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Hersh Goldberg-Polin

Teilnehmer des Nova-Musikfestivals From Wikipedia, the free encyclopedia

Hersh Goldberg-Polin (hebräisch הרש גולדברג-פולין; geboren am 3. Oktober 2000 in Berkeley, Kalifornien; ermordet im August 2024 in Rafah) war ein amerikanisch-israelischer Mann. Er gehörte zu den mehr als 250 Menschen, die Terroristen der Hamas am 7. Oktober 2023 und folgenden Tagen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppten. Er hatte das Nova-Musikfestival im Kibbuz Reʿim besucht. Ende August 2024 wurde er nach 330 Tagen in Geiselhaft im Gazastreifen ermordet und dort von israelischen Soldaten aufgefunden.

Das Begräbnis von Hersh Goldberg-Polin, der durch die Hamas in Geiselhaft ermordet wurde. 2. September 2024

Leben

Hersh Goldberg-Polin war der Sohn von Jon Polin und Rachel Goldberg, beide ursprünglich aus dem Raum Chicago. Er wurde in Berkeley, Kalifornien, geboren und lebte anschließend in Richmond, Virginia,[1] bevor er 2008 im Alter von 7 Jahren mit seiner Familie nach Israel auswanderte. Goldberg-Polin hat zwei jüngere Schwestern. Er besaß die israelische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.[2][3]

Berichten zufolge arbeitete Goldberg-Polin an einer Initiative, die Fußball nutzte, um israelische und palästinensische Kinder zusammenzubringen.[4] Goldberg-Polin diente in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften und beendete seinen Pflichtdienst im April 2023.[5] Nach der Absolvierung seines Militärdienstes hatte er eine zweijährige Weltreise geplant, die in der letzten Dezemberwoche 2023 beginnen sollte, zweieinhalb Monate nach seiner Entführung.[6]

Verletzung und Entführung am 7. Oktober 2023

Goldberg-Polin war 2023 auf dem Nova-Musikfestival bei Reʿim. Beim Angriff der Hamas auf das Nova-Musikfestival suchte Goldberg-Polin gemeinsam mit anderen Schutz in einer Art Bunker. Als die Hamas-Terroristen Granaten in den Bunker warfen, gelang es Goldberg-Polins Freund Aner Shapira, sieben Granaten hinauszuwerfen, bevor er von der achten Granate getötet wurde. Auch Goldberg-Polin versuchte, eine der Granaten wegzuschleudern. Doch sie explodierte, wodurch er seine Hand und einen Teil des Unterarms verlor.[7]

Geiselhaft

Im April 2024 tauchte in Sozialen Medien ein Video auf, das den damals 24-Jährigen mit amputiertem linken Arm zeigte. In dem Video wandte er sich an den israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu und klagte unter Zwang unter anderem, dass die Geiseln „im Stich gelassen“ worden seien.[8]

Verschiedene ehemalige Geiseln, die Hersh Goldberg-Polin während ihrer gemeinsamen Gefangenschaft in den Tunneln der Hamas begegneten, berichteten, dass er ihnen in Mut spendete. Insbesondere bezog er sich auf eine abgewandelte Form eines Zitats des Philosophen Friedrich Nietzsche, das durch den österreichischen Holocaust-Überlebenden Viktor Frankl verbreitet wurde: „Wer ein Warum hat, erträgt fast jedes Wie.“ Nach Berichten von Eli Sharabi wurde dieses Zitat innerhalb der unmenschlichen, unterirdischen Haftbedingungen als Quelle von Hoffnung und psychischer Resilienz rezipiert und im Alltag der Gefangenschaft als mentale Stütze im Überlebenskampf genutzt. Or Levy, der zeitweise gemeinsam mit Sharabi in Gefangenschaft war und später freigelassen wurde, ließ sich das Zitat nach seiner Rückkehr nach Israel auf den Arm tätowieren.[9]

Ermordung

Im Zuge einer israelischen Militäroperation im Gazastreifen wurden Ende August 2024 die Leichen von sechs Geiseln in einem unterirdischen Tunnel unter der Stadt Rafah geborgen. Neben Hersh Goldberg-Polin wurden dabei auch Alexander Lobanov, Eden Jeruschalmi, Ori Danino und Almog Sarusi gefunden, die wie Goldberg-Polin am 7. Oktober auf dem Nova-Festival von der Hamas entführt worden waren. Das sechste Opfer, Carmel Gat, war zuvor aus dem Kibbuz Be’eri entführt worden. Die sechs wurden von Angehörigen als „Beautiful Six“ bezeichnet. Nach Angaben der israelischen Behörden wurden sie am 29. August 2024, dem 328. Tag ihrer Geiselhaft, in dem etwa 20 Meter unter der Erde gelegenen Tunnel getötet. Forensische Untersuchungen ergaben, dass die Opfer aus nächster Nähe erschossen worden waren.[3][10][11]

