Heinrich Küchler
deutscher Mediziner
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben
Küchler, Sohn des Geheimen Regierungsrats Karl Küchler, studierte ab 1828 an der Universität Gießen Medizin. Während seines Studiums wurde er 1828 Mitglied der Alten Gießener Burschenschaft Germania.[1] 1833 schloss er das Studium mit der Promotion zum Doktor der Medizin ab. Anschließend ging er nach Paris, um sich dort niederzulassen, kehrte jedoch auf Wunsch seines Vaters 1834 nach Darmstadt zurück. Er etablierte sich schnell als Augenarzt und führte erfolgreich Staroperationen durch. 1835 eröffnete er eine Augenheilanstalt.
Vom Hofgericht Gießen wurde aufgrund seiner Beteiligung an der Gießener Burschenschaft eine Untersuchung eingeleitet und Küchler im Februar 1836 verhaftet. Er blieb bis Januar 1839 in Einzelhaft, durch die er ein Leben lang gesundheitliche Einschränkungen im Bereich der Hüfte hatte. Wegen Beteiligung am Frankfurter Wachensturm und Flüchtlingsbegünstigung eines Attentäters wurde er am 8. Dezember 1838 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt; im Januar 1839 kam er aufgrund einer Amnestie frei.[2] Im Zuge der Demagogenverfolgung wurde er deswegen im Schwarzen Buch der Frankfurter Bundeszentralbehörde (Eintrag Nr. 971) festgehalten.[3]
Küchler konnte bereits 1839 seine Augenheilanstalt wiedereröffnen. Er machte sich schnell erneut einen Namen durch seine Staroperationen und führte 1840 die erste Schieloperation in seiner Augenheilanstalt durch. Ab dieser Zeit war er durchgängig schriftstellerisch aktiv. 1841 begab er sich auf eine längere Studienreise nach Berlin, Dresden, Prag und die böhmischen Bäder, bevor er 1842/1843 aufgrund seines Hüftleidens ans Bett und Sofa gebunden war und teilweise Operationen im Liegen durchführte. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit galt er auch als Organisationstalent. Durch die Unterstützung des Vereins zu Unterstützung armer Kranker vom Lande konnte er ab 1844 ein Krankenhaus aufbauen. 1849 übernahm die Großherzogin Mathilde das Protektorat über die Klinik. Bis 1860 wuchs die Klinik auf 150 Betten an. 1866 und 1870/1871 übernahm er zudem die Leitung des Lazaretts in Darmstadt, das 1870 über 168 Betten verfügte, die in der Pionierkaserne und im Garten der Orangerie in Bessungen untergebracht waren.
Küchler unternahm, soweit es seine Gesundheit zuließ Studienreisen, so 1851 nach Belgien und England, 1855 nach Frankreich, 1856 nach Berlin und 1858 nach Wien. 1861 und 1862 war er wieder eine längere Zeit gezwungen zu liegen. Dennoch wurde er 1862 als Obermedizinalrat in das entsprechende Kollegium berufen und 1869 zum Geheimen Obermedizinalrat ernannt.
Küchler wurde 1850 mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ausgezeichnet, außerdem mit dem sächsischen Erinnerungskreuze für die Jahre 1870/1871. 1909 wurde in Darmstadt-Bessungen eine Straße nach ihm benannt.
Der Provinzialdirektor Friedrich Küchler war sein Halbbruder, der hessische Finanzminister Wilhelm Küchler sein Neffe.
Werke (Auswahl)
- Schriftnummerprobe für Gesichtsleidende, Diehl, Darmstadt 1843.
- Bemerkungen über die Erkenntnis der Krankheiten nebst einer Anleitung zur Führung einer geordneten Krankencontrolle, Leske, Darmstadt 1844.
- Eine neue operative Heilmethode der sämmtlichen wahren Hornhautstaphylome nebst Untersuchungen über die Form und Bildungsweise dieser Staphylome, Vieweg, Braunschweig 1853.
- Exstirpation eines Milztumors: Wissenschaftliche Beleuchtung der Frage über Exstripation der Milz bei den Menschen ihrer Ausführbarkeit wie ihrer Zulässigkeit, Dietzsch, Darmstadt 1855.
- Kurze Zergliederung der Schrift des Gr. Militärartes Dr. G. Simon über die Exstirpation der Milz am Menschen, Dietzsch, Darmstadt 1858.
- Die Doppelnath zur Damm-Scham-Scheidennath und zu den Höhlennathen überhaupt: nebst Bemerkungen über die Tragweite dieser Operation zur Heilung der Gebärmuttervorfälle, Enke, Erlangen 1863.
- Der Sanitätsdienst im Großherzogthum Hessen, Jonghaus, Darmstadt 1868.
- Die Querextraction des grauen Staars der Erwachsenen, Enke, Erlangen 1868.
Literatur
- Ernst Gurlt: Küchler, Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 17, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 286–288.
- Ernst Gurlt: Kuechler, Heinrich. In: August Hirsch (Hrsg.): Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Band 3, Urban & Schwarzenberg, Wien und Leipzig 1886, S. 562 f.
- Kuechler, Heinrich (Georg). In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 6: Kraatz-Menges. K. G. Saur, München 2006, ISBN 3-598-25036-3, S. 117 (books.google.de – eingeschränkte Ansicht).
Weblinks
- Werke von und über Heinrich Küchler in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Küchler, Heinrich Georg. Hessische Biografie. (Stand: 17. Februar 2026). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Susanne Király: Küchler, Heinrich Georg. In: Stadtlexikon Darmstadt