Hedwig-von-Wissmann-Jugend
kolonial-revisionistische Jugendabteilung für Mädchen und junge Frauen in den frühen 1930er Jahren
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Die Hedwig-von-Wissmann-Jugend war eine kolonial-revisionistische Jugendabteilung für Mädchen und junge Frauen in den frühen 1930er Jahren.
Geschichte
Die Abteilung wurde Ende 1931 von der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG) gegründet. Die Hedwig-von-Wissmann-Jugend war Teil des Bundes Deutscher Kolonialjugend, der offiziellen Jugendorganisation der DKG.[1] Sie war die einzige Gruppierung für weibliche Mitglieder der kolonialen Jugendbewegung in der Weimarer Republik mit reichsweiter Organisationsstruktur und eigenem Namen.[2.1][3.1] Die Leitung lag zunächst bei einem Dr. Maywald (1931–1932) und danach bei Hermann Sannemann (1932).[4]
Daneben bestanden jedoch weitere Mädchengruppen des Frauenbundes der DKG. Eine Zusammenführung war angedacht, scheiterte aber bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten an Meinungsverschiedenheiten innerhalb der DKG. Unter anderem war der Frauenbund gegen ein obligatorisches Abo der Zeitschrift Jambo, die sich vorwiegend an Jungen richtete.[2.1][3.2]
Mitglied konnten „unbescholtene deutsche Mädchen“ ab 10 Jahren mit Einwilligung des Vaters oder eines gesetzlichen Vertreters werden.[2.1] Die Hedwig-von-Wissmann-Jugend war innerhalb und außerhalb von Schulen organisiert: Schulische Gruppen hatten je eine Anführerin, die mindestens 14 Jahre alt war und einem Lehrer als Vertrauensperson unterstand.[3.2] Die außerschulischen Gruppen wurden von einer mindestens 18-jährigen Jugendlichen geleitet.[2.2] Im Vergleich zu den Mädchengruppen des Frauenbundes der DKG konnten die außerschulischen Gruppen intern weitgehend unabhängig von Erwachsenen handeln.[3.2] Eine Gemeinsamkeit war das Ziel der Aneignung und Verbreitung von Wissen über die verlorenen Kolonien sowie die Forderung nach Lebensraum.[2.2][5]
Ihrer Satzung nach sollte die Hedwig-von-Wissmann-Jugend überparteilich und konfessionell neutral sein.[3.3] Die Satzung orientierte sich an den Richtlinien der Jungengruppen des DKG, nach denen die Jugendlichen zu neuen Kolonialpionieren werden sollten. Jedoch sollten die Mitglieder der Hedwig-von-Wissmann-Jugend dem männlichen Nachwuchs erst dann nach Übersee folgen, wenn dieser wieder kolonialen Raum für Deutschland zurückgewonnen hätte. Zu den Aktivitäten der Mitglieder zählten zweiwöchentliche Informationsveranstaltungen, Wanderfahrten, Gymnastik, Sanitätskurse sowie haushaltsnahe Kenntnisse wie Nähen, Schneidern und Kochen.[2.3][3.4] Die spärlichen Zeugnisse der Hedwig-von-Wissmann-Jugend lassen vermuten, dass Handarbeiten weniger zentral waren als für die Mädchengruppen des Frauenbundes der DKG und stattdessen sportliche Aktivitäten einen höheren Stellenwert besaßen.[2.4]
Im September 1933 wurde die Hedwig-von-Wissmann-Jugend wie andere koloniale Jugendgruppen in die Hitlerjugend, beziehungsweise in den Bund Deutscher Mädel, überführt.[6]
Benannt war die Jugendabteilung nach Hedwig von Wissmann (1867–1949), der Ehefrau des Afrikareisenden, Offiziers und Kolonialbeamten Hermann von Wissmann.
Literatur
- Susanne Heyn: Kolonial bewegte Jugend. Beziehungsgeschichten zwischen Deutschland und Südwestafrika zur Zeit der Weimarer Republik. transcript Verlag, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4265-0.