Hessische Landeszentrale für politische Bildung
Behörde in Hessen
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Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) wurde am 4. Mai 1954 durch einen Kabinettsbeschluss der hessischen Landesregierung unter Georg-August Zinn unter dem Namen Hessische Landeszentrale für Heimatdienst gegründet.[5]
| Hessische Landeszentrale für politische Bildung | |
|---|---|
| Staatliche Ebene | Land Hessen |
| Stellung | Nichtrechtsfähige Anstalt des Landes Hessen[1] |
| Aufsichtsbehörde | Ministerpräsident (Staatskanzlei)[2] |
| Gründung | 4. Mai 1954 |
| Hauptsitz | Wiesbaden |
| Behördenleitung | Franziska Kiermeier |
| Bedienstete | 35[3] |
| Haushaltsvolumen | 6,2 Millionen Euro[4] |
| Netzauftritt | www.hlz.hessen.de |
Der Sitz ist in Wiesbaden. Nachdem sie ab 2005 ihren Sitz im Gebäude der Hessischen Staatskanzlei hatte, ist die HLZ 2022 ins "Welfenhof-Zentrum" in der Mainzer Straße umgezogen.[6] Als Einrichtung des Landes Hessen untersteht sie der Aufsicht durch die Staatskanzlei.[7]
Die Arbeit der HLZ wird durch ein neunköpfiges Kuratorium, bestehend aus Landtagsabgeordneten aller in den hessischen Landtag gewählten Parteien, kontrolliert.[2][8] Das erste Kuratorium konstituierte sich am 6. Oktober 1955 und beendete damit die Gründungsphase der neu geschaffenen Behörde.
Geschichte
- Hessische Landeszentrale für Heimatdienst
Bereits in der Gründungszeit entwickelte sich bei der hessischen Landeszentrale für Heimatdienst eine inhaltlich-thematische Vielfalt, die in ihren zahlreichen Facetten zukunftsweisend werden sollte. Es bildeten sich die beiden Säulen in der Arbeit heraus:
- Publizistik (Eigenproduktionen, Verlagsankäufe, Förderung von printmedialen Vorhaben) und
- Seminaristik (Seminare (Tages- bis Wochenseminare), Diskussionsveranstaltungen, Kongresse, Studienreisen …).
Die 1950er Jahre waren geprägt durch die Beschäftigung mit der Teilung Deutschlands und der beginnenden Europäisierung der deutschen Politik. Praktisch mit Beginn der Arbeitsaufnahme der Landeszentrale in der Mitte der 1950er Jahre begann sie mit der Vorführung von zeitgeschichtlich-politischer Filme. Sahen sich 1957 rund 10.000 Menschen die Vorführungen an, wuchs diese Zahl bis 1963 auf fast 600.000 Menschen an. Ein weiteres Hauptbetätigungsfeld jener Zeit war die Unterstützung von Fahrten von Schülerinnen und Schülern nach Berlin: 1957 wurden 113 solcher Fahrten durchgeführt. Die Haushaltsmittel in den 1960er Jahren wurden zu beinahe 20 % für Berlinfahrten ausgegeben.[5]
- Hessische Landeszentrale für politische Bildung
Die hessische Landeszentrale für Heimatdienst wurde 1963 in Hessische Landeszentrale für politische Bildung umbenannt. Seitdem wird das Kürzel HLZ genutzt.
Die 1970er Jahre wurden durch die Auschwitz-Prozesse und das damit einhergehende Interesse an Israel geprägt. Außerdem stieg das Interesse an Informationen zu Osteuropa, das durch die beginnende neue Ostpolitik der Regierung Willy Brandts ins Bewusstsein der Bevölkerung rückte.
Die vertiefte Zusammenarbeit in Europa, die Veränderungen im Bereich der Medien und die verstärkte Beschäftigung mit Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus prägten die Arbeit der HLZ in den 1980er Jahren.
Für eine kurze Zeit, nach dem Fall der Mauer im Jahr 1989, baute die Hessische Landeszentrale für politische Bildung von März 1990 bis August 1991 eine Außenstelle im thüringischen Erfurt auf, die nach dem Abschluss des Aufbaues 1991 in die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen aufging.[9]
Die politische Partizipation der Bürger weiter zu fördern, wurde ab den 1990er Jahren verstärkt als Ziel der HLZ definiert. Dies führte u. a. zu einer verstärkten Zusammenarbeit der Landeszentralen und der Bundeszentrale für politische Bildung. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist das 1997 verabschiedete Münchner Manifest.
Über die Jahrzehnte erwies sich als grundlegende Anforderung an die HLZ die Vermittlung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Sie soll den Bürgerinnen und Bürgern die Verfassung als Rahmen und Fundament des politischen Lebens nahebringen. Hierzu gehört auch die Vermittlung über des Aufbaus und der Funktion der demokratischen Institutionen und ihrer Entscheidungsprozesse.
Weiterhin klärt die HLZ über Diktatur, Totalitarismus und politischen Extremismus von rechts und von links auf.
