Helsingfors Lyceum
von 1831 bis 1891 existierendes privates altsprachliches Gymnasium in Helsingfors/Helsinki in Finnland
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Helsingfors Lyceum (schwed. Helsingfors privatlyceum, suom. Helsingin lyseo) war ein privates altsprachliches Gymnasium in Helsingfors/Helsinki in Finnland, das von 1831 bis 1891 bestand. Anfangs war es schwedischsprachig, ab den 1870er Jahren wurde es finnischsprachig.[1]



Nachdem Helsingfors 1819 zur finnischen Hauptstadt geworden war, genügte die ältere Lateinschule nicht mehr den Ansprüchen der Stadtbürger und 1831 wurde ein zeitübliches humanistisches Gymnasium mit Latein und Griechisch als Hauptsprachen eingerichtet. Zu den Gründern gehörten neben dem Pfarrer Axel Adolf Laurell die Philosophen Johan Jakob Nervander und Johan Ludvig Runeberg. Als die Schule 1857 auf acht Klassen erweitert wurde, musste sie eine staatliche Lizenz erhalten. Studenten des Helsingfors Lyceum bezogen erstmals 1835 die Universität Helsinki. Die Schule wurde 1891 geschlossen, nachdem die Schülerzahl zu klein geworden war. Der letzte Direktor Emil Böök wechselte an das Schwedische Normallyceum. Lange zog die Schule die städtische Elite für ihre Kinder an, doch ging dies über an das 1891 gegründete, naturwissenschaftlich ausgerichtete Ressu-Gymnasium. Dessen erster Name war Helsingin Suomalainen Reaalilyseo, sodass auch für diese Schule die Abkürzung passend erschien.
Der spätere Präsident Carl Gustaf Emil Mannerheim beendete 1879 die Schule nach seiner Aufnahme 1874. Im Alter von 12 Jahren wurde er für sechs Monate von der Schule suspendiert, nachdem er mit Absicht die Schulfenster eingeschlagen hatte.
Andere Schulen in Helsinki dieses Namens
Denselben Namen trug zeitweise das Normallyceum in Helsinki, das nach der Einführung von Finnischklassen am Lyceum (1867) und ihrem politischen Verbot 1871 als private Schule gegründet worden war. Das Schulgebäude an der Ratakatu 2 im Stadtteil Punavuori wurde 1878 von Frans A. Sjöström entworfen. Der Staat übernahm 1887 die Schule, die Finnisches Normallyceum in Helsinki benannt wurde. 1905 zog sie um in das neu erbaute Haus an der Ratakatu 6, das bis heute genutzt wird.
Seit 1995 heißt die Schule Helsinki Normallyceum (Helsingin normaalilyseo). Der Spitzname ist Norssi. Es wird von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität geführt und bietet als einzige Schule Finnlands Latein ab der 7. Klasse an. Insofern bewahrt es ein wenig die altsprachliche Tradition der Vorgängerschule. Die Aufnahmekriterien sind die schwierigsten in Finnland. Sie hatte im Jahr 2023 740 Schüler, davon 260 in der Oberstufe.[2] Zu den bekannten Schülern gehören der Autor Mika Waltari und der Historiker Matti Klinge.
Drittens steht der Name in Verbindung mit dem Schwedischen Normallyceum (Spitzname Norsen), das im Viertel Kaartinkaupunki von Helsinki von 1864 und 1977 bestand. Der hochgebildete Autor und Politiker Johan Vilhelm Snellman gründete es, dem aber eigentlich die Etablierung der finnischen Sprache am Herzen lag. Das Lyceum bot der schwedischen Minderheit eine höhere Schule, als die schwedische Unterrichtssprache in den übrigen Schulen immer mehr infragegestellt wurde. Es blieb eine Jungenschule bis 1974 und wurde drei Jahre später aufgeteilt. Seither gibt es bis jetzt das Gymnasiet Svenska normallyceum.[3] Der Philosoph Georg Henrik von Wright und der Medizinnobelpreisträger von 1967 Ragnar Granit besuchten diese Schule.