Helen Cruickshank
schottisch-britische Dichterin und Suffragette
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Helen Burness Cruickshank (* 15. Mai 1886 in Hillside, Montrose, Angus; † 2. März 1975 in Canongate, Edinburgh) war eine schottisch-britische Dichterin und Suffragette sowie eine zentrale Gestalt der Scottish Literary Renaissance. Mit der Bewegung verbundene schottische Schriftstellerinnen und Schriftsteller trafen sich in ihrem Haus in Corstorphine.[1]

Leben
Cruickshank wurde in einer der Dienstwohnungen in Hillside, einem Vorort von Montrose, Angus, geboren, wo ihr Vater George Cruickshank (1845–1924) als Krankenhausbediensteter in der dortigen psychatrischen Klinik Sunnyside Royal Hospital tätig war. Helen war das jüngste von drei Kindern ihres Vaters George und ihrer Mutter Sarah Wood (1850–1940), einer Hausangestellten, deren Vater Colin Gibb Wood als Installateur in Montrose tätig gewesen war.
Cruickshank besuchte ab dem Alter von vier Jahren die Dorfschule von Hillside, bevor sie mit zehn Jahren gemeinsam mit ihren beiden älteren Brüdern die Montrose Academy besuchte. Die jährlichen Sommerferien der Familie wurden in Hütten nahe Glenesk verbracht, wo den Kindern die Natur nahegebracht wurde. Cruickshank entwickelte eine Liebe zum Klettern und Wandern, die sie ihr Leben lang begleitete, und sie unternahm zahlreiche ausgedehnte Reisen in die Highlands. Diese jährlichen Familienferien dienten als Inspiration in Cruickshanks Dichtung; Landschaften und Menschen aus Angus tauchen wiederholt in ihrer Lyrik auf.
Obwohl Cruickshank in der Schule in allen Fächern Auszeichnungen erhielt, konnte ihr Vater es sich nicht leisten, sie – wie vom Rektor empfohlen – auf die Universität zu schicken. Sie verließ die Schule im Alter von fünfzehn Jahren und legte Prüfungen für den Civil Service ab. Cruickshanks erste Anstellung war von 1903 bis 1912 bei der Post Office Savings Bank in London. Während ihrer Zeit in London entwickelte sie ein Interesse an Politik und am Frauenwahlrecht. Dieses Interesse wurde durch ihre Wahrnehmung der unfairen Bedingungen und der eingeschränkten Löhne geweckt, denen Frauen am Arbeitsplatz ausgesetzt waren. Cruickshank trat der Women’s Social and Political Union bei, nahm an Demonstrationen teil, verkaufte die Zeitschrift Votes for Women auf der Straße und beschriftete Gehwege mit Parolen.
1912 wurde Cruickshank eine Stelle in Edinburgh im Bereich der Krankenversicherung einer staatlichen Behörde angeboten, die sie annahm. Während ihres Umzugs nach Edinburgh begann sie Gedichte zu schreiben, überwiegend in ihrem heimatlichen Angus Scots. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete sie an Wochenenden und in den Ferien auf Bauernhöfen und in Kantinen. Eine Sommerarbeit auf den Beerenfeldern bei Blairgowrie führte 1917 zur Veröffentlichung ihres ersten Gedichts, The Song of the Raspberry Picker. Durch diesen Erfolg ermutigt, begann sie intensiver zu schreiben und mit verschiedenen Versformen zu experimentieren, sandte jedoch nur einen kleinen Teil ihrer Arbeiten an Redaktionen. Sie steuerte Gedichte in Scots zu Country Life, dem Glasgow Herald und dem Scots Magazine bei. Außerdem veröffentlichte sie zeitbezogene und satirische Verse unter verschiedenen Pseudonymen.
Nach dem Ersten Weltkrieg erzielte Cruickshank erste Erfolge mit der Veröffentlichung ihrer Gedichte. Durch die Lektüre der Zeitschriften und Zeitungen, in denen ihre Texte erschienen, wurde sie mit zeitgenössischer Lyrik vertraut und lernte die Werke von Alexander Gray, William Soutar und Marion Angus kennen; umgekehrt wurden auch diese mit ihrem Werk vertraut. Hugh MacDiarmid suchte Beiträge für eine neue Anthologie, Northern Numbers, zu der Helen Cruickshank einsandte, was zu einem Briefwechsel und einer langjährigen Freundschaft führte.
