Herbert Marxen
deutscher Zeichner, Karikaturist und Maler
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Leben
Herbert Marxen wurde 1900 in Flensburg geboren. In den Jahren 1917 bis 1921 erhielt er, unterbrochen vom Kriegsdienst, eine Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker in den Kunstgewerbeschulen Flensburg und Hamburg. In den folgenden Jahren unternahm er Studienreisen nach Italien und arbeitete freiberuflich als Werbegrafiker. Er wandte sich zunehmend der Karikatur zu. 1922 entwarf Marxen ein Plakat für die Flensburger Nordmarkttage im Stil der neuen Sachlichkeit, das so modern und kühn ist, dass es in der heimischen Presse einen Sturm der Entrüstung hervorrief: „Ackerscholle wider Futurismus“.[1]
1929/30 lieferte Marxen als freier Mitarbeiter der satirischen Zeitschrift Simplicissimus zahlreiche grafische Beiträge.[2] Von 1930 bis 1932 war er als fester Mitarbeiter der Zeitschrift „Jugend“ mit fast 200 Beiträgen[3] der meistbeschäftigte Karikaturist dieses Blattes, bis es durch den erstarkenden Nationalsozialismus von der Schließung bedroht war. Marxen verfertigte privat weiter anti-nationalsozialistische Karikaturen. Nach Verrat durch seinen Schwager wurden 1938 in Marxens Atelier durch die Gestapo ca. 200 Karikaturen mit brisantem Inhalt beschlagnahmt, mit sofortiger Wirkung wurde er aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen. Bemühungen um die Rückgabe der Zeichnungen waren vergeblich; sie blieben verschollen.
Nach erneutem Militärdienst verlegte sich Herbert Marxen nach dem Zweiten Weltkrieg neben der Grafik mehr und mehr auf das Genre des Ölgemäldes. 1946 wurde mit ausdrücklicher Förderung durch die britische Militärregierung eine Ausstellung in Kampen auf Sylt gezeigt.[4] Mehrere Ausstellungen im schleswig-holsteinischen und dänischen Raum und Publikationen in „Der Deutsche Michel“ folgten. Gleichzeitig bemühte Marxen sich um eine Entschädigung für die beschlagnahmten Zeichnungen. Er starb 1954 kurz vor der Gegenüberstellung mit einem der Nazi-Schergen an einem Herzschlag, die Entschädigung wurde kurz darauf seiner Witwe und den beiden Töchtern gewährt.
Nachwirkungen
Um 1955 fanden in Flensburg, Odense und Aalborg (Dänemark) Ausstellungen statt. In den Jahren 1982 und 2014 wurden im Städtischen Museum Flensburg umfangreiche Gedächtnisausstellungen für den Künstler ausgerichtet. 2019 wurde in Flensburg der Herbert-Marxen-Weg nach ihm benannt.
Fundus im städtischen Museum Flensburg
Zahlreiche Arbeiten von Herbert Marxens grafischem und malerischem Werk befinden sich im Fundus des Flensburger Museums, darunter publizierte Karikaturen aus der Weimarer Zeit, Zeichnungen aus dem Zyklus „Mein Dank an das Dritte Reich“ von ca. 1946, Holzschnitte und Ölgemälde. Stilistisch sind die frühen Arbeiten Marxens, vor allem seine Holzschnitte, der Neuen Sachlichkeit zuzurechnen. Von den drei großen Karikaturisten seiner Zeit – Heine, Gulbransson und Arnold – stand Marxen letzterem am nächsten; seine Figuren sind aus einer klaren, feinen Konturlinie gebildet. Die Ölgemälde sind nicht eindeutig einer Stilrichtung zuzuordnen, meist gedeckt in der Farbgebung und lassen oftmals den Karikaturisten erkennen.[5] Im Sommer 2014 zeigte das Städtische Museum Flensburg eine erneute umfangreiche Ausstellung unter dem Titel „Politisch inkorrekt“ mit Ölgemälden, Holzschnitten und Karikaturen von Herbert Marxen.[6]
Werke (Auswahl)
Literatur
- Ulrich Schulte-Wülwer: Herbert Marxen – Ein Flensburger Karikaturist in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Hrsg.: Städt. Museum Flensburg, 1982, DNB 830131280.
- Ulrich Schulte-Wülwer: Der Flensburger Karikaturist Herbert Marxen. In: Erich Hoffmann, Peter Wulf (Hrsg.): Wir bauen das Reich. Aufstieg und erste Herrschaftsjahre des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein. Wachholtz, Neumünster 1983, ISBN 3-529-02181-4, S. 235–252.
- Ackerscholle wider Futurismus. Die Auseinandersetzungen um das Plakat der Flensburger Nordmarktage von Herbert Marxen im Jahre 1922. In: Kunstsplitter. Beiträge zur nordeuropäischen Kunstgeschichte. Husum 1984, ISBN 3-88042-241-9, S. 192–201.
- Ulrich Schulte-Wülwer (Red.): 100 Jahre Werkkunstschule Flensburg 1890 1990. Ausstellung im Städt. Museum Flensburg 7. Oktober bis 25. November 1990. Städtisches Museum Flensburg, Flensburg 1990, S. 104f.
- Allgemeines Künstlerlexikon. AKLONLINE, Doc-ID: _40446679.
- Bernd Philipsen: Herbert Marxen: Ein Zeichner „Der Jugend“. In: Bernd Philipsen (Hrsg.): Noch mehr Flensburger Köpfe: Frauen und Männer aus der Stadtgeschichte (= Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte [Hrsg.]: Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Band 37). Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2011, ISBN 978-3-925856-66-2, S. 85–87.
Weblinks
- Foto von Herbert Marxen im Digitalen Porträtarchiv, Flensburg 1916
- World Art Positions
- Französisches Künstlerlexikon
