Haupt der Medusa (Caravaggio)
Gemälde von Caravaggio
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Das Haupt der Medusa ist ein Gemälde des Barockmeisters Michelangelo Merisi da Caravaggio. Durch ihren markanten Gesichtsausdruck zwischen Schrecken und Erstaunen, ihre Haare aus Schlangenleibern und das aus dem Hals spritzende Blut zählt die „Medusa“ zu den unheimlichsten und zugleich beeindruckendsten Werken des Künstlers.
| Haupt der Medusa |
|---|
| Michelangelo Merisi da Caravaggio, um 1597 |
| Öl auf mit Leinwand überzogenem Holz |
| 60 × 55 cm |
| Uffizien, Florenz |
Medusa in der griechischen Mythologie
In einem Tempel der Athene verführt (vergewaltigt) Poseidon die schöne Medusa. Um diesen Affront zu rächen und Medusa für diesen „Frevel“ zu bestrafen, verwandelt Athene diese in eine Gorgone, ein Monster mit Schlangenhaaren, dessen Anblick alle zu Stein erstarren lässt (Täter-Opfer-Umkehr).[1] Später sollte Perseus, Sohn des Zeus, König Polydektes das Haupt der Medusa bringen. Um sich Medusa nähern zu können, ohne sie direkt anzublicken, gab ihm Athene einen spiegelnden Schild. Der Blick durch den Spiegel brach den tödlichen Zauber und Perseus konnte Medusa enthaupten, ohne sie direkt anschauen zu müssen. Letztendlich heftete Athene das Haupt der Medusa auf ihren Schild, was diesem einen besonderen Schutz gab, da der Versteinerungszauber der Medusa auch nach deren Tod noch wirkte.
Beschreibung
Das als Turnierschild gedachte, leicht elliptische Gemälde (Tondo) zeigt das abgetrennte Haupt der Medusa höchst lebendig und mit intensivem Ausdruck. Verstärkt wird dieser durch den Kontrast zwischen Licht und Schatten, Hell und Dunkel, was eines der Markenzeichen Caravaggios ist und hier eine außergewöhnliche Intensität erreicht. So fällt Licht auf Stirn und Wangen der Medusa, während der Rest des Gesichts im Schatten liegt.[2]
Caravaggio wählte für die Darstellung den Augenblick, in dem Perseus ihr den Kopf abschlug. Wie zu einem stummen Schrei ist ihr Mund geöffnet und die geweiteten Augen, die unter dunklen Augenbrauen liegen, zeigen einen Ausdruck voll Überraschung und Entsetzen. Medusa fühlte sich wohl unbesiegbar, bis sie im letzten Augenblick ihr Ende erkannte.[3] Sie schreit und weiß nicht, wie ihr wird, das Blut spritzt aus dem abgetrennten Hals, die Schlangen sind im Aufruhr.[4] Doch der Schrecken, den sie verbreitete, ist gebrochen. Sie schaut am Betrachter vorbei und überträgt so ihre Macht des Blicks auf ihn und besiegelt damit ihren Untergang.[3] Der Betrachter hingegen blickt ihr direkt in die angstentsetzten Augen, in den vor Furcht zu einem „O“ geweiteten Mund, sieht Zähne und Zunge.[4]
Obwohl das Bildnis auf die nach außen gewölbte (konvexe) Oberfläche des Schildes gemalt ist, gelang es Caravaggio, die Oberfläche des Schildes nach innen gewölbt (konkav) erscheinen zu lassen. Das Gesicht der Medusa scheint dabei hervorzutreten.[3] Seine Wahl des Schildes als Grundlage für das Bildnis ist dem mythologischen Hintergrund geschuldet.
Der Schild mit dem Haupt der Medusa wird meist als der in Athenes Schild gespiegelte Moment interpretiert, in dem Perseus der Gorgone den Kopf abschlug. Es gibt aber auch Stimmen, die das Bildnis der Medusa nicht als Spiegelbild interpretieren, sondern als reales Gorgoneion, das heißt als den Schild der Athene auf den das abgetrennte Haupt der Medusa befestigt wurde.[5]
Selbstbildnis ?

Das Gesicht der Medusa wird häufig als Selbstbildnis Caravaggios interpretiert.[3] Damit das Portrait auf der gerundeten Schildoberfläche realistisch wirkt, soll er sein eigenes Spiegelbild (in einem konvexen Spiegel) betrachtet und als Vorlage verwendet haben.[6][7] Als Beweis für das Selbstportrait wird häufig eine gewisse Ähnlichkeit der Medusa mit dem posthumen Portrait Caravaggios von Ottavio Leoni (1614) herangeführt. Einen Beweis für die These gibt es jedoch nicht.[8]
Versionen des Gemäldes

Caravaggio hat (mindestens) zwei Versionen der „Medusa“ angefertigt. Die erste, „Medusa Murtola“ genannt, entstand 1596/97 und befindet sich in Privatbesitz und wird in einem Tresor in London aufbewahrt.[9] Dieses Gemälde wurde erst Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt.[4] Die zweite unsignierte Version entstand um 1597 und befindet sich in der Sammlung der Galleria degli Uffizi in Florenz.[6][10]
Die „Medusa Murtola“ wurde mit Röntgenstrahlen untersucht. Hierbei zeigten sich sichtbare Änderungen, die während des Malprozesses entstanden. So stellte sich heraus, dass der Maler gleich zwei Vorzeichnungen anfertigte, die er in der Ausführung noch einmal veränderte.[4] Auf Grund dieser Änderungen gilt die „Murtola“ als die ältere der zwei existierenden Versionen, also als das Original und nicht als eine Kopie. An der Urheberschaft Caravaggios dieser mit „Michel A F“ (Michel Angelo Fecit) signierten Urversion gibt es keine Zweifel mehr.[4][9][10] Benannt ist diese Version nach dem italienischen Dichter Gaspare Murtola (gest. 1624/25), der in einem Madrigal von 1603 schrieb: „Flieht, denn wenn eure Augen vor Erstaunen versteinert sind, wird sie euch in Stein verwandeln“.[11]
Provenienz
Kardinal Francesco Maria del Monte, ein Förderer Caravaggios, gab das Gemälde in Auftrag und schenkte es Großherzog Ferdinando I de’ Medici. Es befindet sich seit 1631 in der Waffenkammer der Medici in den Uffizien. Zu dieser Zeit war das Gemälde auf ein Schild aufgebracht, das um 1601 der Schah von Persien, Abbas I., dem Großherzog schenkte.[12] 1601 gilt auch als das Jahr, in dem das Gemälde Ferdinando I de’ Medici überreicht wurde.[3]