Cruickshank mietet ab 1921 ein Atelier‑Apartment zu mieten und schätzte das damit verbundene freie und künstlerische Leben. Der Vater starb 1924 und Cruickshank musste als einzige Tochter die Pflege der Mutter übernehmen, was zugleich bedeutete, dass sie auf die Möglichkeit einer Heirat verzichten musste, da Frauen im Staatsdienst ihre Anstellung nach der Eheschließung nicht fortsetzen durften. Cruickshank gab das Atelier auf und erwarb eine Doppelhaushälfte auf dem Corstorphine Hill, Edinburgh. In dem Dinnieduff genannten Haus, wurde 1927 Hugh MacDiarmid ein regelmäßiger Gast, wenn er einmal monatlich nach Edinburgh reiste, um Angelegenheiten des schottischen Zentrums des PEN‑Clubs zu erledigen. Da Cruickshank Gründungsmitglied und ehrenamtliche Sekretärin war, übernahm sie schließlich MacDiarmids führende Rolle im PEN‑Club. Die Treffen des PEN‑Clubs fanden häufig in Dinnieduff statt, und Helen führte in den 1920er‑ und 1930er‑Jahren ein offenes Haus, in dem zahlreiche Literaturschaffende verkehrten und übernachteten. Zu den namhaften Besuchern gehörte der Romanautor Lewis Grassic Gibbon. Ihre letzte Tätigkeit für den PEN‑Club war die Mittelbeschaffung für den Internationalen PEN‑Kongress, der 1934 in Schottland stattfand.
Cruickshanks erste Gedichtsammlung, Up the Noran Water, erschien schließlich 1934 bei Methuen Publishing und war überwiegend auf Scots verfasst, mit einigen Gedichten in englischer Sprache. Als überzeugte schottische Nationalistin wurde sie 1936 Gründungsmitglied der Saltire Society. Aufgrund des Zweiten Weltkriegs und der zunehmenden Arbeitsbelastung musste sie ihr literarisches Schaffen jedoch weitgehend zurückstellen. Sie war an einem Programm zur Evakuierung von Kindern ins Ausland beteiligt und übernahm zusätzlich nächtliche Brandwachdienste, neben ihrer beruflichen Tätigkeit und der Pflege ihrer Mutter. Die Mutter starb 1940. Nach dem Krieg übernahm sie die Funktion einer Executive Officer im Gesundheitsamt in Edinburgh, die sie bis zu ihrem krankheitsbedingten Ruhestand aufgrund von Zwölffingerdarmgeschwüren im Jahr 1944 ausübte. Nach ausreichender gesundheitlicher Erholung begann Cruickshank, erneut Gäste in Dinnieduff zu empfangen. Seit dessen Anfängen im Jahr 1947 war sie eine begeisterte Anhängerin des Edinburgh International Film Festival. Zu Cruickshanks späteren Werken zählen Sea Buckthorn (1954), The Ponnage Pool (1968), Collected Poems (1971) und More Collected Poems (1978). Sie schrieb bis zum Ende ihres Lebens Lyrik; ihr letztes unvollendetes Gedicht handelt von einer Frau, die nicht für den Tod innehalten kann, da sie zu viel zu tun hat.
1966 beauftragte BBC Radio anlässlich ihres 80. Geburtstags eine Hörfunksendung zu ihren Ehren. 1969 ließen ihre Freunde eine Büste von Vincent Butler anfertigen, die heute in der Scottish National Portrait Gallery ausgestellt ist.[2] 1971 erhielt sie von der University of Edinburgh einen Magister ehrenhablber verliehen.
Cruickshank lebte über fünfzig Jahre in Dinnieduff, nach dem Tod ihrer Mutter 1940 allein, und verließ ihr Haus trotz nachlassender Gesundheit erst im Alter von 88 Jahren, als es unumgänglich wurde. Im November 1974 zog sie in die Queensberry Lodge am Canongate, wo sie 1975 starb. Sie wurde wie von ihr selbst vorgesehen am Wariston Cemtery in Edinburgh eingeäschert.
Ihr Nachlass wird in den National Archives verwaltet.[3]
1986 brachten Freunde eine Gedenktafel an Dinnieduff an. Cruickshank hielt ihr langes Leben und Aspekte ihrer Zeit in ihrer Autobiografie Octobiography fest, die 1987 posthum erschien. Cruickshank wird mit einem Vers auf dem Makars’ Court vor dem Writers’ Museum in Edinburgh geehrt.
Werke
- Up the Noran Water. Methuen, London 1934.
- Sea Buckthorn. H. T. Macpherson, Dunfermline 1954.
- The Ponnage Pool. Macdonald, Edinburgh 1968.
- Collected Poems. Reprographia, Edinburgh 1971.
- Octobiography. Standard, Montrose 1976.
- More Collected Poems. Gordon Wright, Edinburgh 1978.
Literatur
- Moira Burgess: Cruickshank, Helen Burness (1886–1975). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/40302.
- Helen Cruickshank. Scottish Poetry Library, abgerufen am 7. April 2026.
- Gordon Wright: Helen B. Cruickshank's Fifty Years of Verse Writing. In: Catalyst. Band 2, Nr. 3, 1969, S. 34 f.