Heinz Mollenhauer
deutscher Rechtsanwalt, Heimatforscher und Politiker (DNVP)
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Heinz Karl Wilhelm Joachim Mollenhauer (* 22. August 1893 in Braunschweig; † 5. September 1977 ebenda) war ein deutscher Rechtsanwalt, Heimatforscher und Politiker (DNVP).


Leben
Heinz Mollenhauer kam in Braunschweig am 22. August 1893 als Sohn des Gymnasiallehrers Karl Mollenhauer (* 3. Oktober 1860, Bockenem; † 22. April 1936, Wolfenbüttel) und Ella Mollenhauer, geb. Meier (* 13. November 1871, Kassel; † 3. April 1959, Bad Lauterberg/Harz) zur Welt. Er wuchs in Blankenburg (Harz) auf und absolvierte am dortigen Gymnasium Am Thie 1912 das Abitur. Unmittelbar nach dem Abitur immatrikulierte sich Mollenhauer für ein Semester zum Studium der Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Am 1. Oktober 1912 begann er eine Banklehre in Halle an der Saale beim Bankhaus Reinhold Steckner. Am 1. August 1914 brach er die Lehre ab und meldete sich als Kriegsfreiwilliger beim Mansfelder Feldartillerie-Regiment Nr. 75 in Halle an der Saale. Er wird in Frankreich und Flandern eingesetzt, im Mai 1915 verwundet und nach der Teilnahme an der Schlacht an der Somme Anfang 1917 Offizieranwärter und an die russische Kriegsfront versetzt. Später wird er wieder zurück an die Westfront kommandiert und erlebt dort das Kriegsende und die Demobilisierung. Am 9. Januar 1919 kam er nach Blankenburg zurück. Am 4. Februar 1919 setzte er das Studium der Rechtswissenschaften fort und immatrikulierte sich an der Georg-August-Universität in Göttingen. Am 28. Dezember 1920 legte er die erste Juristische Staatsprüfung in Göttingen ab und bestand im 12. Juli 1923 ebenda die zweite juristische Staatsprüfung. Im selben Jahr wurde er vom 19. Juli 1923 bis zum 29. Februar 1924 zum Gerichtsassessor durch das Braunschweigische Staatsministerium ernannt. Ab April 1924 wurde er bis 1933 geschäftsführender Vorstand der Vereinigung Braunschweigischer Arbeitgeberverbände und des braunschweigischen Großhandels. Am 5. März 1925 ließ er sich als Rechtsanwalt am Amts- und Landgericht Braunschweig, am 8. Januar 1927 auch am Oberlandesgericht Braunschweig, nieder. Am 29. April 1931 wurde er zum Notar ernannt.[1][2]
Zur Zeit der Weimarer Republik trat er am 29. November 1928 für Otto Behrens der fünfköpfigen DNVP-Fraktion des Braunschweigischen Landtags für die Dauer der 5. Wahlperiode bei.[3] Nach der Wahl am 14. September 1930 gehörte er dem Braunschweigischen Landtag nicht mehr an.[4]
Nach der Machtergreifung wurde Mollenhauer im Rahmen der Gleichschaltung und institutionellen Beseitigung aller juristischen Berufsverbände Mitglied im Nationalsozialistischen Juristenbund. Der NSDAP trat er nicht bei.[5]
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er eingezogen und wenige Monate bis zum Ausbruch eines Herzleidens in der Eifel als Soldat eingesetzt. Nach seiner Wiederherstellung in einem Lazarett in Neuss und später in Schierke wurde er nach einem kurzen Ausbildungslehrgang 1941 in Hannover zuerst in Kortrijk, Flandern, und dann bis April 1942 als Kriegsgerichtsrat bei der Feldkommandantur / Hauptverbindungsstab 588 (Angers, Clermont-Ferrand) in Tours in Frankreich eingesetzt. Während seiner Abwesenheit führte sein vormaliger Referendar und späterer Kompagnon Diesener seine Kanzlei. Als dieser 1942 eingezogen wurde, übernahm Mollenhauer wieder die Geschäfte in Braunschweig.
