Helm AG
Chemiekonzern tätig in den Bereichen Chemie, Agrar und Lithium
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Die Helm AG (Eigenschreibweise: HELM AG) ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Hamburg. Der Konzern ist in den Bereichen Chemie, Agrar sowie Energiestoffe (Lithium) tätig, vorwiegend als Händler sowie als Projektentwickler und Produzent. Helm unterhält über 100 Niederlassungen und Beteiligungen in rund 30 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika und Asien.[1]
| HELM AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1900 |
| Sitz | Hamburg, |
| Leitung | Stephan Schnabel (Vorstandsvorsitzender) |
| Mitarbeiterzahl | 2.257 (2024)[1] |
| Umsatz | 5,8 Mrd. Euro (2024)[1] |
| Branche | Chemikalienhandel, Agrarindustrie, Energiestoffe |
| Website | www.helmag.com |
Laut dem Handelsblatt ist die Helm AG der fünftgrößte Chemikalienhändler weltweit.[2]
Geschichte

Gründung
Die Helm AG geht zurück auf die 1900 von Karl Otto Helm gegründete Firma Karl O. Helm, ein in Hamburg ansässiges Import- und Export-Unternehmen.[3] Das Unternehmen handelte mit Produkten wie Möbeln, Porzellan, Riechstoffe und Gewürze.[4]
Übernahme durch Hermann Schnabel und Aufbau des Chemiehandels
1950 übernahm Hermann Schnabel das Unternehmen und baute es weiter aus.[5][4] Er entwickelte die Geschäftstätigkeit sukzessiv zum Handel mit chemischen Produkten weiter.[3] Unter seiner Leitung eröffneten die ersten internationalen Niederlassungen in Europa und Amerika; 1962 eröffnete Helm das erste Auslandsbüro in Kopenhagen und 1966 folgte eine Niederlassung in Mexiko-Stadt.[4] Diese entwickelte sich zur größten internationalen Vertretung des Unternehmens.[6][7] 1970 beschäftigte das Unternehmen 300 Mitarbeiter. 1978 erfolgte die Umfirmierung in Helm AG.[7]
1981 erfolgte der Eintritt in den asiatischen Markt mit der Eröffnung eines Büros in Peking.[4] In den folgenden Jahren kamen weitere Standorte im asiatischen Raum hinzu.[4] Durch die Expansionen des Unternehmens verdoppelte sich die Mitarbeiterzahl in den 1980er Jahren und der Umsatz stieg auf 557 Millionen Euro an. Zu diesem Zeitpunkt handelt das Unternehmen bereits mit Chemie und war vor allem im Bereich der Rohstoffe tätig.[8][9]
Expansion unter Dieter Schnabel
1984 übernahm Dieter Schnabel als Vorstandsvorsitzender in zweiter Generation die Unternehmensführung.[7] Er setzte die Expansion des Unternehmens fort und baute weitere Geschäftsbereiche auf. Neben dem Handel mit Chemikalien, Pflanzenschutz und Düngemittel entwickelte Dieter Schnabel vor allem den Pharmabereich des Unternehmens weiter.[6][10]
Weiterhin ging die Helm AG 1986 eine Partnerschaft mit der US-amerikanischen Firma Proman ein. Durch diese Partnerschaft stieg Helm in die Methanolproduktion ein. Dieser Geschäftsbereich wurde in den folgenden Jahren weiter ausgebaut und international entstanden mehrere Methanol-Großanlagen, darunter in Oman,[11] Trinidad und Tobago und auch in Texas.[12] Methanol ist bis heute (2025) der größte Umsatzträger des Unternehmens.[1][13]
Nachdem Hermann Schnabel 2010 verstarb,[14] wechselte Dieter Schnabel 2012 in den Aufsichtsrat der Helm AG[6] und gab die Unternehmensführung interimsweise an Hans-Christian Sievers ab, welcher bis Ende März 2020 als Vorstandsvorsitzender der Helm AG tätig war.[15]
Ausrichtung auf neue Geschäftsfelder unter Stephan Schnabel
