Heilig-Kreuz-Kirche (Worms-Horchheim)

Kirchengebäude in Worms, Rheinland-Pfalz From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kirche Heilig Kreuz in Worms-Horchheim ist die römisch-katholische Kirche dieses Wormser Stadtteils. Sie ist ein Bauwerk im Stil der Neugotik[Anm. 1], ein „charakteristischer Bau des Späthistorismus“[1] und wurde 1910 geweiht. Wegen ihrer imposanten Größe wird sie auch als Dom des Eisbachtals bezeichnet. Zusammen mit einem Verbindungsbau, der zum Pfarrhaus führt, bildet sie ein mächtiges Ensemble.[2]

Heilig Kreuz von Westen
Heilig Kreuz von Westen
Grundriss
Grundriss

Geografische Lage

Die drei Kirchen von Horchheim (v. l. n. r.): Friedhofskapelle, Gustav-Adolf-Kirche und Heilig Kreuz

Die Kirche liegt in der Goldbergstraße 1 auf einer Erhebung über Worms-Horchheim, die von Weinbergen bedeckt ist. Von dort besteht eine Sichtbeziehung zum Wormser Dom.[3][Anm. 2]

Geschichte

Vorgeschichte

Die ursprüngliche Kirche von Horchheim stammte aus dem Mittelalter, deren älteste erhaltene Erwähnung von 1234. Dieses mittelalterliche Bauwerk wurde 1726 barock umgestaltet und dient heute als Friedhofskapelle.[4] Horchheim wurde in der Reformation lutherisch. Es gehörte damals zur Grafschaft Nassau-Saarbrücken, später zur Unterlinie Nassau-Weilburg. 1635 wurde der Ort unter der spanischen Besetzung im Dreißigjährigen Krieg wieder römisch-katholisch und blieb es auch in der Folgezeit.[5]

Planung

Heilig Kreuz von Südwesten
Burgartiger Hofraum zwischen Kirche (links) und Pfarrhaus (rechts, außerhalb des Bildes), Blick auf die Sakristei

Aufgrund des enormen Bevölkerungszuwachses am Ende des 19. Jahrhunderts war die bestehende, barocke Kirche viel zu klein – wegen Überfüllung bei der Firmung brach 1897 eine Panik aus. Das Gebäude wies zudem erhebliche bauliche Mängel auf: Ebenfalls 1897 stürzte ein Teil der Decke ab. Erste Überlegungen zielten auf eine Sanierung und Erweiterung des bestehenden Gebäudes. Der damalige Stadtbaumeister von Worms, Karl Hofmann, unterbreitete entsprechende Überlegungen.[6] Die Vorfälle von 1897 und ein Wechsel des Gemeindepfarrers 1898, zum damals erst 29-jährigen Johannes Flath (1898–1901),[7] führten 1899 zu dem Beschluss, einen Kirchenneubau an anderer Stelle zu verwirklichen. Es folgte innerhalb der Gemeinde ein heftiger Streit um die Frage, ob Renovierung oder Neubau die bessere Lösung sei, und spaltete die Gemeinde in den folgenden Jahren: Johannes Flath ließ sich versetzen, und der Streit verschliss auch die beiden folgenden Pfarrverwalter und den dann amtierenden Amtsnachfolger Franz Burtschell (1902–1905).[8] Erst dem seit 1905 amtierenden Pfarrer Peter Michel gelang es, die auseinanderstrebenden Kräfte zu bündeln[9]: Er gründete einen Kirchenbauverein, der Geld für das Vorhaben sammelte. Bis Mitte 1906 waren so immerhin schon 54.000 Mark zusammengekommen.[10]

Der Architekt August Greifzu begann 1906 mit der Planung und legte zunächst einen neuromanischen Entwurf vor. Das stieß bei allen Beteiligten – Gemeinde, staatlicher Baubehörde und bischöflichem Ordinariat – nicht auf Gegenliebe. Der Architekt versuchte es dann mit einem Entwurf in Neorenaissance, was auch keine Akzeptanz fand.[11] 1907 griffen dann Gemeinde und Architekt auf das neugotische Projekt zurück, das bereits Pfarrer Johannes Flath betrieben hatte. August Greifzu legte dazu Ende 1907 einen vollständigen Entwurf vor, auf dessen Grundlage Mitte 1908 die Baugenehmigung erteilt wurde.[12] Die geplanten Kosten für den Kirchenneubau – einschließlich des Pfarrhauses – beliefen sich auf knapp 170.000 Mark.[13]

