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Helga Grubitzsch

deutsche Literaturwissenschaftlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Helga Grubitzsch (geboren am 4. Juni 1943 in Berlin)[1] ist eine deutsche Romanistin und emeritierte Professorin für französische Literaturwissenschaft und Didaktik mit dem Schwerpunkt literaturwissenschaftliche und historische Frauenforschung.

Werdegang

Helga Grubitzsch erhielt 1962 das Abitur und studierte von 1962 bis 1970 Romanistik, Lateinische Philologie und Psychologie in Köln und Mainz. 1970 wurde mit der Dissertation Die Verwendung der Mythologie in Giambattista Marinos ‚Adone‘ an der Universität Mainz zum Dr. phil. promoviert. Für ihre Arbeit erhielt sie im selben Jahr einen Dissertationspreis der Mainzer Philosophischen Fakultät. Von 1970 bis 1971 arbeitete sie als Lehrerin in Oldenburg, von 1971 bis 1979 als Assistenz-Professorin an der Universität Bremen, dort ab 1979 als Professorin. 1985 habilitierte sich die in Bramstedt lebende Grubitzsch mit dem Thema Literatur und Sozialgeschichte der Frauen an der Universität Osnabrück.[2][3.1]

Wissenschaftspolitische Aktivitäten

Ab 1972 war sie Vorsitzende des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität, ab 1976 Mitglied des Konvents.[4] 1987/88 erhielt sie von der Stiftung Maison des Sciences de l’Homme und der Stiftung Volkswagen ein achtmonatiges Forschungsstipendium für Archivarbeiten in Paris.[5]

1986 war sie Mitbegründerin von des gemeinnützigen Vereins „belladonna“, der Kultur, Bildung und Wirtschaft für Frauen in Bremen fördert.[6][7]

Von 1988 bis 2003 arbeitete Grubitzsch als Professorin an der Universität Paderborn („Allgemeine Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt literaturwissenschaftliche und historische Frauenforschung“).[8] 1989 organisierte sie den DFG-finanzierten internationalen Kongress Frauen–Literatur–Revolution an der Universität Paderborn.[3.2] 1989 bis 1992 baute sie ein Erasmus-Austauschprogramm mit der Universität Toulouse II-Le Mirail auf.[3.2] Im selben Zeitraum war sie Gutachterin der Lise-Meitner-Kommission und der Hans-Böckler-Stiftung.[3.2] 2002/03 war sie Mitglied der Gleichstellungskommission an der Universität Paderborn.[3.1]

Grubitzsch hielt Gastvorträge im In- und Ausland.[5]

Seit 2001 bietet Helga Grubitzsch Seminare zum kreativen und biografischen Schreiben an.[9] Sie ist existenzanalytische Beraterin und Logotherapeutin.[10]

Helga Grubitzsch verfügte in ihrem Testament die Gründung einer Stiftung, die geflüchtete Mädchen zur Aufnahme eines Studiums motivieren soll.[11]

Veröffentlichungen (Auswahl)

