Hermann Rösemeier

deutscher Publizist und Kriegsgegner in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Johann Friedrich Hermann Rösemeier (* 21. März 1870 in Bückeburg, Fürstentum Schaumburg-Lippe; † nach 1936) war ein deutscher Publizist und Kriegsgegner, der seit 1916 in der Schweiz lebte.

Leben und Wirken

Jugend und publizistische Tätigkeiten in Berlin

Sein Vater Friedrich Rösemeier war Fürstlicher Hofkammer-Sekretär in Bückeburg.[1] Hermann Rösemeier besuchte das dortige Gymnasium, wo er 1889 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er Geschichte in Marburg, Göttingen, Leipzig, Freiburg im Breisgau und Kiel, wo er 1894 promovierte. 1898 unterschrieb er eine Petition zur Abschaffung des § 175 (Homosexualität).[2] 1900 verfasste er eine Abhandlung über die Geschichte der Arbeiter in Deutschland im 19. Jahrhundert.

Hermann Rösemeier war 1914 Parlamentsredakteur der Berliner Morgenpost des Ullstein-Verlages. Am 14. August beendete er diese Tätigkeit, da er den deutschen Angriffskrieg besonders gegen Frankreich nicht weiter unterstützen könne.[3][4]

Tätigkeiten in der Schweiz

Spätestens seit Anfang 1916 lebte Hermann Rösemeier mit seiner Familie in der Schweiz. Im Frühjahr 1916 veröffentlichte er zwei Broschüren, die die deutsche Kriegsführung scharf anprangerten. Darin berichtete er unter anderem, dass die Regierung im Juli 1914 eine friedliche Einigung zwischen Serbien und Österreich nach dem Attentat von Sarajevo verhinderte und bereits im Vorjahr Pläne zum Durchmarsch durch Belgien nach Frankreich im Kriegsfall hatte. Diese Texte wurden danach von der französischen Regierung mit Ballons und Flugzeugen in großen Mengen hinter der Front abgeworfen.[5] Hermann Rösemeier verfasste auch zahlreiche Artikel für Die Freie Zeitung, (in der unter anderem der deutsche Philosoph Ernst Bloch und der Dichter Hugo Ball mitwirkten.)

Gegen Hermann Rösemeier wurden mehrere Ermittlungen durch deutsche und schweizerische Behörden eingeleitet, die jedoch keine Konsequenzen für ihn hatten.[6] Im Sommer 1918 sollte er aus der Schweiz ausgewiesen werden, da er keine gültigen Aufenthaltspapiere (mehr?) hatte, was aber von der französischen Regierung mit einem Elsässer-Pass verhindert wurde.[7] Am 8. November 1918 beschloss der Bundesrat seine Ausweisung wegen Verletzung der Neutralität, die nach der Intervention der US-amerikanischen Regierungsvertreterin Vira B. Whitehouse am 22. November wieder zurückgenommen wurde.

Danach lebte Hermann Rösemeier zurückgezogen weiter in der Schweiz. Anfang 1922 wohnte er in Gentilino im Kanton Tessin, wo er Artikel für deutsche Zeitungen schrieb, die regionale Polizei sah keine Gründe, ihn zu überwachen.[8] Über sein weiteres Leben sind fast keine Zeugnisse bekannt. 1936 und 1937 schrieb er mehrere Artikel für die Pariser Tageszeitung deutscher Exilanten.

Publikationen

Bücher und Broschüren
  • Niccoló Machiavellis erste Legation zum Kaiser Maximilian und seine drei Schriften über Deutschland, Kiel 1894, Dissertation
  • Die Arbeiter im neunzehnten Jahrhundert, Cronbach, Berlin 1900
  • Deutsches Volk, wach' auf! Offener Brief an die Bürger und Arbeiter Deutschlands, 1916, 47 Seiten
    • A German to Germans. An Open Letter, London, New York 1917
    • Et Alvorsold til det tyske Folk, Autoriseret Oversættelse fra Engelsk, Kœbenhavn 1917
    • En tysk till tyskarne, öppet brev, Bemyndigad översättning fran den engelska upplagan, Stockholm 1917
  • Die Vorgeschichte des Krieges, Lausanne 1916 (Auszüge)
  • Der beste Weg zur Sicherung und Ausdehnung unseres Welthandels, Berlin 1917
  • Die Wurzeln der neudeutschen Mentalität, Bern 1918

(möglicherweise auch als Siegfried Balder mehrere Broschüren, die als gefälschte Reclam-Heftchen von französischen Flugzeugen über der deutschen Front abgeworfen wurden)[9] (oder war dieses Wilhelm Eckstein?)[10]

  • Sturmläuten, 1917
  • Zwei Fragen, [1918], angeblich RUB Nr. 197
  • Kaiser und Krieg, [um 1918]
Artikel

Hermann Rösemeier verfasste zahlreiche Artikel in der Berliner Morgenpost (bis 1914) und in Die Freie Zeitung (40), außerdem einige in den Straßburger Neuesten Nachrichten, La République, der Pariser Tageszeitung (1936/1937) und weiteren deutsch- und französischsprachigen Zeitungen.[11]

  • Kaiser Karl der Fünfte, in Der Türmer, März 1900, S. 561ff.
  • Mirabeau als französischer Geheimagent in Berlin, in Der Türmer, 1901, S. 150ff.
  • Die Gegensätze im Lager des deutscheen Imperialismus, in Berner Tagwacht, vom 20. März 1916 (nach dem Rücktritt von Tirpitz)
  • Vorwort in Karl Max von Lichnowsky, Die Schuld der deutschen Regierung am Krieg, Lausanne 1916
  • Was Frankreich im Falle eines deutschen Sieges erwartet. Offener Brief eines exilierten Deutschen an das französische Volk, in La Feuille, vom 29. August 1918
    • Ce qui attendrait la France (...) si elle se laissait rouler par l'Allemagne. Le cri du cœur d'un Allemand, Separatdruck, Paris, mit Faksimile des deutschsprachigen Briefes vom 22. Juni 1918
  • Als die grosse Zeit begann, in Pariser Tageszeitung, vom 3. August 1936, S. 4[12]
  • Der neue spanische Aussenminister, in Pariser Tageszeitung vom 15. September 1936, S. 2
  • Dschingis Khan als Kulturträger, in Pariser Tageszeitung vom 3. Januar 1937, S. 3
  • Ein Kolportage-Roman von Dietrich Eckart, in Pariser Tageszeitung vom 6. Juni 1937, S. 3, letzter bekannter Zeitungsartikel von Hermann Rösemeier

Literatur

  • Martin Korol: Dada, Präexil und Die Freie Zeitung. Bremen 2001, S. 284–289, 637 (Index) und öfter (PDF)

Einzelnachweise

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