Helen Kerr
schottisch-britische Sozialreformerin
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Helen Louisa Kerr, geborene Howden (* 9. März 1859 in Edinburgh; † 8. Februar 1940 ebenda), war eine schottisch-britische Sozialreformerin.
Leben

Kerr wurde als Tochter von Mary Elizabeth Shaw Stewart und ihrem Ehemann James Howden, einem Wirtschaftsprüfer bei Borthwick and Howden, geboren. Die Familie lebte im Westen von Edinburgh.[1]
1888 heiratete sie in Corstorphine George Kerr, einen Arzt und Absolventen der Universität Oxford.[2] Die Familie Kerr war durch Fischereibetriebe in Neufundland zu Reichtum gekommen. Das Paar lebte zunächst in Midlothian, westlich von Edinburgh.
Kerr und ihr Mann engagierten sich in der 1885 von Patrick Geddes gegründeten Edinburgh Social Union (ESU). Geddes vertrat die Ansicht, dass das soziale Umfeld für die Schaffung einer lebenswerten Stadt wichtig ist und die ESU war das Instrument, seine Theorien in die Praxis umzusetzen. Die ESU war ein Zusammenschluss von Vermietern, die einen Teil ihrer Mieteinnahmen aus Gebäuden in der Edinburgher Altstadt für die Instandhaltung der Gebäude und Verbesserungen für ihre Mieter verwendeten.[3] Die Kerrs nahmen daran teil, um Studierenden bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. 1896 kauften sie 22 Wohnungen in Campbells Close in der Altstadt von Edinburgh. Der Stadtrat übertrug der ESU bis 1901 die Kontrolle über 24 Wohnblocks am Tron Square, High School Yards, Potterrow und Portsburgh Square. Kerr wurde Director der ESU.[4]
Über diese Verbindung übernahm Kerr die für eine Frau zu dieser Zeit ungewöhnliche städtische Aufgabe der Superintendent of Housing. 1902 traf sie sich mit Octavia Hill, um über sozialen Wohnungsbau in Edinburgh zu diskutieren. Hill schrieb später Hill an Kerr über ihre Arbeit bei der ESU: „Ich weiß, wie sehr ich mich an Ihrer Stelle danach sehnen würde, diese Arbeit zu tun; ich weiß sehr wohl, wie unvergleichlich besser Sie und Ihre Leute sie machen würden.“[4]
1907 legte sie der Königlichen Kommission für Armengesetze und Nothilfe (Royal Commission on the Poor Laws and Relief of Distress 1905–1909) als Zeugin einen Bericht vor.[5] Ihr Wissen über Sozialreformen und Wohnungswesen führte dazu, dass sie 1912 als einziges weibliches Mitglied in die Royal Commission on the Housing Conditions of the Industrial Population of Scotland Rural and Urban berufen wurde.[6] Die vorherige Kommission für Wohnverhältnisse von 1885 hatte keine weiblichen Mitglieder gehabt.[7] Sie hielt eine Reihe von Vorträgen zum Thema Armut und verfasste das Vorwort zu Dr. Chalmers and the Poor Laws von 1911.[8]
1918 war sie die Vorsitzende des schottischen Women’s House-Planning Committee, ernannt durch den Präsidenten des Local Government Board of Scotland Robert Munro. Zu den Mitgliedern gehörten Mary Burns Laird und Catherine Hogg Blair.[9] Aufgabe des Komitees war die Inspektion des Häuserbestandes und das Aufstellen von Empfehlungen aus der Sicht von Hausfrauen.[10][11]
1920 verlieh ihr die Universität Edinburgh für ihre Verdienste um die Sozialreform die Ehrendoktorwürde (LLD).[5]
Ab 1891 lebte die Kerrs in einem großen georgianischen Stadthaus auf dem Moray Estate im Westen von Edinburgh.[12]
In den 1920er Jahren arbeitete sie eng mit Elizabeth Haldane und Mary Maclagan zusammen, um die Wohnverhältnisse in ganz Großbritannien zu verbessern. 1921 wurde sie zur Direktorin des Edinburgh Royal Infirmary ernannt, setzte sich für die Einrichtung eines schottischen Pflegeausschusses ein und engagierte sich für die Professionalisierung des Pflegeberufs.[4] Kerr war auch an der Gründung eines Trusts für das Astley Ainslie Hospital in Edinburgh beteiligt.
Kerr starb im Alter von 80 Jahren in Edinburgh und ist zusammen mit ihrem Ehemann auf dem Dean Cemetery begraben.