Bau

Ab August 1908 bis 1910 entstand das heutige Kirchengebäude zusammen mit einem Pfarrhaus und einem Verbindungsbau. Die offizielle Grundsteinlegung erfolgte am 2. Mai 1909.[14] Es entstand ein mächtiges und prächtiges Ensemble. Architekt blieb August Greifzu.[15] Elektrische Beleuchtung erhielt die Kirche erst nachträglich, weil Horchheim erst 1911 Anschluss an das Stromnetz erhielt.[16] Die Weihe der Kirche erfolgte am 24. Oktober 1910 durch den Mainzer Diözesanbischof Georg Kirstein.[17]

Weitere Entwicklung

Hauptschiff nach Osten
Hauptschiff nach Osten
Hauptschiff nach Westen
Hauptschiff nach Westen
Sterngewölbe im Hauptschiff
Heilig-Kreuz-Altar
Narienaltar

1942 wurde Horchheim als Worms-Horchheim nach Worms eingemeindet. Bei dem Luftangriff auf Worms am 21. Februar 1945 im Zweiten Weltkrieg wurde auch Worms-Horchheim getroffen, ein großer Teil des Ortes und auch die Kirche Heilig Kreuz schwer beschädigt. Der Dachstuhl brannte ab, Teile der Gewölbe und die Fenster[Anm. 3] wurden zerstört, die Inneneinrichtung beschädigt.[18][Anm. 4] Der Wiederaufbau erfolgte von 1946 bis 1948[19], die Wiedereinweihung fand am 3. Oktober 1948 statt.[20]

1953 wurde eine Warmluftheizung eingebaut, die 1961 von Koks auf Heizöl umgestellt wurde.[21]

Ende 1954 und Anfang 1955 beschädigten Stürme das Kirchendach und den Turmhelm.[22] Die Reparaturen zogen sich bis 1959 hin.[23]

Nachdem die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fenster zunächst nur mit einer einfachen Verglasung wieder geschlossen werden konnten, erhielt der Chor 1955 wieder drei Buntglasfenster, die die im Zweiten Weltkrieg zerstörten ersetzten, „eine dem neugotischen Stil der Kirche entsprechende farbige Fensterverglasung“: Christus am Kreuz (Mittelfenster) und zwei begleitenden Fenstern mit „Teppichmuster“. Die Entwürfe stammen von Alois Stettner.[24]

1960 wurde die Kirche außen, 1963 innen renoviert,[25] im Chor 1969 in Folge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils ein neuer Zelebrationsaltar aufgestellt.[26] 1969 wurde der Turm renoviert.[27] Weitere Renovierungen folgten 1986 bis 1988[28] und eine weitere Turm- und Dachsanierung 2008 bis 2010.[29]

Die gestohlene Madonna von 1420

Am 29. November 1985 wurden bei einem Einbruchdiebstahl in der Kirche drei Kunstwerke entwendet: Eine geschnitzte Madonna von 1420[30][Anm. 5], eine weitere des Heiligen Sebastian aus der Zeit um 1750 und eine jüngere Pietà. Der materielle Verlust wurde damals auf 60.000 DM geschätzt.[31] Die Figuren tauchten nicht mehr auf. Die Madonna wurde durch eine Nachbildung ersetzt.[32]

Gebäude

Die Kirche ist in neugotischem Stil errichtet, der im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bereits unmodern war, aber im römisch-katholischen Umfeld immer noch gerne genutzt wurde. Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit fünf Jochen, durch Pfeiler gegliedert, und in etwa geostet. Der Hauptzugang liegt im Westen. Der Innenraum ist 44 m lang, das Mittelschiff ist 15 m, die Seitenschiffe sind 7,5 m hoch. Die Decke ist komplett mit Sterngewölben ausgestattet. Der Chor hat einen Fünfachtelschluss. Im Westen des Kirchenschiffs gibt es eine Taufkapelle und eine Lourdesgrotte, darüber befindet sich die Orgelempore.[33]