Die inhaltlichen Schwerpunkte wurden immer wieder an gesellschaftliche Entwicklungen angepasst, um auch aktuelle Themen fundiert bearbeiten zu können (siehe "Organisation"). Der Fokus liegt dabei aber seit jeher auf dem Bundesland Hessen, wie auch das Selbstverständnis der HLZ als "[...] die hessische Werbeagentur für die Demokratie, die Feuerwehr für das respektvolle und friedliche Miteinander in Hessen, die Förderer für politisches Engagement, die Vermittler von Antworten auf die Herausforderungen unserer Gesellschaft [...]"[10] zeigt.
Direktoren
- Herbert Osieka (1954–1957)
- Wolfgang Schwabe (1957–1961)
- Günther Wollny (1962–1970)
- Artur Egon Bratu (1970–1977)[11]
- Wolfgang Arnold (1977–1986)
- Werner Wolf (1986–1991)
- Konrad Schacht (1991–1996)
- Klaus Böhme (1996–2003)
- Bernd Heidenreich (2003–2017)[12]
- Alexander Jehn (2017–2024)[13]
- Andreas Schwab (2024–2025, kommissarisch)
- Franziska Kiermeier (seit 1. Februar 2025)
Organisation
Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung hat zum 1. Januar 2020 eine neue Struktur angenommen. Die inzwischen sieben Fachreferate sind zwei Fachbereichen zugeordnet: Politisch-Historische Zusammenhänge (Fachbereich I) und Gesellschaft im Wandel (Fachbereich II). Den Fachbereichen übergeordnet ist das Referat Direktorin, das u. a. zu den Themen Orte der Demokratiegeschichte, Ländlicher Raum, Landeskunde und Schulen arbeitet.
Fachbereich I: Politisch-Historische Zusammenhänge
- Referat I/1: NS-Gedenkstätten / Rechtsextremismus / Antisemitismus
- Referat I/2: Grenzmuseen / Linksextremismus / Islamismus / Sonderprojekt: SED-Aufarbeitung
- Referat I/3: Europa / Internationales / Ökonomische Bildung[14]
Fachbereich II: Gesellschaft im Wandel
- Referat II/1: Publikationen / Öffentlichkeitsbereich / Nachhaltigkeit
- Referat II/2: Politische Medienbildung / Wahlen / Jugend / Gesellschaftliches Engagement
- Referat II/3: Parlamente vor Ort / Bundeswehr / Freiwilligendienste
- Referat II/4: Gender / Diversity / Migration / Integration[14]
Grundlage der Arbeit
Auftrags- und Rechtsgrundlage ist die Satzung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung vom 30. Juli 1973 (StAnz. S. 1505 f.), geändert durch Erlass vom 17. November 1975 (StAnz. S. 2154).[15]
Kuratorium
Nach Nr. V der Satzung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung vom 30. Juli 1973 (Staatsanzeiger S. 1505) i. d. F. der Änderung vom 17. November 1975 (Staatsanzeiger S. 2154) wird für jede Legislaturperiode ein Kuratorium gebildet, dem neun Abgeordnete angehören. Die Mitglieder des Kuratoriums und ihre Stellvertreter werden vom Landtag nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt.
Mitglieder des Kuratoriums der 21. Wahlperiode
(Quelle: [16])
Vorsitzende: Daniela Sommer (SPD); stellvertretender Vorsitzender: Sascha Meier (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
- Mitglieder
- Lisa Gnadl (SPD)
- Frank Grobe (AfD)
- Moritz Promny (FDP)
- Heiko Scholz (AfD)
- Tobias Utter (CDU)
- Christian Wendel (CDU)
- Christin Ziegler (CDU)
- Stellvertretende Mitglieder
- Stephan Grüger (SPD)
- Nina Heidt-Sommer (SPD)
- Stefanie Klee (CDU)
- Andreas Lobenstein (AfD)
- Lothar Mulch (AfD)
- Yanki Pürsün (FDP)
- Katrin Schleenbecker (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
- Stefan Schneider (CDU)
Publikationen
- Blickpunkt Hessen, 29 Publikationen ISSN 1612-0825
- forum hlz, 6 Publikationen
- Hessische GeschichteN, 8 Publikationen
- Polis, 59 Publikationen
- Schriftenreihe Nachhaltigkeit, 10 Publikationen
Literatur
- Lukas C. Gundling: Rechtliche Ausgestaltung der Landeszentralen für politische Bildung im Vergleich: Eine synoptische Übersicht. In: Zeitschrift für Landesverfassungsrecht und Landesverwaltungsrecht (ZLVR), 4/2020, S. 125 f. (online).
Weblinks
- Website der HLZ
- Themenseite der HLZ zu Wahlen und politischer Partizipation
- Literatur über Hessische Landeszentrale für politische Bildung nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie
- Literatur von und über Hessische Landeszentrale für Heimatdienst im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur von und über Hessische Landeszentrale für politische Bildung im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek