Heklait
Mineral aus der Klasse der Halogenide
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Heklait (IMA-Symbol Hek[2]) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Halogenide“ mit der chemischen Zusammensetzung KNaSiF6[1] und damit chemisch gesehen ein Kalium-Natrium-Hexafluorosilicat.
| Heklait | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2008-052[1] |
| IMA-Symbol |
Hek[2] |
| Chemische Formel | KNa[SiF6][3][1] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Halogenide |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
III/B.02-015[3] 3.CH 11.05.09.01[4] |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m |
| Raumgruppe | Pnma (Nr. 62)[5] |
| Gitterparameter | a = 9,3387(7) Å; b = 5,5032(4) Å; c = 9,7957(8) Å[5] |
| Formeleinheiten | Z = 4[5] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | nicht definiert |
| Dichte (g/cm3) | berechnet: 2,69[6] |
| Spaltbarkeit | nicht definiert |
| Farbe | farblos bis weiß[3] |
| Strichfarbe | weiß[6] |
| Transparenz | durchsichtig[6] |
| Glanz | Glasglanz[6] |
Heklait kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und findet sich überwiegend in Form feinkörniger Masse aus Kristallen in Mikrometer- bis Submikrometergröße, die eng mit Malladrit, Hieratit und Ralstonit verwachsen sind. Sehr selten wurden auch gut ausgebildete Kristalle von wenigen Zentimetern Größe gefunden.
Das Mineral ist im Allgemeinen farblos und durchsichtig, kann durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung aber auch durchscheinend weiß wirken. Die Oberflächen zeigen einen glasähnlichen Glanz.
Etymologie und Geschichte

Die synthetische Verbindung KNaSiF6 war bereits vor der Entdeckung von Heklait bekannt und deren Struktur wurde 1991 von J. Fischer und V. Krämer entschlüsselt.[7]
Als natürliche Mineralbildung wurde das Kalium-Natrium-Hexafluorosilicat erstmals 1992 in Mineralproben, genauer in Fumarolenablagerungen, vom Vulkan Hekla auf dem Gemeindegebiet von Rangárþing ytra im Süden Islands. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch A. Garavelli, T. Balić-Žunić, D. Mitolo, P. Acquafredda, E. Leonardsen und S. P. Jakobsson, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 2008 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (IMA), die es im gleichen Jahr zunächst unter der IMA-Nummer 2008-052 als neuen Strukturtyp mit im Vergleich zur synthetischen Verbindung identischer Zusammensetzung anerkannte.[8] Die Erstbeschreibung wurde 2010 im Fachmagazin Mineralogical Magazine veröffentlicht[5] und im Folgejahr die Bestätigung der Anerkennung des Heklait als eigenständige Mineralart im Fachmagazin American Mineralogist.[9]
Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Heklait lautet „Hek“.[2]
Das Typmaterial des Minerals wird im Icelandic Institute of Natural History in Reykjavík unter der Inventarnummer NI 15513 (HT) und in der Geomineralogischen Abteilung (Museum C. L. Garavelli) der Universität Bari (MMUBa) in Bari, Italien unter der Inventarnummer 9/nm-V28 aufbewahrt.[10][11]
Klassifikation
Da der Heklait erst 2008 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/B.02-015. Dies entspricht der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Doppelhalogenide“, wo Heklait zusammen mit Bararit, Demartinit, Hieratit, Kryptohalit und Malladrit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/B.02 bildet.[3]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[12] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Heklait in die Abteilung „Komplexe Halogenide“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Halogen-Komplexe. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Silicofluoride“ und dort als einziges Mitglied ohne Gruppenzuweisung übergeordnet mit der Systemnummer 3.CH zu finden.
Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation in der 9. Auflage ordnet den Heklait inzwischen als einziges Mitglied in eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.CH.30 ein.[13]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana, die von der Mineraldatenbank „Webmineral“ teilweise weitergeführt wurde, hat Heklait die System- und Mineralnummer 11.05.09.01.[4] Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Komplexe Halogenide – Aluminiumfluoride“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 11.05.09 innerhalb der Unterabteilung „Komplexe Halogenide - Aluminiumfluoride mit (A)mB(X)6“ zu finden ist.
Chemismus
In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Heklait (KNaSiF6) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Kalium (K), Natrium (Na) und Silicium (Si) sowie sechs Teilen Fluor (F) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 19,15 Gew.-% K, 11,26 Gew.-% Na, 13,76 Gew.-% Si und 55,83 Gew.-% F.[14]
Bei natürlichen Heklaitproben können diese Werte je nach Bildungsbedingungen und Stofftransport in geringem Umfang schwanken. So ergaben die Analysen am Typmaterial vom Hekla-Vulkan folgende Konzentrationsbereiche für die entsprechenden Formelteile: 11,61–12,74 Gew.-% Na, 17,02–18,97 Gew.-% K, 13,48–14,17 Gew.-% Si, 54,88–56,19 Gew.-% F. Auf der Basis von 9 Atomen pro Formeleinheit (englisch atoms per formula unit; apfu) wurde daraus die empirische Zusammensetzung Na1.07K0.96Si1.01F5.97 berechnet, die zur oben genannten Formel idealisiert wurde.[5]
Kristallstruktur
Heklait kristallisiert in der orthorhombischen Raumgruppe Pnma (Raumgruppen-Nr. 62) mit den Gitterparametern a = 9,3387(7) Å; b = 5,5032(4) Å; c = 9,7957(8) Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[5]
Bildung und Fundorte
an seiner Typlokalität am Hekla-Vulkan auf Island bildete sich Heklarit als Produkt der Resublimation und setzte sich entsprechen um Fumarolen herum ab, die fluorreiche Gase ausstoßen. als Begleitminerale fanden sich Hieratit, Malladrit und Ralstonit.[5] Zudem wurden bei der Entdeckung von Jakobssonit (IMA 2011-036) an einer Fumarole des Vulkans Eldfell auf der zu Island gehörenden Insel Heimaey als weitere Paragenesen Leonardsenit (IMA 2011-059), Ralstonite, Heklait, Anhydrit, Gips, Jarosit, Hämatit und Opal identifiziert.[15] [16]
Außer an den isländischen Vulkanen Hekla und Eldfell konnte Heklait bisher nur noch an den Fumarolen des Vesuvs in Italien, sowie in Mineralproben aus dem zentralen Florida-Phosphat-Bergbaubezirk (Bone Valley) im Polk County in Florida und in einer nicht näher spezifizierten Lavahöhle im Hawaii County auf der gleichnamigen Insel (USA) entdeckt werden (Stand 2026).[16]
Siehe auch
Literatur
- J. Fischer, V. Krämer: Crystal structure of KNaSiF6. In: Materials Research Bulletin. Band 26, 1991, S. 925–930, doi:10.1016/0025-5408(91)90173-J (englisch).
- P. A. Williams, F. Hatert, Marco Pasero: New minerals approved in 2008. In: International Mineralogical Association. 2008, S. 1–13; hier: 10, IMA No. 2008-052: Hekla volcano, Iceland. Tonči Balić-Žunić. KNaSiF6 (englisch, cnmnc.units.it [PDF; 147 kB; abgerufen am 3. März 2026]).
- A. Garavelli, T. Balić-Žunić, D. Mitolo, P. Acquafredda, E. Leonardsen, S. P. Jakobsson: Heklaite, KNaSiF6, a new fumarolic mineral from Hekla volcano, Iceland. In: Mineralogical Magazine. Band 74, Nr. 1, 2010, S. 147–157, doi:10.1180/minmag.2010.074.1.147 (englisch).
- Ralph Rowe, Arianne Petley-Ragan, Paula C. Piilonen: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 96, Nr. 11–12, 2011, S. 1909–1911 (englisch, minsocam.org [PDF; 239 kB; abgerufen am 3. März 2026]).
Weblinks
- Heklait. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Heklaite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 3. März 2026 (englisch).
- IMA Database of Mineral Properties – Heklaite. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Heklaite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Heklaite. In: rruff.net. (englisch).