Herman Dicker
1914-1997; Hermann Dicker
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Herman Dicker (geboren als Hermann Dicker 30. Januar 1914 in Jesinje, Österreich-Ungarn; gestorben 28. November 1997 in New York City) war ein US-amerikanischer Militärrabbiner und Bibliothekar, der 1936 aus Deutschland emigriert war.



Leben
Hermann Dicker war ein Sohn des Kaufmanns Osias Dicker und der Sara Spindel. Die Familie übersiedelte im Ersten Weltkrieg, in dem sein Vater österreich-ungarischer Soldat war, 1915 nach Stuttgart. Dort wurden seine drei Geschwister geboren. Nach Kriegsende erhielt die Familie die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft.[1] Dicker besuchte das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium[1], begann 1932 ein Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt am Main und wechselte 1933 an die Berliner Universität. In Berlin studierte er außerdem am Rabbinerseminar und machte 1936 ein Examen als Religionslehrer. Sein Promotionsverfahren mit einer wirtschaftsgeschichtlichen Dissertation bei Robert Holtzmann wurde 1936 vom Dekan der Fakultät aus rassistischen Gründen abgebrochen. Sein Berliner Doktorvater vermittelte Dicker zu Hans Nabholz in die Schweiz, wo er 1937 an der Universität Zürich promoviert wurde. Dicker ging mit einem Besuchervisum nach Palästina und studierte an der Hebräischen Universität und am Lehrerseminar in Jerusalem.
Dicker zog im November 1938 von Palästina aus in die USA. Seine Geschwister konnten ebenfalls aus Deutschland fliehen, seine Eltern wurden 1942 Opfer des Holocaust.
Dicker wurde 1941 Soldat einer kämpfenden Einheit der US-Army und erhielt die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. 1943 wurde er zum Rabbiner ordiniert und hatte seither die Stellung eines Militärrabbiners. Dicker wurde auf dem europäischen Kriegsschauplatz eingesetzt und heiratete 1945 in London die britische Lehrerin Eileen Last (1926–2001), sie hatten zwei Kinder. Er war zwischen 1956 und 1958 in Japan stationiert und 1961/62 in Südkorea. Er wurde 1960 zum Oberstleutnant befördert und ging 1967 in den Ruhestand. Er erhielt 1944 die Bronze Star Medal, 1947 das Commendation Ribbon und den Battle Star.
Dicker machte am Pratt Institute eine Bibliothekarsausbildung zum M.L.S. und wurde 1968 leitender Bibliothekar im Jewish Theological Seminary in New York City.
Schriften (Auswahl)
- Die Geschichte der Juden in Ulm: ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters. Rottweil: Rothschild, 1937 Zugl.: Zürich, Univ., Philos. Fak., Diss., 1937
- Gebet vor dem Angriff. Chaplain Hermann Dicker leitet einen Gottesdienst für jüdische Soldaten "irgendwo an der Front in Frankreich". Cpl. Edward S. Shaperow aus Hartford, Conn., ist der Organist. 1944
- Wanderers and Settlers in the Far East. A Century of Jewish Life in China and Japan. In: Jacob Freid (Hrsg.): Jews in the Modern World. New York: Twayne Publishers, 1962
- A Jewish Family Trail. The Dickers and their Mates. Dicker Family History in Europe and America. 1977
- Piety and perseverance: Jews from the Carpathian Mountains. Vorwort Elie Wiesel. New York: Sepher-Hermon Press, 1981
- Aus Württembergs jüdischer Vergangenheit und Gegenwart. Vorwort Paul Sauer. Gerlingen: Bleicher, 1984
Literatur
- Hermann Dicker, in: Catherine Epstein: A past renewed: a catalog of German-speaking refugee historians in the United States after 1933. Cambridge: Cambridge University Press, 1993, ISBN 9781139052566, S. 369.
- Dicker, Hermann, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur, 1980, ISBN 3-598-10087-6, S. 130.
Weblinks
- Dicker, Herman. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
- Franz Hergenröder: Selma und Osias Dicker, Heusteigstr. 17. In: Stolpersteine-Stuttgart.de. 2005.