Held Dickbär
tadschikisches Märchen (AaTh 513 A + 530 + 313)
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Held Dickbär ist ein tadschikisches Märchen (AaTh 513 A + 530 + 313).[1]
Handlung
Ein Padischah hatte eine Tochter, die schöne Malika, die er nicht gerne hergeben wollte und so manch ein Brautwerber war schon im Gefängnis gelandet oder hatte den Tod gefunden.
In der Stadt des Padischah lebte der Sohn eines Reisigsammlers, der Dickbär hieß, weil er so stark war und der in Malika verliebt war. Eines Tages begegnete dieser einem Fremden mit dem Namen Platanenheld, der Streit mit ihm suchte, also maßen sie ihre Kräfte und Dickbär gewann. Die beiden wurden Brüder, woraufhin Platanenheld erzählte, dass er auf der Suche nach seiner Ranoperi war, die die Tochter eines Perikönigs war und von einem Dev zum Berg Kuh-i-Kaf entführt wurde. Auch erzählte er, dass ihm geraten wurde die Vogelmutter Simurg aufzusuchen, da er nur mit deren Hilfe seine Ranoperi zurückgewinnen könne. Die beiden Brüder trennten sich danach, um, jeder für sich, die Vogelmutter zu finden.
Dickbär wanderte lange umher, fand aber schließlich das Nest der Vogelmutter und rettete deren Junge vor einem Drachen. Aus Dank gab sie ihm das, was unter ihrer Zunge war und Wünsche erfüllen konnte und legte es unter seine Zunge. Zurück in seiner Heimat stellte der Padischah Bedingungen für diejenigen auf, die seine Tochter zur Frau haben wollten, demnach der auf einem vierzigstufigen Thron sitzenden Malika, mit einem einzigen Sprung auf einem Pferd, eine Blume aus der Hand genommen werden müsse. Weiterhin müsse derjenige, der Malika zur Frau nehmen wolle, einen Palast bauen, der dem des Padischah ebenbürtig ist, Speisen für eine vierzigtägige Hochzeit bereitstellen und einen Schatz ähnlich dem des Padischah besitzen.
Dank Simurgs Geschenk erfüllte Dickbär die Bedingungen. Doch vor der Hochzeit wollte er erst noch nach seinem Freund Platanenheld sehen. Als er ihn nicht fand, wünschte er ihn herbei und sah, dass es ihm sehr schlecht ging. Gemeinsam suchten sie Simurg auf, die ihnen einen Schleifstein, einen Kamm und einen Spiegel gab, die sie hinter sich werfen sollten, wenn der Dev sie verfolgt. Daraufhin wünschten sie sich zum Berg Kaf und befreiten Ranoperi. Der Dev nahm die Verfolgung auf, überwand den Berg, der aus dem geworfenen Schleifstein entstand und den dichten Wald, der aus dem Kamm erwuchs. Als jedoch der Spiegel geworfen wurde, fragte er, wie Dickbär und Platanenheld den reißenden Fluss überwunden hatten und da sagten sie ihm, dass sie sich Mühlsteine um den Hals gebunden hatten, um nicht fortgespült zu werden, woraufhin der Dev ertrank.
So wurde eine große Doppelhochzeit gefeiert und als Padischah ernannte Dickbär Platanenheld zu seinem Wesir.[1]
Hintergrund
Das Märchen stammt aus einem Archiv in Duschanbe (Institut literatury im Rudaki Akademii nauk TSSR, sektor fol’klor, XII: 5947–5966) und wurde 1966 in Uratübe von Abdullosoda nach Nurullo Nausullojev aufgezeichnet. In Isidor Levins Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker (1986) erhielt es den Titel Held Dickbär. Nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Typen türkischer Volksmärchen (Wiesbaden 1953) ordnete Levin es EbBo 77 IV + Ulrich Marzolphs Typologie des persischen Volksmärchens (Beirut 1984) Typ *301 E* + EbBo 239 III f zu.[1]
Literatur
- Isidor Levin (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker. Eugen Diederichs Verlag, 1986, S. 111–119, 328. Übersetzt von Gisela Schenkowitz.