Heinrich Wrba

österreichischer Krebsforscher From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben

Heinrich Wrba war der Sohn eines Lehrers.[1] Im Alter von 18 Jahren trat er in die NSDAP ein.[2] Er studierte Medizin und Biologie in Prag, Hamburg und Heidelberg. An der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promovierte er 1951 zum Doktor der Medizin und 1954 zum Doktor der Naturwissenschaften.[1]

Bereits in den 1950er Jahren beschäftigte er sich mit Krebsforschung und veröffentlichte dazu Aufsätze, unter anderem gemeinsam mit Hans Querner,[3] Hans Lettré[4] und Eduard Seidler.[5] Im Jahr 1956 habilitierte sich Wrba an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Am dortigen Pathologischen Institut übernahm er die Leitung einer Abteilung für Krebsforschung. Er wurde 1962 mit Curt-Bohnewand-Preis der Ludwig-Maximilians-Universität ausgezeichnet. Ab 1963 hatte er den Titel eines außerplanmäßigen Professors inne. Wrba wechselte 1964 an das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, wo er bis 1967 als Direktor des Instituts für Experimentelle Pathologie arbeitete.

Im Jahr 1967 erfolgte seine Berufung als ordentlicher Professor an die Universität Wien. Dort wirkte er bis 1983 auch als Leiter des Instituts für Krebsforschung.[1] Unter Wrba wurde das Institut zeitgemäß auf Zytogenetik, Molekularbiologie, Tumorvirologie, Tumorimmunologie-Immuntherapie sowie Epidemiologie und Krebsstatistik in Österreich ausgerichtet.[6] Anfang der 1980er Jahre kam es zu Organisationsproblemen und das Institut für Krebsforschung wurde in vier Nachfolgeinstitute geteilt, was erst nach Wrbas Amtszeit in Teilen wieder rückgängig gemacht wurde.[7] Gegen Wrba als Vorsitzenden des Vereins zur Förderung des Institutes für Krebsforschung begannen schon 1979 Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue. Es dauerte bis 1986 bis zu einer Anklageerhebung vor dem Wiener Landesgericht, das ihn 1988 zunächst schuldig sprach. Einer Nichtigkeitsbeschwerde Wrbas vor dem Obersten Gerichtshof wurde stattgegeben und das Wiener Landesgericht sprach ihn schließlich 1989 vom Vorwurf der Untreue frei. Wegen der langen Verfahrensdauer von fast zehn Jahren verklagte Wrba die Republik Österreich mit Erfolg vor der Europäischen Kommission für Menschenrechte.[8]

Wrba engagierte sich auch in der Österreichischen Krebsgesellschaft. Es kam zu Meinungsverschiedenheiten über die angestrebten Tätigkeiten des Vereins und 1972 zu dessen Spaltung. Wrba und weitere führende Mitglieder der Krebsgesellschaft, darunter Hugo Husslein, gründeten die Österreichische Krebsliga. Die Krebsgesellschaft und die Krebsliga fusionierten letztlich 1980 wieder.[9] Von 1979 bis 1992 gehörte Wrba als auswärtiges Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR an.[10] Außerdem war er Mitglied der New York Academy of Sciences.[1]

Grab von Heinrich Wrba auf dem Weidlinger Friedhof

Heinrich Wrba emeritierte 1993.[11] Er starb 2001 im Alter von 79 Jahren[10] und wurde auf dem Weidlinger Friedhof (Abteilung N, Nummer 1152) bestattet.[12]

Schriften (Auswahl)

  • Untersuchungen an einem neuartigen Fall von gekoppelten Missbildungen. Dissertation. Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Heidelberg 1951.
  • Beiträge zur Entwicklungsmechanik des Rattenkeimlings. Dissertation. Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Heidelberg 1955.
  • Vitalitätsbestimmung durch Aufnahme und Umsatz markierter Verbindungen. Habilitationsschrift. Ludwig-Maximilians-Universität München, München 1957.
  • Kombinierte Tumortherapie. Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen adjuvanter Methoden. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Hippokrates, Stuttgart 1995, ISBN 3-7773-1053-0 (Erstausgabe: Stuttgart 1990). – Als Herausgeber.
  • Enzyme. Wirkstoffe der Zukunft. 3. Auflage. Ecomed, Landsberg 1998, ISBN 3-609-51520-1 (Erstausgabe: Orac, Wien 1993). – Mit Otto Pecher.
  • Systemische Enzymtherapie. Aktueller Stand und Fortschritte. MMV, München 1996, ISBN 3-8208-1280-6. – Als Herausgeber mit Michael W. Kleine, Klaus Miehlke, Friedrich Wilhelm Dittmar und Ernst Rainer Weissenbacher.

Heinrich Wrba veröffentlichte zudem mehrere Fachaufsätze in der Zeitschrift für Krebsforschung[13] und in der Zeitschrift Naturwissenschaften.[14]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI