Hedy Kempny

österreichische Bankangestellte und Journalistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Hedwig „Hedy“ Kempny (* 21. Dezember 1895 in Gutenstein; † 16. Mai 1986 in New York) war eine österreichische Bankangestellte, Journalistin und Essayistin. Bekannt ist sie heute vor allem durch ihre Freundschaft mit Arthur Schnitzler.

Hedy Kempny, St. Gallen, 1920.

Leben

Hedy Kempny in Gutenstein, 1910.

Hedy Kempny wurde als drittes Kind des Arztes, Naturforschers und Komponisten Dr. Peter Kempny (1862–1906) und Valentine geb. Berger (1866–1928) geboren. Bereits früh im Elternhaus für Musik – insbesondere für Klavier begeistert und von ihrem Vater unterrichtet – setzte sie nach seinem frühen Tod ihre Klavierausbildung parallel zum Besuch der Bürgerschule 1907/08 bei Professor Josef Saphier am Wiener Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde fort. Danach trat Hedy Kempny in die Handelsschule ein, wobei sie ab 1909 an der nunmehrigen k.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst (die 1909 aus dem Wiener Konservatorium nach dessen Verstaatlichung hervorgegangen war) weiterhin das Klavierstudium – zuletzt bei den Komponisten Franz Schmidt (Hauptfach) und Richard Stöhr[1](Harmonielehre) – betrieb und 1912 die Reifeprüfung ablegte[2].

Auch zunehmend am Theater sehr interessiert – so korrespondierte sie bereits seit längerem mit Bühnenstars wie Käthe Hannemann oder Mizzi Kohler – bestand sie noch 1912 an der Akademie die Talentprüfung im Fach Schauspiel bei Eugenie Petrasch-Wohlmuth. Ab 1913 verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Bankangestellte der „Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft“ (Bank am Hof, Wien I). Daneben nahm sie ab 1913 Schauspielunterricht (Rollenfach Heroine) bei Hofschauspieler Ferdinand Gregori, der bereits seit 1905 am Konservatorium gelehrt hatte und 1909 an der nunmehrigen Akademie zum k.k. Professor und Inspektor der Schauspielschule bestellt worden war und einen hervorragenden pädagogischen Ruf genoss. Wegen Gregoris kriegsbedingter Einberufung zum deutschen Heer zur Dienstleistung als Offizier im September 1914 beendete Hedy Kempny ihre Schauspielstudien.

Hedy Kempny, Wien, 1919.
Frieda Beerli und Hedy Kempny im Kimono, St. Gallen, 1920.

Bereits in frühen Jugendtagen hatte Hedy Kempny mit Wolfgang von Miklosich (1893–1919), Enkel des Philologen und ersten Ordinarius für Slawistik an der Universität Wien, Franz von Miklosich musiziert. Eingezogen im Ersten Weltkrieg geriet Miklosich 1915 in sibirische Gefangenschaft (Lager Beresowka). Während der vierjährigen Gefangenschaft wechselten Wolfgang und Hedy trotz schwierigster Umstände Briefe, durch die sich zwischen ihnen eine tiefe Zuneigung entwickelte, die Wolfgang veranlasste, Hedy etwa 40 Gedichte zu widmen. 1919 aus dem Lager entlassen, starb Miklosich entkräftet vor Einschiffung in Wladiwostok an der Spanischen Grippe.

(2021 vertonte Akos Banlaky fünf Gedichte von Miklosich an Hedy Kempny: 13. Liedfantasie op. 69, die in Gutenstein bei der „Kempnyade 2021“ uraufgeführt wurde)[3].

1919 begann Hedy Kempny mit Arthur Schnitzler einen Briefwechsel, wenige Monate danach kam es zur ersten Begegnung der beiden. Daraus entwickelte sich eine enge Freundschaft, die bis zu Schnitzlers Tod 1931 währte und in einer ca. 600 Briefe und Karten umfassenden Korrespondenz dokumentiert ist. Zwischen 1921 und 1923 war sie mit dem Schweizer Lyriker, Juristen und Musiker Walter Pfund liiert, den sie an einem privaten Musikabend im Haus von Richard Stöhr, ihrem einstigen, von ihr sehr geschätzten Professor für Harmonielehre an der Musikakademie, kennen gelernt hatte. Auf Hedy Kempnys Betreiben erschien im Wiener Verlag Eduard Strache 1922 Pfunds expressionistischer Gedichtband Irrfahrt, aus dem Richard Stöhr vier Gedichte vertonte. Ab 1926 schrieb sie als freie Mitarbeiterin u. a. regelmäßig für das St. Galler Tagblatt und das Wiener Magazin.