2020 übernahm Stephan Schnabel den Vorstandsvorsitz des Familienunternehmens in dritter Generation.[16] Unter seiner Leitung begann eine strategische Neuausrichtung der Helm AG mit Investitionen, Beteiligungen und Joint Ventures im Bereich nachhaltiger Verfahren und alternativer chemischer Prozesse.[17] Dazu gehört beispielsweise das mit Cargill gegründete Joint-Venture Qore, welches in der Produktion bio-basierter Chemikalien tätig ist.[18] Außerdem investiert die Helm AG in die Digitalisierung der Landwirtschaft[19] und beteiligte sich unter anderem an Apps, die Pflanzenkrankheiten erkennen können.[20]
Im Januar 2022 gründete die Helm AG ein Joint Venture mit dem britischen Unternehmen Leverton Lithium, das inzwischen unter dem Namen Leverton Helm firmiert und als 100-prozentige Tochtergesellschaft von Helm agiert.[21] Das Unternehmen ist im Refinement tätig, bereitet Lithium wieder auf, wobei dieses im Rahmen des Lithiumrecyclings so gereinigt und verarbeitet wird, dass es erneut in verschiedenen industriellen Bereichen eingesetzt werden kann.[19] 2025 ging Leverton Helm zudem eine Partnerschaft mit Altilium ein, einem Unternehmen aus den Bereichen Batterien und Recycling. Durch die Partnerschaft soll in Großbritannien eine nachhaltige Lieferkette für Lithium entstehen.[22]
Unternehmensstruktur
Die Helm AG hat ihren Hauptsitz in Hamburg und befindet sich als privat gehaltene Aktiengesellschaft seit 1950 im Besitz der Familie Schnabel. Stephan Schnabel leitet als Vorstandsvorsitzender das Familienunternehmen seit 2020 in dritter Generation.[1][18]
Die Helm AG verfügt über mehr als 100 Niederlassungen, Beteiligungen und Tochtergesellschaften in Europa, Asien, Amerika und Afrika. Darüber hinaus ist die Helm AG Investor mehrerer Start-ups.[1][19][23] Weiterhin ist das Unternehmen im Rahmen von Venture-Clienting über die Einheit Helm Horizon tätig, indem sie Start-ups als Partner einbindet und deren Entwicklungen in ihre Geschäftsbereiche integriert.[24]
Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete die Helm AG einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro bei durchschnittlich 2257 Mitarbeitern. Größte Absatzmärkte waren hierbei Europa und Amerika.[1]
Geschäftsfelder
Die Helm AG ist in den vier Bereichen Chemie, Agrar, Energiestoffe (insbesondere Lithium) und Pharmazie tätig.[25][26] Die Chemiesparte umfasst Grund- und Zwischenprodukte wie Methanol und Styrol,[27] die unter anderem in der Farben-, Klebstoff-, Kosmetik- und Verpackungsindustrie verwendet werden.[19] Für die Landwirtschaft werden chemische Pflanzenschutzmittel und Düngemittel sowie Biostimulanzien bereitgestellt.[25] Im Bereich Energiestoffe werden Lithiumprodukte wie Lithiumcarbonat, Lithiumhydroxid und Lithiumchlorid angeboten, die unter anderem in Branchen wie der Elektromobilität, dem Baugewerbe, der Glas- und Keramikindustrie,[28] der Schmiermittelindustrie sowie in der chemischen Industrie eingesetzt werden.[29] Zusätzlich werden Verfahren entwickelt, um Materialströme durch Recycling zu schließen.[17][30][31]
Die Helm AG bietet zudem Dienstleistungen aus den Bereichen Vermarktung, Projektentwicklung und Logistik an. Die vertriebenen Produkte richten sich dabei an verschiedene Märkte und Branchen.[4][32]
Weblinks
- Website von Helm
- Jan Freitag: Zur Nachhaltigkeit gibt es auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht keine Alternative, um international konkurrenzfähig zu bleiben. In: Hamburger Wirtschaft, dem Magazin der Handelskammer Hamburg. 25. September 2023.
- Oliver Schade: Handyhüllen aus Biomasse – Helm AG geht neue Wege. In: Hamburger Abendblatt. 26. Juni 2023.