Als Autorin

  • Die Verwendung der Mythologie in Giambattista Marinos Adone. Steiner, Wiesbaden 1973 (zugleich Dissertation an der Universität Mainz, 1970).
  • Unterrichtspraxis im Projektstudium. 1975.
  • mit Loretta Lagpacan: Projekt Französischunterricht. 1979.
  • mit Loretta Lagpacan: „Freiheit für die Frauen, Freiheit für das Volk!“ Sozialistische Frauen in Frankreich, 1830–1848. Syndikat, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-8108-0163-1.
  • „Ein steiniger Weg“. Politische Arbeit von Frauen. In: U. Jelpke (Hrsg.): Frauen in linken Organisationen. Hamburg 1981, S. 11–40; auch in: Frankfurter Frauenblatt. 11/12 (1980) und in: Die Tageszeitung vom 26. Februar 1981.
  • „Ein unheimlicher Widerspruch...“ Zur Theorie und Praxis feministischer Wissenschaft an der Universität. In: Feministische Literaturwissenschaft. Dokumentation der Tagung in Hamburg vom Mai 1983. In: Argument 1984, S. 131–142. (Meta-Katalog)
  • La femme et la consommation. In: Actes du Colloque "Les femmes et l’argent", November 1985, Aix-en-Provence 1986, S. 117–150. (Paris – Bibliothèques patrimoniales).
  • A Paradigm of Androcentric History: Michelet’s "Les femmes de la Révolution". In: Current Issues in Women's History. Routledge, London 1989, S. 271–288. (eBook ISBN 978-0-203-10424-8).
  • mit Roswitha Bockholt: Théroigne de Méricourt. Die Amazone der Freiheit. Centaurus, Pfaffenweiler 1991, ISBN 978-3-89085-549-3.
  • Der befreiende Blick aus der Fremde. Frauen in männlichen Institutionen. Neujahrsempfang der Universität–Gesamthochschule Paderborn, 20.01.1991. In: Peter Freese (Hrsg.): Paderborner Universitätsreden. Hausdruckerei im Auftrag des Rektorats der Universität-Gesamthochschule-Paderborn.
  • Kampf für mehr Rechte und mehr Freiheit. In: Annette Kuhn (Hrsg.): Die Chronik der Frauen. Dortmund 1992, Chronik Verlag, ISBN 3-611-00195-3, S. 299–300.
  • Women Creating History. Aspects of a Feminist Historiography. In: Acta Universitatis Copernici, English Studies IV, Humanities and Social Sciences. 274/1994, S. 3–14, in Hrsg.: Wydawnictwo Uniwersytetu Mikolaja Kopernika, Verlagsort Torun.
  • mit Maria Kublitz, Dorothea Mey, I. Singendonk-Heublein (Hrsg.): Frauen – Literatur – Revolution. Pfaffenweiler 1998, Centaurus, ISBN 978-3-89085-504-2.
  • Helga Grubitzsch: Die 'Amazone der Freiheit' - Anne Josèphe Théroigne, genannt Théroigne de Méricourt, in: Historisches Museum der Pfalz Speyer (Hrsg.): Amazonen. Geheimnisvolle Kriegerinnen, München 2010, Edition Minverva, ISBN 978-3-938832-62-2.
  • mit Klaudia Gennermann: Wirkmächtigkeit der Ausbildung zur existenzanalytischen Beraterin, in: Existenzanalyse. Band 35, Nr. 1, 2018, GLE International, ISBN 978-3-525-49163-8, S. 42–47.

Als Herausgeberin

  • mit J. Kramer und R. Schneewolf: Materialien zur Kritik des Feuilleton-Romans. „Die Geheimnisse von Paris“ von Eugène Sue in der europäischen Kritik. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, Wiesbaden 1977, ISBN 3-7997-0675-5.
  • mit Hannelore Cyrus und Eike Haarbusch: Grenzgängerinnen. Revolutionäre Frauen im 18. und 19. Jahrhundert; weibliche Wirklichkeit und männliche Phantasien. Schwann, Düsseldorf 1985, ISBN 3-590-18042-0.
  • Frauen – Literatur – Revolution. Centaurus, Pfaffenweiler 1992, ISBN 3-89085-504-0.
  • „Ich will meine Trauer nicht leugnen und nicht meine Hoffnung“. Veränderungen kultureller Wahrnehmungen von ostdeutschen und osteuropäischen Frauen nach 1989. Winkler, Bochum 1994, ISBN 3-924517-99-1.
  • mit Ann Brünink: „Was für eine Frau!“ Portraits aus Ostwestfalen-Lippe. Bielefeld 1992, Westfalen-Verlag, ISBN 978-3-889180728.
  • mit Eva Kaufmann und Hannelore Scholz: „ich will meine Trauer nicht leugnen und nicht meine Hoffnung.“ Veränderungen kultureller Selbstwahrnehmung von ostdeutschen und osteuropäischen Frauen nach 1989. Bochum 1994, Dr. Winkler Verlag, ISBN 978-3-924517-99-1.
  • mit Ingeburg Bertzbach, Christiane Goldenstedt und anderen: Wagnis des Lebens. Eine biografische Suche nach den Spuren der NS-Zeit. Kellner Verlag, Bremen 2022, ISBN 978-3-95651-331-2.

Einzelnachweise

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