Nach der Schließung der „Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft“ infolge der Weltwirtschaftskrise 1934 nahm sie eine Position im Management des Saturn Verlages an. Im Februar 1939 verließ sie aus Ablehnung des neuen totalitären Regimes aus freien Stücken Wien und ließ sich in Zürich nieder. In diesen acht Jahren schrieb sie in Ermangelung einer Arbeitsgenehmigung unter dem Pseudonym Fiammetta oder F. B. Kurzgeschichten und Essays für Schweizer Magazine.

Hedy Kempny im Engadin, Sommer 1934.
Hedy Kempny, Burlington (Vermont, USA), 1965.

1947 übersiedelte sie nach New York, wo sie wieder ins Verlagswesen (Frederick Ungar Publishing Company) eintrat. Nach Erlangung der amerikanischen Staatsbürgerschaft im Jahr 1952 verbrachte sie ab 1953 bis ins hohe Alter jährlich Urlaube in Österreich. Auch in New York veröffentlichte sie eine Reihe von Kurzgeschichten (New Yorker Staats-Zeitung, "The Staats"). Mit 85 Jahren zog sie sich aus dem Verlag zurück.

Im Herbst 1985 wurde ihr vom Bundespräsidenten das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Ihrer Leidenschaft – Briefe mit interessanten Personen zu wechseln (z. B. Erika Pluhar) – frönte sie bis in ihre letzten Lebenstage. Am 16. Mai 1986 starb sie an Herzversagen in New York.

Jenny Korb (1869–1937), eine Opernsängerin, die 1906 an der Grazer Oper in der österreichischen Erstaufführung der Oper Salome unter der Stabführung von Richard Strauss die Titelpartie sang, war Kempnys Cousine. Der Jurist, Autor und Kunstmanager Heinz P. Adamek ist Hedy Kempnys Großneffe.

Nachruhm

  • Im Roman Des Lebens fünfter Akt von Volker Hage über die letzten drei Lebensjahre Schnitzlers tritt auch Hedy Kempny auf.[4]
  • Im „literarischen Rätsel um Arthur Schnitzlers Fräulein ElseWer war der Matador? von Christiane Kell ist Kempny ebenfalls ein Abschnitt gewidmet.[5]

Publikationen

  • „Hedy Kempny/Arthur Schnitzler - Das Mädchen mit den dreizehn Seelen“. Eine Korrespondenz ergänzt durch Blätter aus Hedy Kempnys Tagebuch sowie durch eine Auswahl ihrer Erzählungen. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Heinz P. Adamek. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984, ISBN 3-499-15457-9.
    • Marie-Theres Hemberger: Dreizehn Seelen. „Buch der Woche.“ In: Die Presse, 27. Februar 1985.
    • Hans Heinz Hahnl: Guten Morgen, mein Dichter! In: Arbeiter-Zeitung, 9./10. März 1985.
    • Eugen Freund: Du bist wie meine zweite Tochter. In: Die Presse, 15./16. Juni 1985.
    • Flucht aus Furcht vor dem eigenen Wesen. In: Aufbau, New York, 6. Dezember 1985.
    • Susi Schneider: The Girl with the thirteen Souls. In: AUSTRIAN INFORMATION, Vol. 39 No. 3 (1986), Austrian Press and Information Service, New York.
    • Nike Wagner: Hedy Kempnys und Arthur Schnitzlers Briefwechsel; eine Anthologie. In: Die Zeit, 11/1986.
    • Susanne Schaber: “Dass Du auf der Welt bist, ist ein tiefes Aufatmen für mich”. In: Neue Zürcher Zeitung, 6./7. Oktober 1990.
  • „Hedy Kempny/Arthur Schnitzler – La Ragazza dalle tredici Anime“, Hrsg. und Epilog: Heinz Adamek. Feltrinelli, Mailand 1987, ISBN 88-07-07018-9.
    • Schnitzler in girotondo In: Repubblica, Rom, 22. Oktober 1987.

Literatur

  • Susanne Schaber: Hedy Kempny – Arthur Schnitzler. Diagramm einer Freundschaft. Dissertation. Universität Innsbruck, 1989.
  • Heinz P. Adamek: Hedy Kempny und Arthur Schnitzler – ein (gem)einsamer Weg. Essay im Programmheft der Uraufführung des Balletts „Arthur Schnitzler und sein Reigen“, Volksoper Wien, Österreichischer Bundestheaterverband, 1988
  • Heinz P. Adamek: The Girl with 13 Souls. In: Austria Kultur, Nov/Dec 1995, Vol.5 No.6, New York.
  • Heinz P. Adamek: Kunstakkorde – diagonal. Essays zu Kunst, Architektur, Literatur und Gesellschaft. Böhlau, Wien 2016, ISBN 978-3-205-20250-9, S. 208–223.
  • Gerhard Strejcek: „Im Sommer vor hundert Jahren“. In: Der Standard, Album, A 1-2, 25. Juli 2023.
Commons: Hedy Kempny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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