Herbert von Klemperer
deutscher Ingenieur, 1878-1951
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Familie
Herbert von Klemperer wurde als zweiter Sohn von Charlotte (1857–1934) und Gustav Klemperer (1852–1926) geboren, die jüdischen Glaubens waren. Sein Vater war Direktor der Dresdner Bank und österreichischer Honorarkonsul[1], er wurde 1910 als Edler von Klemenau in den österreichischen Adel erhoben. Seine Brüder waren Victor von Klemperer und Ralph-Leopold von Klemperer.[2]
Der Luftfahrtpionier Wolfgang Klemperer war ein Cousin ersten Grades. Zur entfernten Verwandtschaft zählte sein Cousin sechsten Grades, der Reformrabbiner Wilhelm Klemperer. Dessen Sohn war der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Victor Klemperer, ab 1920 als Hochschullehrer ein gleichnamiger Zeitgenosse Victor Klemperer von Klemenaus in Dresden. Die gemeinsamen Vorfahren entstammten dem Prager Judentum des 16. Jahrhunderts.
Herbert von Klemperer war seit 1909 mit Frieda, geb. Kuffner verheiratet. Das Paar hatte drei Söhne, darunter der Historiker Klemens von Klemperer, und eine Tochter[3].
Leben und Arbeit
Herbert von Klemperer studierte nach dem Abitur in Dresden Rechts- und Volkswirtschaft in Berlin sowie anschließend Maschinenbau an der Technischen Hochschule Dresden (Dipl.-Ing. 1902, Dr.-Ing. 1903). Praktische Erfahrungen sammelte er bei Krupp-Gruson in Magdeburg und auf der Schiffswerft Übigau bei Dresden; zudem unternahm er Studienreisen nach England, Frankreich und im Jahr 1904–1905 in die USA. Ab 1904 war er in Frankenthal bei der Firma Klein Schanzlin & Becker AG (KSB) tätig, wechselte 1906 zu Škoda nach Pilsen und arbeitete dann auch als Leiter des Ingenieurbüros von Škoda in Witkowitz in Mährisch-Ostrau.
1908 wurde er Vorstandsmitglied der Berliner Maschinenbau AG (BMAG), deren Vorstandsvorsitz er von 1928 bis 1935 innehatte. Herbert von Klemperer war damit ein führender Berliner Industrieller und bekleidete zahlreiche Funktionen, u. a. im Reichsverband der Deutschen Industrie, im Verein deutscher Maschinenbauanstalten sowie in mehreren Aufsichtsräten, darunter der Berliner Handels-Gesellschaft und der Wanderer-Werke. Im Ersten Weltkrieg wurde er aus dem österreichischen Heeresdienst zurückberufen, da er Verantwortung bei der Torpedoproduktion der BMAG tragen sollte. Zudem engagierte er sich kulturell als Mitbegründer und stellvertretender Vorsitzender der Deutsche Gesellschaft für Ostasiatische Kunst in Berlin.
Er lebte mit seiner Familie in Berlin-Tiergarten und pflegte internationale Kontakte, u. a. zum späteren schwedischen König Gustav VI. Adolf sowie zu Erzherzog Franz Ferdinand. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor er seine österreichische Staatsbürgerschaft und wurde Bürger der Tschechoslowakischen Republik. Er bemühte sich um die österreichische Staatsbürgerschaft, die er erst 1931 erlangte.
Als Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der Berliner Maschinenbau AG führte er das Unternehmen insbesondere während Inflation und Wirtschaftskrise. 1935 trat er unter dem Druck der nationalsozialistischen Politik als Vorstandsvorsitzender zurück und wurde wenig später vollständig aus dem Unternehmen gedrängt.
