Heilige Pforte

Eingang eines Kirchengebäudes, der nur zu Heiligen Jahren geöffnet ist From Wikipedia, the free encyclopedia

Eine Heilige Pforte (lateinisch Porta sancta) ist ein bestimmter Eingang eines Kirchgebäudes, der nur zu Heiligen Jahren geöffnet ist. Die feierliche Öffnung und Schließung durch den zuständigen Bischof markieren Beginn und Abschluss eines Jubeljahres.

Patriarchalbasiliken in Rom

Eine Heilige Pforte gibt es in den folgenden vier Papstbasiliken in Rom:

Das Eintreten in eine Patriarchalbasilika in Rom durch die Heilige Pforte symbolisiert das Wort Christi: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ (Joh 10,9 EU) Daher gehen Pilger, die in einem Heiligen Jahr nach Rom kommen und den Jubiläumsablass erlangen wollen, singend und betend durch die verhältnismäßig schmalen Heiligen Pforten.

In einem Brief aus dem Jahre 1400 heißt es: „Wer dreimal durch diese Pforte schreitet, dem werden die Schuld und Sündenstrafen nachgelassen. Es ist ein Wunder, das die Menschen erleben […]“.[1]

Die früheste Erwähnung einer Heiligen Pforte findet sich in einer Niederschrift des spanischen Pilgers Pero Tarfur aus dem Jahre 1437, der auf einen bereits existierenden Brauch verweist[2] Papst Alexander VI. führte zu Weihnachten 1499 die Sitte ein, dass das Heilige Jahr mit drei Hammerschlägen gegen die Heilige Pforte zu eröffnen sei. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten: Zur Eröffnung eines Heiligen Jahres klopft der Papst vor der ersten Weihnachtsvesper mit einem Hammer an die verschlossene, symbolisch vermauerte, Porta Santa von St. Peter, die daraufhin geöffnet wird. Dasselbe geschieht durch einen Päpstlichen Legaten in den drei übrigen römischen Hauptkirchen.[3]

Santiago de Compostela

Heilige Pforte in der Kathedrale von Santiago de Compostela

Die Kathedrale von Santiago de Compostela erhielt 1122 von Papst Calixt II. das Privileg, zu bestimmten Zeiten ein Heiliges Compostelanisches Jahr ausrufen lassen zu dürfen. Spätere Päpste bestätigten dies. Die Puerta Santa („Heilige Pforte“) oder Puerta del Perdon („Gnadentor“) der Kathedrale darf nach dem Codex Calixtinus nur in Schalt- und Jubiläumsjahren geöffnet werden. Diese sind, wenn der 25. Juli, der Todestag des heiligen Jakobus, auf einen Sonntag fällt.[4]

Als Heilige Pforte dient eine romanische Tür, die an der Ostseite der Kathedrale in den Chorumgang führt. Im oberen Abschluss zeigt der Vorbau die Skulpturen des hl. Jakobus und seiner Schüler Athanasius und Theodorus. In der eigentlichen Pforte betreten die Pilger die Kathedrale unter der lateinischen Inschrift Venient omne gentes et dicen gloria tibi Domine („Es kommen alle Völker und verkünden Deine Ehre, Herr“).

Heilige Pforten zum Jahr der Barmherzigkeit

Für das Heilige Jahr zum Jubiläum der Barmherzigkeit 2015/16 räumte Papst Franziskus mit dem Dekret Misericordiae vultus den Ortsbischöfen unter anderem die Möglichkeit ein, Heilige Pforten in den Kirchen ihrer Diözesen öffnen zu lassen, „entweder in der Bischofskirche, die die Mutter aller Kirchen im Bistum ist, oder in der Konkathedrale oder in einer anderen Kirche mit herausragender Bedeutung für die Dauer des Heiligen Jahres.“[5]

Heilige Pforten außerhalb Roms

Neben den römischen Basiliken besitzen mehrere andere Kirchen, die traditionell Wallfahrtsorte sind, vom Papst gewährte Heilige Pforten. Hier eine Aufzählung der vom Heiligen Stuhl offiziell auf Dauer anerkannten Heiligen Pforten:

Kathedrale von Santiago de Compostela, Spanien: Gewährt von Papst Alexander III. am 25. Juli 1178 mit der päpstlichen Bulle Regis Æterni anlässlich des Festes des Heiligen Jakobus, des Schutzpatrons von Spanien.

Heiligtum des Heiligen Jean-Marie Vianney, Ars-sur-Formans, Frankreich: Das Privileg einer Heiligen Pforte wurde von Papst Benedikt XVI. im Juli 2007 anlässlich des 150. Todestages von Jean-Marie Vianney gewährt.

Heilige Messe zur Öffnung der Heiligen Pforte in der Kathedrale Notre-Dame-de-Québec am 8. Dezember 2023 durch Kardinal Gérald Cyprien Lacroix (ganz rechts)

Kathedrale Notre-Dame de Québec, Québec, Kanada: Sie ist der Ort der einzigen Heiligen Pforte außerhalb Europas. Sie wurde am 8. Dezember 2013, dem Festtag der unbefleckten Empfängnis, von Kardinal Gérald Cyprien Lacroix eingeweiht.[6]

Insgesamt gibt es weltweit damit sieben Heilige Pforten auf zwei Kontinenten.

Einzelnachweise

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