Hasbara Fellowships
Organisation
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Die Hasbara Fellowships sind eine Organisation, die pro-israelische Aktivisten an US-amerikanischen und kanadischen Universitäten ausbildet und unterstützt. Sie wurden 2001 von Aish und dem israelischen Außenministerium gegründet und sind Teil der Israel on Campus Coalition. Ihr Programm umfasst Schulungsreisen nach Israel und fortlaufende Unterstützung für studentischen Aktivismus. Die Organisation wurde vom israelischen Ministerium für strategische Angelegenheiten finanziert und ist insbesondere in der Gegenkampagne zur BDS-Bewegung aktiv.
Entstehung und Kontext
Die Hasbara Fellowships wurden 2001 unter Leitung des Aish-Studenten Elliott Mathias[1] gemeinsam von der ultraorthodoxen Missions-Bewegung Aish und dem israelischen Außenministerium gegründet.[2] Das Projekt entstand, als sich im Kontext der Zweiten Intifada ab 2000 und der israelischen Reaktion darauf (sowie dem US-amerikanisch geführten Krieg gegen den Terror ab 2001) Kritik an Israel an US-amerikanischen Universitäten intensivierte.[3] Die Hasbara Fellowships schlossen sich mit weiteren, häufig ebenfalls erst in diesem Kontext gegründeten Organisationen zur Israel on Campus Coalition zusammen,[4] die bis 2009 auf 33 Mitgliedsorganisationen anwuchs[5] und die das erklärte Ziel verfolgte, „eine pro-aktive, pro-israelische Agenda“ an Universitäten in den USA zu generieren.[6]
Zielsetzung, Programm und Aktivitäten
„Aish HaTorah / Hasbarah Fellowships“, wie sich die Organisation in diesem Kontext zunächst nannte und dabei als „apolitisches internationales Netzwerk jüdischer Bildungseinrichtungen“ beschrieb, gab an, hauptsächlich drei Ziele zu verfolgen:
- Studierende über die Geschichte und politischen Hintergründe des Nahostkonflikts zu unterrichten,
- Studierende darin auszubilden, auf ihrem Campus Aktivisten zu sein, und ihnen Werkzeuge für „pro-aktive, pro-israelische Kampagnen“ zur Verfügung zu stellen,
- Studierenden Grundkenntnisse des Judentums zu vermitteln.[7]
Das Programm richtete sich an Studierende, die bereits durch Engagement auf dem Campus aufgefallen waren,[8] und umfasste eine 16-tägige Schulungsreise nach Israel.[9] Die Teilnahme von Studierenden wurde teilweise von weiteren Organisationen finanziert,[10] teilweise wurde ihnen ein Teil der Gebühren zurückerstattet, wenn sie nach der Reise für zwei Semester dokumentierte pro-israelische Aktivitäten durchführten, beispielsweise Social-Media-Kampagnen, Artikel in Universitätszeitungen oder die Rekrutierung weiterer Teilnehmer.[11] Nach eigenen Angaben wurden Teilnehmer anschließend durch Campus-Teams und regionale Berater bei ihrem Aktivismus unterstützt und erhielten Beratung, Schulungen, Druckmaterialien und finanzielle Hilfe.[12] Stand 2025 sollen 3000 Studierende von 95 Universitäten („Hasbara Campuses“) an solchen Trainingsreisen teilgenommen haben.[13]
Zudem organisierten und finanzierten Hasbara Fellowships überregionale Kampagnen. Dazu gehörten beispielsweise die Islamic State Apartheid Week um 2008 und ähnlich mehrere Jahre in Folge die Israel Peace Week, die beide als Antwort auf die Israel Apartheid Week Israel im Kontext des Nahen Ostens aufwerten sollten,[14] oder 2017 die Start-Up Nation Technology Fairs.[15]
Der Aktivist Ali Abunimah und die Lobbyforscher Hil Aked und Grant F. Smith rechnen Hasbara Fellowships wegen ihrer Ausrichtung zur Israel-Lobby.[16]
Finanzierung
2020 wurde bekannt, dass Hasbara Fellowships vom israelischen Staat finanziert wird. Aish erhielt 2016 knapp 900.000 Dollar, Hasbara Fellowships 2019 eine Million Dollar vom Ministerium für strategische Angelegenheiten, begleitet vom Vermerk, dass man „mit den pro-israelischen Aktivitäten an US-Universitäten zufrieden sei“.[17] Dieses Ministerium koordiniert die israelische Gegenkampagne zur BDS-Bewegung.
Aktivitäten gegen BDS werden denn auch in den Jahresberichten von Hasbara Fellowships eigens verzeichnet: 2017–2018 sei man an 12 Universitäten gegen BDS-Anträge vorgegangen,[18] 2019 habe man acht BDS-Resolutionen verhindert,[19] 2020–2021 die „antisemitische BDS-Bewegung bekämpft“ und an sechs Universitäten „besiegt“.[20]
Neuorientierung nach 2023
2025 teilten Hasbara Fellowships und die Organisation Israel Ambassadors, die ebenfalls Reisen für Studierende nach Israel organisiert, mit, dass sie eine Kooperation eingegangen seien. Deren Gründer Michael Eglash kündigte vor dem Hintergrund der Ereignisse nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 eine neue Phase an, in der „jüdischer Aktivismus in ganz Amerika transformiert“ werden solle.[21] Stand November 2025 ist öffentlich lediglich bekannt, dass das Curriculum des gemeinsamen Programms laut Eglash flexibilisiert wurde, um Studierende gezielt auf Diskussionen über jeweils aktuelle politische Herausforderungen Israels vorzubereiten.[22]