Henri de Talleyrand-Périgord
französischer Adliger und Verschwörer
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Henri de Talleyrand-Périgord, Comte de Chalais (* 1599[1]; † hingerichtet 19. August 1626 in Nantes), war ein französischer Adliger und unter Ludwig XIII. Maître de la garde-robe du Roi.

Im Sommer 1626 ließ er sich von der Herzogin von Chevreuse in die erste der zahlreichen Verschwörungen gegen Kardinal Richelieu verwickeln, die seitdem seinen Namen trägt: die Chalais-Verschwörung.
Leben
Herkunft und Familie
Der Graf von Chalais war ein jüngerer Sohn von Daniel de Talleyrand-Périgord, Prince de Chalais, und Françoise de Montluc, Tochter des Marschalls Monluc. Am 4. Dezember 1623 heiratete er Charlotte Jeannin de Castille († 4. Februar 1659), Tochter von Pierre, Seigneur de Castille, Baron de Montjeu, und Charlotte Jeannin, Witwe von Charles Chabot, Comte de Charny. Ihr einziges Kind war Philippe-Charlotte de Talleyrand-Périgord, die Nonne in der Abtei Montmartre wurde.
Anfänge
Henri de Talleyrand-Périgord wurde im Alter von acht Jahren von seiner Mutter an den Hof des Königs Heinrich IV. geschickt, wo er Page wurde. Später kaufte sie ihm das kostspielige Amt des Maître de la garde-robe. Talleyrand-Périgord diente auch in den königlichen Truppen und nahm 1621 im Krieg gegen die Hugenotten an der Belagerung von Montauban teil. Um sich die Gunst der Herzogin von Chevreuse zu sichern, tötete er 1623 einen seiner Rivalen, Pontgibault, einen Neffen des Marschalls Schomberg, im Duell. Dank der Unterstützung des Herzogs von Anjou, des jüngeren Bruders des Königs, wurde er nach einem Gerichtsverfahren freigelassen.[2]
Die Chalais-Verschwörung
Anlass der Verschwörung war, dass Ludwig XIII. und Richelieu eine Heirat zwischen dem Herzog von Anjou und der reichen Erbin Marie de Montpensier planten. Der Herzog von Anjou wehrte sich, von seinem Erzieher Jean-Baptiste d’Ornano bestärkt, gegen diese Ehe, und um ihn hatte sich eine Partei der „Abneigung gegen die Ehe“ versammelt.
Marie de Rohan, die Herzogin von Chevreuse, eine große Verschwörerin, und andere Prinzen schlossen sich so mit dem Bruder des Königs zusammen, um gegen die wachsende Autorität Richelieus zu intrigieren. Es ging den Vertretern des Hochadels darum, ihre feudale Macht auf Kosten der von Heinrich IV. eingeleiteten und von seinem Nachfolger weiter betriebenen Stärkung der königlichen Zentralgewalt zurückzugewinnen.
Im Sommer 1626 gewann die Herzogin den Grafen de Chalais, einen bis dahin von Ludwig XIII. geschätzten Edelmann, für sich. Das erklärte Ziel war die Ermordung Richelieus und vielleicht auch die Absetzung Ludwigs zugunsten seines Bruders. Die Verschwörung wurde jedoch aufgrund privater Streitigkeiten zwischen den Beteiligten aufgedeckt, und Richelieu griff mit der Unterstützung Ludwigs XIII. hart durch. Chalais, der die Gunst des Königs genoss und zum ersten Mal in eine Verschwörung verwickelt war, sollte der Strafe entgehen, wenn er seine Mitverschworenen verriet. Er wurde jedoch selbst vom Herzog von Anjou angezeigt, der, um seinen Kopf zu retten, seine Beteiligung gestand und alle seine Komplizen verriet. Chalais wurde verhaftet, ebenso wie Ornano und seine Brüder sowie César und Alexandre de Vendôme, die Halbbrüder des Königs. Als einziger der Verschwörer, der nicht durch das Prestige seiner Familie geschützt war, wurde Chalais im Franziskanerkonvent von Nantes vor Gericht gestellt und zur Enthauptung auf der Place du Bouffay verurteilt. Seine ehemaligen Komplizen bewogen den Henker, die Hinrichtung zu verweigern; daraufhin übernahm ein zum Tode Verurteilter, der zu diesem Zweck begnadigt wurde, die Aufgabe, ein unerfahrener Schuhmacher, der, mit einem Küferbeil und einem Zeremonialschwert ausgerüstet, die Hinrichtung zu einem Massaker machte: Er benötigte 29 oder 30 Schläge, bis der Verurteilte tot war.
Einordnung
Der aus einer hochadligen Familie stammende Henri de Talleyrand war ein typischer Vertreter des Hofadels in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der das Duell liebte, adelsstolz und hochfahrend war und darunter litt, dass er von der Macht im Staate ausgeschlossen wurde. Der Hochadel war an die politische Freiheit gewöhnt, die er während der Religionskriege hatte ausüben können, und wehrte sich dagegen, sich der Autorität des Königs und seiner leitenden Minister zu unterwerfen. Chalais’ tragisches Ende auf dem Schafott in Nantes markiert eine Etappe des politischen Niedergangs des Hofadels. Der Dreißigjährige Krieg, in den Frankreich zu diesem Zeitpunkt verwickelt war, ermöglichte dem Königtum einen weiteren Schritt zur Zentralisierung auf Kosten der Freiheiten der Körperschaften und Gemeinden und vor allem des Adels.
Literatur
- Pierre Chotard, L’affaire Chalais, culture politique et raison d’État, Mémoire de Maîtrise d’Histoire, Université de Nantes, 1999
- Pièces du procès de Henri de Tallerand, Comte de Chalais, Décapité en 1626, London, 1781
- Louis Grégoire, Chalais, ou, Une conspiration sous Richelieu, 1855
- Jean Meyer, Chalais Henri de Talleyrand comte de (1599–1626), in: Encyclopedia universalis, Band 18, 1968, S. 347 (online, gebührenpflichtig)
- Detlev Schwennicke, Europäische Stammtafeln, Band 28, Tafel 39