Solidarität

Rachel Goldberg-Polin mit Klebestreifen

Rachel Goldberg-Polin und ihr Ehemann Jon setzten sich nach der Entführung ihres Sohnes intensiv für dessen Freilassung ein. Sie führten internationale politische Gespräche, darunter mit dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden und Papst Franziskus, und traten öffentlich vor den Vereinten Nationen sowie bei Demonstrationen auf. Rachel Goldberg-Polin entwickelte währnd der Dauer der Geiselhaft ihres Sohnes ein tägliches Ritual, indem sie die Anzahl der Tage auf ein Stück Klebeband schrieb und dieses an ihrer Kleidung trug.[11]

Auf dem Wahlkampf-Parteitag der Demokratischen Partei der USA in Chicago Ende August 2024 sprachen seine Eltern zu den Delegierten. Seine Mutter verwies darauf, dass unter den Geiseln acht amerikanische Staatsbürger seien, wovon einer ihr Sohn sei. Sein Vater Jon Polin rief eindringlich zu einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas auf und ging auch auf die katastrophale Lage im Gazastreifen ein. In dem durch die Palästinenser bewohnten Gebiet herrsche durch die von Israel gestartete Militäroffensive „Verzweiflung“, sagte er: „Im Wettstreit der Schmerzen gebe es keine Gewinner“.[2]

Am 28. August 2024 versammelten sich viele Menschen, und auch seine Familie, im Kibbuz Nirim an der Grenze zum Gazastreifen, wo sie per Lautsprecherdurchsagen auf sich aufmerksam machten. Seine Mutter sagte dabei, er solle stark bleiben und sie bete zu Gott, dass er zurückkommt.[12]

Goldberg-Polin war in der Fanbewegung von Hapoel Jerusalem aktiv und Mitglied der Ultra-Gruppierung Brigade Malcha.[13] Er war Fan des deutschen Fußballvereins Werder Bremen; seine Gruppe pflegt eine Fanfreundschaft zu Infamous Youth, einer der Ultra-Gruppen von Werder Bremen. Die Fans der Bremer hatten während seiner Geiselhaft immer wieder an Goldberg-Polin und die anderen von der Hamas entführten Geiseln erinnert und sich für ihre Freilassung eingesetzt. Die Ultra-Gruppierungen Caillera und Infamous Youth zeigten bei Spielen Banner unter anderem mit „Stay strong Hersh“ („Bleib stark Hersh“) im Fanblock.[12] Die Fans solidarisierten sich mit allen Geiseln. Auch machten sie auf das Schicksal der für tot erklärten Inbar Haiman aufmerksam, die enges Mitglied der Fanszene von Maccabi Haifa und freundschaftlich mit der Gruppe Ultra Boys Bremen verbunden war.[13][14][8]

Goldberg-Polin wurde am 2. September 2024 auf einem Friedhof in Jerusalem beigesetzt. Tausende von Menschen nahmen an der Beerdigung teil, darunter auch der israelische Präsident Isaac Herzog.[15]

Buch

Rachel Goldberg-Polin veröffentlichte die Memoiren When We See You Again., die in der Kategorie Sachbuch die Spitze der New York Times-Bestsellerliste für gebundene Ausgaben erreichten. Das Werk schildert unter anderem die Entführung ihres Sohnes Hersh Goldberg-Polin beim Nova-Festival am 7. Oktober sowie seine spätere Ermordung in einem unterirdischen Tunnel der Hamas, gemeinsam mit fünf weiteren Geiseln. Es dokumentiert die 328 Tage, in denen sie und ihr Ehemann Jon sich öffentlich und politisch für seine Freilassung einsetzten. Nach Schätzungen aus der israelischen Verlagsbranche wurden in der ersten Woche nach Erscheinen in den Vereinigten Staaten mindestens 50.000 Exemplare verkauft. Die Veröffentlichung erfolgte im Verlag Penguin Random House.[16][17][18]

Literatur

Siehe auch

Commons: Hersh Goldberg-Polin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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