Heinrich Oetting
deutscher Maschinenschlosser, Funktionär der SPD und politisch Verfolgter
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Heinrich Oetting (vollständig Heinrich Georg Oetting, * 13. August 1899 in Sankt Magnus, jetzt Bremen,† 1980[1] ebendort) war ein deutscher Maschinenschlosser, Funktionär der SPD und politisch Verfolgter. Er wurde von Arbeitskollegen denunziert und ist am 6. Oktober 1943 wegen sogenannter Wehrkraftzersetzung vom 1. Senat des Volksgerichtshofes unter dem Vorsitz von Roland Freisler zum Tode verurteilt worden. Das Todesurteil wurde am 8. Januar 1944 durch Gnadenerlass in eine Zuchthausstrafe umgewandelt.
Leben und Wirken
Bruchstückhafte Kenntnisse über sein Leben und Wirken sind lediglich in Gerichtsakten[2] und Entschädigungsakten (Staatsarchiv Bremen Signatur 4,54-E 6172) nachgewiesen. Er wohnte in Sankt Magnus (jetzt Bremen) in der Straße Wolfskuhle 7, arbeitete auf der nahegelegenen Vulkan-Werft in Bremen-Vegesack, war verheiratet mit Anna Oetting, geb. Friederichs, und hatte zwei Kinder.
Am 6. Oktober 1943 wurde er zum Tode verurteilt. In dem Urteil heißt es u. a.:
„Im Namen des Deutschen Volkes.
In der Strafsache gegen den Maschinenschlosser Heinrich Oetting aus Bremen St.Magnus […] wegen Wehrkraftzersetzung hat der Volksgerichtshof, 1. Senat, auf Grund der Hauptverhandlung, an welcher teilgenommen haben -als Richter: Präsident des Volksgerichtshofes, Dr.Roland Freisler, Vorsitzender, Kammergerichtsrat Rehse, Generalarbeitsführer von Mangoldt, Generalmajor Stutzer, SA-Gruppenführer Aumüller, als Vertreter des Oberreichsanwalts: Erster Staatsanwalt Henning, für Recht erkannt: Heinrich Oetting, ein alter Marxist, der auch heute in der NSDAP, seinem Wohnsitz und in der Vulkanwerft, seiner Arbeitsstätte, in dem Rufe eines üblen Miesmachers steht, hat nach dem Verrat an Mussolini zu einem Volksgenossen gesagt, in Italien seien wir bis Fiume zurück, in Orel seien 250 000 deutsche Soldaten eingeschlossen und in drei Monaten hätten wir eine demokratische Regierung. Als Zersetzungspropagandist unserer Kriegsfeinde ist er für immer ehrlos. Er wird mit dem Tode bestraft.“[3]
Er war inhaftiert in Bremen und Berlin-Moabit vom 17. August 1943 bis zum 11. Oktober 1943. Anschließend wurde er zur Hinrichtung durch das Fallbeil in das Zuchthaus Brandenburg-Görden verlegt, wo er zunächst im nahegelegenen Betrieb der Firma Bosch als Häftlingsarbeiter eingesetzt wurde. Mit der Begründung, dass er „im Betrieb der Fa. Bosch-Dreilinden[4] als Fachkraft dringend benötigt wird“, wurde er am 8. Januar 1944 durch Erlass des Reichsjustizministeriums begnadigt zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust.[5] Am 27. April 1945 wurde er durch die Rote Armee befreit („Entlassung durch die Russen“, wie er später kommentierte).
Am 17. Mai 1949 wurde Oetting eine Haftentschädigung von 3055 Mark zugesprochen, u. a. wegen erlittener Gesundheitsschäden.[6] Er wohnte nach Kriegsende wieder in Sankt Magnus (zunächst Wolfskuhle 7, dann 1958 im Behelfsheim Heriwardstraße und seit 1966 Chaukenhügel 21), wo er 1980 verstorben ist. Er wurde auf dem Friedhof in Bremen-Lesum, Bördestraße, beerdigt.
Mitgliedschaften
Von 1918 bis 1933 war er Funktionär der SPD.
Weblinks
- Anonymus: Heinrich Oetting wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Spurensuche Bremen 1933-1945, 29. November 2022, abgerufen am 13. März 2026.