Im Herbst 1943 wurde Mollenhauer von der Gestapo verhaftet und vom 27. November 1943 bis zum 24. Juli 1944 auf Betreiben des Landgerichtsrats Friedrich Klusmeyer in Untersuchungshaft im Gefängnis Rennelberg gehalten. Da ein Rückstellungsantrag der Gestapo vorlag, hätte eine Ablehnung des Haftbefehls durch das Amtsgericht, eine Rücküberstellung Mollenhauers an die Gestapo bedeutet und damit die Überstellung in ein Lager. Klusmeier habe sich „auf die vereinte Vorstellungen der Staatsanwaltschaft und des Verteidigers schweren Herzens entschlossen, den Haftbefehl zu unterzeichnen um mich (Heinz Moollenhauer) aus den Klauen der Gestapo zu retten“.[6]
Mollenhauer hatte die Verteidigung eines Pastoren übernommen, der beschuldigt worden war, ausländische Rundfunksendungen zu hören und Vaterlandsverräter zu sein.[7][8] Über seine Haftzeit verfasst er aus Notizen, die er während der Haft aufzeichnete, und seinen Erinnerungen zwischen dem 26.09. und 16.10.1952 einen Bericht mit dem Titel "Die endlosen Minuten".[9]

Nach dem Krieg zählte Mollenhauer gemeinsam mit Ernst Bergfeld zu den Gründern der gemeinnützigen Vereinigung „Freundeskreis des Großen Waisenhauses BMV e. V.“, die im Januar 1951 zur Unterstützung der Waisen in Braunschweig ins Leben gerufen wurde und deren langjähriger Vorsitzender er wurde. Er war von 1951 bis 1973 Vorstandsmitglied des Braunschweigischen Landesvereins für Heimatschutz, zu dessen Ehrenmitglied er 1973 ernannt wurde. Mollenhauer war Mitglied der literarischen Vereinigung der Kleiderseller.[10] Er erhielt 1963 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.[11]
Mollenhauer wohnte in der Stresemannstraße in Braunschweig.[12] Er starb 1977 in Braunschweig.
Schriften (Auswahl)
Mollenhauer publizierte zahlreiche Aufsätze zur Heimat- und Naturkunde sowie über Persönlichkeiten des Braunschweiger Landes, insbesondere in den Zeitschriften Der Freundeskreis, Braunschweigische Heimat und Unser Harz.
- Wanderabenteuer in und um Braunschweig, Appelhans, Braunschweig, 1936.
- Die Naturwarte Braunschweig-Riddagshausen. In: Braunschweigische Heimat 36 (Festgabe), 1950, S. 162–166.
- Der Braunschweiger Kunstmaler Ernst Elster. In: Braunschweigische Heimat 39 (3), 1953, S. 87–88.
- Die Taxordnung des Landes Braunschweig von 1645 und ihre Bedeutung für die Gegenwart. In: Braunschweigische Heimat 39 (4), 1953, S. 109–115.
- Burg Greene als Gedenkstätte des Heimkehrerverbandes. In: Braunschweigische Heimat 40 (1), 1954, S. 29–31
- Zum Geschäftsjubiläum des Heimatverlages E. Appelhans & Co. In: Braunschweigische Heimat 40 (3), 1954, S. 90–92.
- Windschutzhecken zwischen Oker und Erse. In: Braunschweigische Heimat 41 (2), 1955, S. 63–64.
- Die Anlage von Naturlehrpfaden. In: Braunschweigische Heimat 42 (4), 1956, S. 150–153.
- Der rote Gast im Klepperkrug und andere Harzgeschichten, Waisenhaus-Buchdruckerei und Verlag, Braunschweig, 1957.
- Heimatkundliche Beobachtungen in Salzgitter-Lebenstedt. In: Braunschweigische Heimat 43 (3), 1957, S. 90–93.
- Franz Zobel und das neue Heimatmuseum im Schlosse zu Salzgitter-Salder. In: Braunschweigische Heimat 46 (2), 1960, S. 57–58.
- Die Grünanlagen in der Stadt Braunschweig. In: Braunschweigische Heimat 48 (2), 1962, S. 62–64.
- Die Erweiterung des Botanischen Gartens in Braunschweig. In: Braunschweigische Heimat 52 (2), 1966, S. 62–64.
- Ernst Bergfeld zum Gedächtnis. In: Braunschweigische Heimat 55 (3), 1969, S. 105–107.
Literatur
- Luitgard Camerer: Mollenhauer, Heinz. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. hrsg. im Auftrag der Braunschweigischen Landschaft e. V. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 423 f.
- Werner Flechsig: Heinz Mollenhauer zum Gedenken. In: Braunschweigische Heimat 63 (3), 1977, S. 90–92.
- Werner Flechsig: Heinz Mollenhauer wurde 80 Jahre alt. In: Braunschweigische Heimat 59 (3/4), 1973, S. 105–106.
- Kurt Hoffmeister: Braunschweigs Literaten, Braunschweig 2003, S. 173–175.
- Mechthild Wiswe: Mollenhauer, Heinz (Karl Wilhelm Joachim). In: Manfred Garzmann, Wolf-Dieter Schuegraf (Hrsg.): Braunschweiger Stadtlexikon. Ergänzungsband. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1996, ISBN 3-926701-30-7, S. 94.