Haus Tillmann

Bauwerk in Hilden, Richrather Straße 156 – 158, Ecke Karnaper Straße, Gaststätte mit Festsaal und Kegelbahn From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Haus Tillmann ist eine 1894 gegründete Gaststätte mit Festsaal und Kegelbahn in Hilden.

Haus Tillmann in Hilden

Geschichte

Hilden Familiengrab Tillmann

Erste Gaststätte

An der Richrather Straße 158 in Hilden stand schon 1830 ein Gasthaus. Dieses Haus wurde 1830 bis 1865 von Wilhelm Langen bzw. danach von seiner Witwe Maria geb. Emmgen geführt. Von 1865 bis 1879 war Heinrich Langen (* 1833) bzw. seine Witwe die Eigentümer. Am 8. Januar 1844 erhielt ihr Sohn Peter Langen die Schankerlaubnis.[1]

Michael Tillmann (* 1. Mai 1849; † 3. Dezember 1912) heiratete die Witwe Langen und wurde so Gastwirt. Die erste Gaststätte wurde am 4. Januar 1879 von Michael Tillmann übernommen.[1]

Haus Tillmann

Michael Tillmann ließ 1884 das jetzige „Haus Tillmann“ Richrather Straße 156 mit Kegelbahn, Festsaal und Einliegerwohnung erbauen. Ab 1884 führte Michael Tillmann zusammen mit seiner Frau Emille geb. Thomas (* 1. März 1843; † 4. Januar 1920) das Haus bis 1920. Michael Tillmann war Gründungsmitglied des „Hildener Wirte-Vereins“.[1]

Nach dem Tod von Emille übernahm deren Sohn Wilhelm (* 24. November 1879; † 8. Mai 1934) die Gaststätte und die daneben liegende Metzgerei mit Schlachthaus und Pökelraum. Er erhielt die Schankkonzession am 16. Januar 1898.

Nach Wilhelms Tod 1934 wurde das Haus Tillmann bis 1949 von seiner Witwe Maria Tillmann geb. Kaczor weitergeführt. Das Haus Richrather Str. 156 wurde an die Tochter Emilie Tillmann-Molderings (* 29. Mai 1921 in Solingen; † 14. Mai 2007) vererbt. Das Nachbarhaus Richrather Str. 158 bekam ihre Schwester Elisabeth Schröder geb. Tillmann, die mit dem Gastwirt Wilhelm Schröder aus Düsseldorf-Eller verheiratet war.[1]

Gaststätte Tillmann, Richrather Straße 156

Anschließend bewirtete ab 19. August 1949 Kurt Molderings die Gaststätte. Er war mit der Tochter Emilie Tillmann-Molderings verheiratet. Nach der Scheidung betreute ab 18. Mai 1954 bis 1981 Emilie Tillmann-Molderings die Gäste.[1]

Umbau 1955

Unter der Bauleitung von Architekt Anton Maibaum ließ Emilie 1955 die Inneneinrichtung modernisieren. Die altertümliche Schaufenster Straßenfront wurde durch drei große Fenster ersetzt. Die Treppe wurde verbreitert. Der Saal erhielt ein einheitliches Niveau mit neuem Pitch Pine (Kiefernholz)-Tanzboden. Die alten, monströsen Öfen wurden durch moderne Gasheizungen ersetzt. Nach Neugestaltung der Fassade und Innenräume eröffnete Haus Tillmann am 13. Dezember 1955 wieder.[2][1]

Emilie Tillmann-Moldrings verpachtete ab Mai 1983 für 7 Jahre die Gaststätte an den Wirt Jürgen Wallborn und seinen Bruder.[3]

Weitere Nutzung im Haus Tillmann

Klassenzimmer

Als während der Industrialisierung die Einwohnerzahl steil zunahm, reichte der Platz der Wilhelm Busch Volksschule nicht mehr aus. Sie mietete, um eine zweite Klasse einrichten zu können, ab 1. August 1899 in der Gaststätte „Haus Tillmann“ an der Richrather Straße 156 den Saal an. Im hinteren Teil der Schankwirtschaft wurde der Turnunterricht abgehalten. Mit Einweihung des neuen Schulhauses, dem Backsteinbau an der Richrather Straße 134, zog sie am 8. Oktober 1900 um.