Verdrängung, Enteignung und Exil
Am 9. Dezember 1937 schied Herbert von Klemperer nach 30 Jahren im Vorstand aus der Berliner Maschinenbau AG aus. Zwei seiner Söhne waren bereits 1937 in die USA emigriert; er selbst besuchte sie im April desselben Jahres. Spätestens nach den Novemberpogromen 1938 bemühte er sich um die Ausreise, nachdem er bereits aus gesellschaftlichen Kreisen ausgeschlossen und seiner Familie 1938 die Wohnung gekündigt worden war.
1939 lebte die Familie vorübergehend im Berliner Hotel Esplanade (letzte Adresse: Bellevuestraße 16–18). Für die Emigration musste sie nahezu ihr gesamtes Vermögen abgeben: 397.500 RM Reichsfluchtsteuer (zuzüglich je ca. 16.000 RM für die Kinder), 250.000 RM „Helldorff-Spende“, 145.200 RM Judenvermögensabgabe (sowie je 16.000 RM für die Kinder), rund 90.015 RM Verluste über die Deutsche Golddiskontbank und weitere 80.000 RM zur Genehmigung der Ausfuhr eines Teils seiner Kunstsammlung.[4]
Der Großteil der Sammlung wurde von der Gestapo beschlagnahmt; ein Rest konnte nach England gebracht und musste im April 1939 bei Christie’s versteigert werden, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Januar 1939 traf Klemperer mit seiner Frau und seiner Tochter in England ein. Eine Weiterreise in die USA zu seinen zwei Söhnen konnte durch Krankheit seiner Frau nicht erfolgen. Er wurde nach Ausbruch des Kriegs kurzzeitig durch die britischen Behörden interniert. Im Jahr 1945 starb seine Frau. 1946 durfte er, gemeinsam mit Tochter Lily, in die USA einwandern. Er starb 1951 in Manhattan, New York.[5]
Kunstsammlung
Klemperer sammelte, wie auch sein Vater und ältester Bruder Viktor von Klemperer Kunst,[6] er trug eine „Vielzahl von Gemälden, europäischem Kunstgewerbe und Ostasiatika“ zusammen.[7] Herbert von Klemperer war 1926 Gründungsmitglied und Förderer der Deutschen Gesellschaft für Ostasiatische Kunst in Berlin.[8]
Die 1. Berliner Ausstellung für chinesische Kunst im Jahr 1929 kam auch auf sein Betreiben und seine Mitarbeit zustande. Es wurden auch sehr viele Stücke aus seiner Sammlung gezeigt.[9]
Ehrungen
- Eisernes Kreuz am weißen Bande (eine Variante für Nichtkombattanten im Ersten Weltkrieg)[10]
Veröffentlichungen
Literatur
- Klemperer von, Herbert In: Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1 (A–K), Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, DNB 453960286, S. 943 .
- Klemperer von, Herbert. In: Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Lebensgänge deutscher Wirtschaftspersönlichkeiten. Ein Nachschlagebuch über 13000 Wirtschaftspersönlichkeiten unserer Zeit. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig 1929, DNB 948663294, S. 1157 (werk=digital.slub-dresden.de).
- Ekkehard Klausa: Herbert von Klemperer – ein vertriebener Berliner Wirtschaftskapitän. In: Der einsame Zeuge. Klemens von Klemperer (= Peter Steinbach, Johannes Tuchel [Hrsg.]: Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Reihe B: Quellen und Zeugnisse. Band 7). Lukas, Berlin 2016, ISBN 978-3-86732-242-3, S. 375–389.
Weblinks
- Arne Keunecke: Die Familie von Klemperer – Kunst, Raub und Rückgabe. In: kunst-raub-rueckgabe.de. 30. Oktober 2025, abgerufen am 17. März 2026.
- Porzellansammlung: Porzellansammlung Gustav von Klemperer. In: porzellansammlung.skd.museum. Abgerufen am 18. März 2026.
- Sammlung – Raub – Verlust – Restitution – Schenkung. Die Porzellansammlung Gustav von Klemperer. In: nbn-resolving.org. Abgerufen am 18. März 2026 (englisch).