Der südlich des Chors angebaute Chorflankenturm ist 54 m hoch und weist eine vertikale Gliederung auf, die ihn noch höher erscheinen lässt. Nördlich des Chors ist die Sakristei angebaut, zugleich Teil des Verbindungsbaus, der zum Pfarrhaus führt. Diese Gebäudeteile weisen Stilelemente des Heimatstils sowie der Neurenaissance auf und umgeben zusammen mit der Kirche an drei Seiten einen Hof, der einem Burghof nachempfunden ist.[34] Die Maßwerke der Fenster sind alle unterschiedlich gearbeitet, die ursprünglichen, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Buntglasfenster zeigten überwiegend Motive aus dem Rosenkranz. Die Kirche war auf 850 Sitzplätze ausgelegt.[35]

Ausstattung

Die Innenausstattung stammt zum größten Teil von Georg Busch aus Groß-Steinheim.[36] In den Jahren nach Baufertigstellung wurde die Inneneinrichtung bis in die Jahre des Ersten Weltkriegs weiter ergänzt, in der Regel durch Stiftungen.[37] Darüber hinaus wurde 1928 in einem Seitenschiff ein dem Heiligen Kreuz geweihter Altar mit einer Kreuzreliquie aufgestellt.[38] Diese Reliquie stammt aus der Vorgängerkirche.[39]

Orgel

Die erste Orgel für die Kirche wurde aus der alten Kirche versetzt, war aber für den Kirchenraum zu klein.[40] Nach den Kriegsschäden, einer wohl nicht allzu fachmännischen Instandsetzung[Anm. 6] und Holzwurmbefall[41] hielt sie immerhin noch bis in die 1970er Jahre durch.[42]

Die alte Orgel wurde im Januar 1979 abgebaut, mit dem Neubau war Erich Breitmann beauftragt, und zum 16. Dezember 1979 war die neue Orgel spielbereit.[43] Die Disposition lautet wie folgt:[44]

I Hauptwerk
Principal8′
Großgedackt8′
Oktave4′
Klein-Gedackt4′
Nassard 223
Oktave2′
Mixtur IV–V
Trompete horizontal8′
II Schwellwerk
Hohlflaute8′
Holzgedackt8′
Qintadena8′
Praestant4′
Rohrflöte4′
Gemshorn2′
Sifflöte1′
Sesquialter II
Scharff III
Oboe8′
Pedal
Prinzipalbass16′
Subbass16′
Oktavbass08′
Gedacktbass08′
Choralbass04′
Hintersatz III
Posaune16′
Clairon08′

Glocken

Die Glockenweihe erfolgte am 26. Juni 1910. Aufgrund der Platzverhältnisse im Turm konnten bis zu vier Glocken gehängt werden. In diesem ersten Geläut befand sich eine Glocke von 1500, die aus der alten Kirche übernommen wurde.[45] Hinzu traten drei von Andreas Hamm in Frankenthal neugegossene Glocken, für deren Guss zwei Glocken von 1872 aus der alten Kirche eingeschmolzen wurden. Der Klang wurde auf das Geläut der benachbarten, 1908 eingeweihten evangelischen Gustav-Adolf-Kirche abgestimmt.[46] Im Ersten Weltkrieg mussten die beiden größten Glocken abgeliefert werden und wurden zu Kanonen umgegossen.[47]

1924 wurden als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg zerstörten Glocken zwei neue Glocken bei Hamm in Frankenthal gegossen und geweiht. Es waren hinsichtlich Gewicht und Widmung Repliken der beiden durch den Krieg verlorenen Glocken.[48] Aus diesem Geläut fielen die drei größten Glocken der Beschlagnahme 1942 zum Opfer,[49] nur die Glocke von 1500 blieb erhalten.