Metzgerei Schopp

Direkt neben dem Gastraum gehörte bis 1968 die Metzgerei Schopp auch dazu. Ihr Schlachthaus und der Pökelraum lagen um die Ecke in der Karnaper Straße. Heute wird der frühere Schlachtraum als Küche der Gaststätte genutzt.[4]

Schießanlage

Die „St. Seb. Schützenbruderschaft Hilden e. V. gegr. 1484“ gründete 1905 bei dem Schützenbruder und Gastwirt Wilhelm Tillmann die „Grenadier-Kompanie“. Sie errichteten 1906 im dahinter liegenden Gartengrundstück eine Schießanlage mit 5 Ständen und mit Kugelfang, auf der bis 1982 der Schützenkönig ausgeschossen wurde. Sie zogen am 20. November 1982 in das eigene, neue Schützenhaus Oststraße 80 um.[4][5] Zur 100-Jahr-Feier hielten die Majestäten der Schützen 2005 Hof im Haus Tillmann.

Sammelunterkunft

Von 1946 bis 1948 war Haus Tillmann Sammelunterkunft für Kriegsflüchtlinge.[1]

Das Erdgeschoss wurde 1961 verklinkert.

Vereinsleben

Viele Jahre war das Haus im letzten Jahrhundert das Feierlokal der „Südstädter“ und „Karnaper“. Ein kleiner Saal – immerhin bis 300 Personen fassend – ermöglichte ein reges Vereinsleben.

MGV Germania

Seit 1888 kamen der 1864 gegründete Männergesangsverein „MGV Germania“ zum Singen zusammen.[3]

Almrausch

Der 1907 gegründete gemischte Chor „Almrausch“ hielt von 1927 bis 2012 seine Proben bei Tillmann ab. Der Almrausch verwahrte sogar in einem alten Schrank auf dem Dachboden seine Chronik und verschiedene Urkunden.[3]

Tambourcorps Hilden-Süd

Der Spielmannszug des 1925 gegründeten „Tambourcorps Hilden-Süd“ trat mit Marschmusik am 22. April 1968 im Haus Tillmann auf.[1]

Kniebachschiffer

Am Altweibertag war ab 1971 das Haus Tillmann der Ort, an dem die „Kniebachschiffer“ den Altweiberball abhielten.[3]

Hilden, Richrather Straße 156, Haus Tillmann vor 2014

Umbau 1990

Nach mehrmonatiger Pause übernahm 1990 der Wirt Rolf Hallauer, der auch schon den „Reichshof“ und das „Brauhaus“ bewirtschaftet hatte, das Haus Tillmann als Eigentümer. Er gestaltete mit einem Team um den „Künstlerischen Leiter“ Dieter Maltzahn das Haus innen und außen um. Das Restaurant bot nun 70 Plätze. In der Stube konnten zirka 30 Personen Platz finden.[1]

Im Obergeschoss bekam der Saal eine Lüftungsanlage. Damit stand im Hildener Süden wieder ein Veranstaltungsort zur Verfügung. Haus Tillmann eröffnete am 6. November wieder. Schon am 10. November 1990 fand der Ball der „Sportkegler“ statt.[6]

Weitere Pächter und Umbau 1999

Danach wechselten die Pächter mehrfach. Der Letzte vor dem Konkurs war der Mitbesitzer Dominko Beslic. Er besaß Haus Tillmann zusammen mit Michael Deprez. Deprez war Präsident der Karnevalsgesellschaft Kniebachschiffer und Ratsmitglied. Die verschiedenen Chöre wie Almrausch und Germania konnten die Räumlichkeiten wieder für ihre Proben nutzen.[1]

Konkurs und Neuanfang

Wegen nachlassender Gästezahlen schloss das Tillmann zum Jahresende 2013. Nur an drei Tagen in 2014 von Altweiber bis Rosenmontag konnten die Karnevalisten noch feiern. Am 20. August 2014 kam es zur Zwangsversteigerung.[1] Ab 2015 war Josip Krakic Pächter. Durch regelmäßige Veranstaltungen füllte sich das Haus ab 2015 wieder.

Während und nach der Corona-Pandemie

Während der COVID-19-Pandemie 2020 überlebte Tillmann unter der Leitung der Familie Krakic, weil das Team einen umfangreichen Lieferservice anbot. Man konnte auch die Speisen telefonisch bestellen und mit Maske vor Ort abholen. Am 11. Mai 2020 durfte Haus Tillmann die Gaststätte und den Biergarten mit den damals geltenden Hygieneregeln wieder eröffnen. Der monatliche Brunch am ersten Sonntag im Monat mit Frühstück und Mittagessen konnte wieder angeboten werden.[7] Auch nach der Corona-Zeit beliefert Tillmann körperlich beeinträchtigte Menschen in der Nachbarschaft.

Commons: Haus Tillmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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