Helene Sillem

deutsche Frauenrechtlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Helene Pauline Agnes Sillem (* 2. August 1871 in Bergedorf; † nach 1942) war eine deutsche Frauenrechtlerin, Verbandsfunktionärin und Kirchenvorsteherin der Hauptkirche Sankt Jacobi in Hamburg.

Leben

Helene Sillem wurde am 2. August 1871 in Bergedorf geboren. Sie hatte drei Schwestern und drei Brüder.[1] Ihr Vater war der Theologe Carl Hieronymus Wilhelm Sillem (* 1829), der zunächst Leiter der Bülowschen Erziehungsanstalt für Knaben in Bergedorf war und ab 1875 Oberlehrer an der Höheren Hamburger Bürgerschule. Sein Hauptwerk war mit Die Einführung der Reformation in Hamburg ein Werk über die Geschichte der hamburgischen Reformation.[2] Ihre Mutter Mathilde (1839–1889) war eine geborene von Leeßen. Ihr Großvater war der Hamburger Kaufmann Carl Sillem.[3]

1900 wurde in Hamburg die sozial engagierte Ortsgruppe Hamburg des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes (DEF) gegründet. Sechzehn Jahre übte Helene Sillem den Vorsitz des DEF aus. Weitere Frauen aus den „führenden“ Familien Hamburgs wie Clara Mönckeberg, Toni Petersen und Carlotta Sieveking gehörten der Vereinigung an. Dabei kümmerte sich Sillem besonders um die Deutsch-Evangelischen Arbeiterinnenvereine. Im Stadtteil Barmbek wurde ein Arbeiterinnenverein für Hamburg und Umgebung und im Stadtteil Hohenfelde ein Verein für Hausgehilfinnen gegründet. Sie veranstalteten Teeabende für Arbeiterinnen und eröffneten ein Abendheim für gewerblich beschäftigte Mädchen. Eine 1902 an der Jakobi Kirche eingerichtete Näh- und Flickschule sollte arbeitslosen Frauen die Möglichkeit geben, einen Verdienst zu erwirtschaften und sich gleichzeitig unter der Leitung von zwei erfahrenen Lehrerinnen in der Näharbeit fortzubilden, damit sie später einen besseren Lohn erlangen konnten.[2]

1919 wurde sie zur Kirchenvorsteherin von St. Jakobi gewählt. die Leitung der Ortsgruppe des DEF legte sie 1934 nieder. Sillem blieb jedoch Vorsitzende des Nordverbandes der neunzehn benachbarten Ortsgruppen, außerdem war sie 1931 in den Vorstand des Volkswachtbundes gewählt worden.[2]

Sillem setzte sich für die Verbesserung der Stellung von Theologinnen in der Kirche ein. Mit Sophie Kunert (1896–1960) war in der evangelischen Kirche am 5. Februar 1928 die erste Theologin eingesetzt worden, jedoch durfte sie weder predigen, noch die Sakramente verwalten. Als Theologin hatte sie nur den Status einer Pfarramtshelferin. Dazu äußerte sich Helene Sillem in einem Aufsatz mit dem Titel: „Das Pfarramt der Frau in Hamburg“: „So ist der Raum, der dem Pfarramt der Frau in der Hamburgischen Landeskirche zur Entfaltung eingeräumt ist, eng. Dieser jungen Pflanze wird im Garten der Kirche nur ein bescheidenes Plätzchen zugewiesen, und es ist für die Pionierinnen, die dieser Pflanze gern zu raschem Wachstum verhelfen möchten, schwer, sich mit dem engen Raum zu befreunden. Aber ist es nicht so, daß kräftige Pflanzen sich doch in ihrem Wachstum durchsetzen, wenn sie zuerst ihre Wurzeln recht tief und fest in die Erde gesenkt haben?“[2]

Im Jahr 1941 wohnte Helene Sillem laut Hamburger Adressbuch in der Heilwigstraße 160. Dies war die Anschrift des evangelischen Damenstiftes Kloster St. Johannis. Sie hatte während der Zeit des Nationalsozialismus auch weiter einige Leitungsfunktionen im Deutsch-Evangelischen Frauenbund (DEF) inne. Sie war Vorsitzende des Nordbundes des DEF und im Vorstand des Volkswachtbundes. Für den DEF war der Kampf gegen die Prostitution ein Hauptanliegen. In einem Brief vom 7. August 1933, den Helene Sillem an Alfred Richter, den Hamburger Polizeisenator im Namen des DEF richtete, schrieb sie, ihr sei ‚gerüchteweise‘ bekannt geworden, dass ‚einige der im Jahre 1922 aufgehobenen Bordellstrassen‘ wieder eingerichtet werden sollten. Sie äußerte sich auch im Namen ihrer Mitglieder empört darüber und führte weiter aus, sie könne sich ‚nicht denken, dass der neue nationalsozialistische Staat, dem wir von Herzen zugetan sind, zu einer solchen Maßnahme sich verstehen könnte‘. In ihrem Brief bat sie um Aufklärung. Weiter schrieb sie in ihrem Brief: ‚Wir verweisen darauf, dass der Führer Adolf Hitler in seinem Buch ‚Mein Kampf‘ sich gegen Bordellstrassen und für Konzentrationslager ausspricht. Dieser Gedanke des Führers trifft zweifellos das, was in der gegenwärtigen Stunde für diesen Personenkreis das Gegebene ist: dass man nämlich nicht unter staatlicher Duldung oder Reglementierung ihr Laster fördert, indem man sie in ‚Freudenhäuser‘ bringt, sondern dass man sie zu straffer Arbeit zwingt und sie, soweit das überhaupt noch möglich ist, zu einer geordneten sittlichen Lebensführung erzieht. Die Unerziehbaren dürften als Schädlinge der Volksgemeinschaft besonders der Jugend in diesen Lagern am besten verwahrt sein.‘[2]

Weiter vertrat sie den Standpunkt, dass der Staat in der Förderung einer ‚gesunden Familie‘ ein Vorbild sein müsse. Sie begrüßte auch, dass mit einer straff geführten Polizei und einer nationalen Justiz gerechnet werden könne und dass aufgrund des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten die Einrichtung von Bordellstraßen faktisch nicht mehr möglich wäre. Im Namen des Frauenbundes begrüßte Sillem den nationalsozialistischen Staat. Dazu schrieb Victoria Overlack, dass unter einem Teil der engagierten evangelischen Frauen Hamburgs demnach eine Geisteshaltung verbreitet war, die der Herrschaftspraxis des nationalsozialistischen Staates Vorschub leistete.[2]

Über das Leben von Helene Sillem nach 1943 ist nichts bekannt.

Helene Sillem wurde in Hamburg durch einen Frauenort geehrt.[2]

Einzelnachweise

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