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Heinrich Swoboda (Theologe)

österreichischer Theologe, Kunsthistoriker und Archäologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Heinrich Swoboda (* 28. Juni 1861 in Wien-Fünfhaus; † 7. Mai 1923 ebenda) war ein österreichischer römisch-katholischer Pastoraltheologe.

Büste Heinrich Swobodas im Arkadenhof der Universität Wien

Leben und Werdegang

Heinrich Swoboda entstammte einer bekannten Orgelbauerfamilie und trat nach Abschluss des Schottengymnasiums in Wien 1880 in das Wiener Priesterseminar ein, während er parallel an der Universität Wien katholische Theologie studierte. 1884 wurde er zum Priester geweiht und betätigte sich danach als Kaplan in Mariabrunn und Penzing. Ab 1886 setzte er seine Studien der Christlichen Archäologie und Kunstgeschichte am Campo Santo Teutonico in Rom und wurde 1889 in Wien in den Fächern Archäologie, Kunstgeschichte und Ästhetik zum Doktor der Philosophie promoviert. 1890 erfolgte seine Habilitation für Christliche Archäologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien. 1894 promovierte er erneut, nun zum Doktor der Theologie, und wurde 1895 zum außerordentlichen und 1899 zum ordentlichen Professor für Pastoraltheologie und Katechetik an der Universität Wien ernannt. Von 1898 bis 1900 war Swoboda Senator der Theologischen Fakultät. In den Jahren 1901, 1906 und 1920 fungierte er als Dekan und wurde für das Studienjahr 1909/10 zum Rektor der Universität Wien gewählt.

Von 1892 bis 1899 war er zudem Hofkaplan und Vikar der Wiener Hofburgpfarre.

Akademische Arbeit

Swoboda beteiligte sich als Archäologe unter anderem an den Ausgrabungen auf der Piazza della Corte in Grado und forschte zur Baugeschichte der Basilika von Aquileia. Als Kunsthistoriker war er 1892 an der Einrichtung der Österreichischen Leo-Gesellschaft beteiligt und wurde 1901 zum Obmann der neuen Sektion für bildende Kunst gewählt. Er war ein Gegner des Historismus in Wiener Kirchenbauten und sprach sich anlässlich des geplanten Baus der Kirche am Steinhof für die Einbeziehung des Jugendstils in die Kirchenarchitektur aus.

Grab Swobodas auf dem Friedhof Baumgarten

In der Pastoraltheologie und Katechetik erlangte Swoboda internationale Anerkennung. Er veröffentlichte 1893 gemeinsam mit dem Maler Joseph Reich „Wandtafeln zum Gebrauche beim Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen“ und veranstaltete 1905 und 1908 pädagogisch-katechetische Kurse in Wien. 1909 veröffentlichte er sein pastoraltheologisches Hauptwerk zum Thema der Großstadtseelsorge und beschrieb auf statistischer Grundlage die mangelnde pastorale Versorgung aufgrund der rasanten Verstädterung. Er definierte eine ideale Großstadtpfarrgröße von 6000 Gläubigen, was für die damaligen Zustände in Wien (und anderswo) utopisch war – im Wiener Bezirk Favoriten mit 128.000 Einwohnern gab es im Jahr 1900 nur eine Pfarre. Seine Forderung, überschaubare Einheiten für die Seelsorge zu schaffen, führte in zahlreichen Großstädten zur Teilung großer Stadtpfarreien und dem Bau neuer Kirchen. 1912 leitete er den Internationalen Katechetischen Kongress in Wien.

Heinrich Swoboda wurde 1922 krankheitsbedingt emeritiert und starb am 7. Mai 1923 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Ehrungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Wandtafeln zum Gebrauche beim Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen. 1894
  • Neue Wendungen in der Leichenverbrennungsfrage. 1901
  • Großstadtseelsorge. Eine pastoraltheologische Studie. 1909, 2. Aufl. 2011
  • Die Idee des guten Hirten. Ein pastoral-theologischer Konflikt und dessen Lösung. 1913
  • Die Seelsorge nach dem Krieg. 1917

Literatur

Commons: Heinrich Swoboda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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