6] Bereits im Jahr davor hatte Raithofer seinen Rückzug bekanntgegeben und am 4. Juli 2003 seine vorerst letzte Sendung moderiert,[6] ehe er am 20. Oktober 2003 bis zu seinem endgültigen Rücktritt noch einmal zurückkehrte.[7] In der Zwischenzeit trat er unter anderem als Testimonial für die österreichische Handelskette Libro in Erscheinung.[8]
Laufbahn als Linienpilot und Medientrainer
Im Jahr 2002 begann Raithofer parallel zu seinem Job bei Ö3 mit der Ausbildung zum Linienpiloten. Im November 2004 verließ er Ö3, um seinen Kindheitstraum zu verwirklichen und widmete sich vollständig der Fliegerei.[9][10] Zunächst flog er bis 2007 beim Bedarfsflugunternehmen Jetalliance auf den Flugzeugtypen Cessna Citation 525, 560, 56X, 56XL und Citation X. Danach arbeitete er bei Tyrolean Airways, einer Tochtergesellschaft der Austrian Airlines, als Erster Offizier auf den Flugzeugtypen Fokker 70 und Fokker 100 (5000 Flugstunden, Stand April 2013). Seit der Integration von Tyrolean Airways in Austrian Airlines im Frühjahr 2015 fliegt er auf der Flugzeugtype Boeing 777 als Erster Offizier. Anfang 2019 machte er außerdem die Ausbildung zum Simulator-Fluglehrer (Synthetic Flight Instructor (SFI)) auf dieser Type und schult seitdem neue Piloten für die Musterberechtigung auf der Boeing 777 bei Austrian Airlines.
Nebenbei begann Hary Raithofer seit 2007 auch Radiosender zu beraten, unter anderem Radio Tirol und Antenne Steiermark. Im Frühjahr 2007 startete Antenne Steiermark die größte Casting-Aktion der Steiermark, bei der er als Juror agierte.[11]
Von März 2009 bis Jänner 2010 moderierte er gemeinsam mit Matthias Euler-Rolle, mit dem er bereits Anfang der 2000er Jahre die Online-Partnervermittlung lovejet.com aufgebaut hatte, die Morgenshow auf Radio 88.6.[12][13]
Spätestens im Jahr 2013 entwickelte sich ein reger Kontakt zwischen Raithofer und dem Milliardär und Parteigründer Frank Stronach (Team Stronach), der später zu Raithofers Tätigkeit als Kommunikationsberater für die Partei führte.[14][15] Anfangs beriet er Stronach im Wahlkampf zur Nationalratswahl 2013 und rangierte selbst auf dem dritten Platz der Wiener Liste für den Nationalrat,[1] wobei er jedoch nicht den Einzug schaffte. Später betätigte sich als Bundeskommunikationschef der Partei.[16]
Im Jahr 2020 kam Raithofer wieder in die Schlagzeilen, als er als einer der Linienpiloten mit einer Boeing 777 der AUA am Anfang der COVID-19-Pandemie Schutzmasken aus China nach Wien brachte.[17]