1949 wurde ein neues Geläut aus vier Glocken in den Turm gehängt und ergänzte die verbliebene Glocke von 1500. Aus Kostengründen waren es diesmal Stahlglocken, die der Bochumer Verein goss.[50] Diözesanbischof Albert Stohr aber wollte die nach seiner Ansicht „vornehmeren“ Bronzeglocken (ohne Rücksicht auf die vor Ort nicht finanzierbaren Mehrkosten) und verweigerte deren Weihung.[51] Die Glocken hängen noch heute im Turm der Kirche:

Weitere Informationen Nr., Name ...
Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Gewicht
(kg)
Ø
(mm)
Nominal
(16tel)
Inschrift(en)
 
Material
1 Hosanna-Glocke[52]1500Peter aus SpeyerPeter zur glocken zu spier goss mich anno dni MCCCC ossana heiss ichBronze
2 Christusglocke[53]1949Bochumer Verein1360dStahl
3 Marienglocke[54]795fStahl
4 Josefsglocke[55]560gStahl
5 Antoniusglocke[56]395aStahl
Schließen

Gemeinde

Die römisch-katholische Gemeinde von Worms-Horchheim gehört seit dem 1. Januar 2025 zur Großgemeinde Katholische Pfarrei St. Nikolaus Worms-Wonnegau und hier zum Gottesdienstbezirk Süd, Gemeinde Eisbachtal.[57]

Literatur

  • Hans Caspary u. a. (Berab.): Rheinland-Pfalz/Saarland (= Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). 2. Aufl. München 1984. ISBN 3-422-00382-7
  • Diana Ecker: Kirchen, Kapellen und Heiligenhäuschen. Katholische Glaubensorte in Rheinhessen. Matthias Ess, Bad Kreuznach 2016. ISBN 978-3-945676-17-2, S. 268.
  • Heiko Kaltenthaler: Hundert Jahre katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz Worms-Horchheim 2010. Worms 2010.
  • Julian Molter (Bearb.) / Pastoralraum Worms und Umgebung – Pfarrei St. Nikolaus Worms-Wonnegau (Hrsg.): St. Nikolaus Worms-Wonnegau. Gründungsmagazin 01.01.2026. Worms 2025.
  • [Helmut Oberle]: 75 Jahre. 1910–1985 Heilig-Kreuz-Kirche Worms-Horchheim. Worms-Horchheim 1985.
  • Hermann Schmitt: Geschichte von Horchheim, Weinsheim und Wies-Oppenheim. Aus Anlaß der Einweihung der neuen kath. Kirche zu Horchheim. (24. Oktober 1910). Worms 1910.
  • Hermann Schmitt: Heiligkreuz in Horchheim bei Worms. Pfarrer und Pfarrei im 18. Jahrhundert
  • Irene Spille: Stadt Worms (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler Rheinland-Pfalz 10). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1992. ISBN 3-88462-084-3
Commons: Heilig-Kreuz-Kirche (Worms-Horchheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Molter, S. 29, will weiter „Jugendstil-Elemente“ entdeckt haben.
  2. Die Postadresse des Pfarrhauses ist „Goldbergstraße 3“.
  3. Ein Verlust an wirklichen Kunstwerken bedeutete die Zerstörung der alten Fenster nicht, da sie aus der Erbauungszeit der Kirche stammten, der Zeit um 1912, als die Glasmalerei auf einem Tiefstand angelangt war … (illi: Im Blickpunkt: Kreuzigungsgruppe – Horchheimer Kirche „Heilig Kreuz“ erhielt jetzt neue Glasfenster. In: Allgemeine Zeitung vom 10./11. Dezember 1955 [zitiert nach Oberle: 75 Jahre, S. 21]).
  4. Die Aussage, dass die Innenausstattung […] weitgehend original erhalten sei (Spille, S. 238; ähnlich Caspary, S. 1187, Ecker und wörtlich fast identisch: Molter, S. 29) ist deshalb mit Vorsicht aufzunehmen.
  5. Caspary, S. 1187: „leider neu gefaßt“.
  6. Als Reparaturmittel werden Schnürsenkel, Gummilitzen und Mauerziegel auf Blasebälgen erwähnt (Kaltenthaler, S. 79).

Einzelnachweise

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