Hetepsechemui
Begründer der 2. ägyptischen Dynastie
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Hetepsechemui (auch Hor-hetep-sechemui) ist der Horusname des ersten altägyptischen Königs (Pharaos) der 2. Dynastie (Frühdynastische Zeit), welcher um 2855 v. Chr. regierte und gehört zu den gut erforschten Herrschern dieser Zeit.
| Namen von Hetepsechemui | |||||||||||||||||||||||||||
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Dioritvase mit dem Thronnamen des Hetepsechemui | |||||||||||||||||||||||||||
| Horusname |
Ḥtp-sḫm.wj Versöhnung der beiden Mächte | ||||||||||||||||||||||||||
| Thronname |
Nsw.t-bitj-nbtj Ḥtp König von Ober- und Unterägypten, der von den beiden Herrinen, Hotep | ||||||||||||||||||||||||||
| Eigenname |
B(w)ḏ3w Der Metallgießer[1][2] | ||||||||||||||||||||||||||
| Königspapyrus Turin (Nr.II./20) |
... nau-hetepiu ...-b3w-ḥtpjw ... Bas sind versöhnt | ||||||||||||||||||||||||||
| Königsliste von Abydos (Sethos I.) (Nr.9) |
B(w)ḏ3w Der Metallgießer[1] | ||||||||||||||||||||||||||
| Königsliste von Sakkara (Nr.3) |
B3w-nṯr Göttlich an Bas | ||||||||||||||||||||||||||
| Griechisch Manetho-Varianten: | Africanus: Boëthôs[A 1] Eusebius: Bochos[A 2] Eusebius, AV: Bochus[A 2] | ||||||||||||||||||||||||||
Namen und Identität
König Hetepsechemui gilt als Begründer der 2. Dynastie. In seiner Regierungszeit setzte sich die Tradition durch, für die zu dieser Zeit üblichen Königstitel, wie Eigenname, Horusname und Nebtiname, dieselbe Namensversion zu verwenden. Die tatsächlichen Geburtsnamen wurden möglicherweise nur noch inoffiziell gebraucht. Hintergrund dieser neuen Tradition mag gewesen sein, dass mit Beginn der 2. Dynastie den Namen eines Herrschers philosophische Bedeutung beigemessen wurde. Das Ersetzen des wahren Geburtsnamens durch immer gleich geschriebene Versionen deutet darauf hin, dass der Königsname erst nach der Thronbesteigung angenommen wurde.[4]
- Kartusche Nr. 9 in der Königsliste von Abydos mit dem Namen „Bedjau“.
Belege
Hetepsechemuis Horusname erscheint auf diversen Artefakten in Abydos,[6] Sakkara,[7] Badari[8] und Gizeh auf Steingefäßen, Tonsiegeln und Zylindern aus Akazienholz, Knochen und Elfenbein. Auf den Steingefäßen aus seiner Grabanlage in Sakkara erscheint Hetepsechemuis Name oft neben dem seines Nachfolgers Nebre.[9]
Hetepsechemuis Geburtsname ist unbekannt. In der Königsliste von Abydos soll Hetepsechemui unter dem in einer Kartusche geschriebenen Namen Bedjau erscheinen.[10] Auf einer Schreiberpalette aus der „Mastaba G1011“ in Gizeh erscheint ein ähnlicher Name, Bedja-tau.[2] Nach Wolfgang Helck bedeutet er „Der Metallgießer“.[1]
Regierungszeit
Die tatsächliche Regierungsdauer von Hetepsechemui ist unbekannt. Der Turiner Königspapyrus aus der 19. Dynastie bescheinigt dem Regenten 95 Jahre, was aber als Verlesung oder unbeabsichtigte Übertreibung angesehen wird. Da für Hetepsechemui kein Sed-Fest belegt ist, dürfte er nicht länger als etwa 30 Jahre regiert haben, da dieses Jubiläumsfest erstmalig im 30. Regierungsjahr gefeiert wurde.[11] Die Ägyptologin Sabine Kubisch schätzt, dass er ca. 2850 v. Chr. den Thron bestieg und wohl 2825 v. Chr. nach etwa 25 Jahren Herrschaft verstarb oder abgelöst wurde.[12]
Mit Regierungsantritt endet unter Hetepsechemui überraschend der Gebrauch von Elfenbein-Täfelchen, wie man sie bisher von Gräbern der 1. Dynastie kennt. Der Grund hierfür ist unbekannt. Die letzten Schriftzeugnisse in dieser Gestalt wurden im Eingangsbereich des Grabes von König Qaa gefunden.[13] Unter Hetepsechemui wird außerdem der Königsfriedhof zu Abydos überraschend geschlossen und Sakkara als neue Königsnekropole ausgewählt.[14]
Zeitgenössische Funde deuten möglicherweise darauf hin, dass es für Hetepsechemui schwierig war, den Thron nach Qaa sofort zu übernehmen. Funde aus Abydos, Sakkara und Gizeh belegen, dass ein gewisser Sneferka und ein sehr spärlich belegter König „Vogel“ für mehrere Jahre zwischenregierten. Beide Herrscher erscheinen augenscheinlich nicht in späteren Königslisten. Ein Erklärungsversuch lautet, dass beide Vorgänger um den Thron stritten und Hetepsechemui die Gelegenheit ergriff und den Machtkampf kurzerhand für sich entschied (entweder militärisch oder durch einen Putsch). Oder beide Vorgänger regierten so kurz, dass ihre Namen in späteren Chroniken gewissermaßen untergingen. Wolfgang Helck weist ergänzend auf die Eigentümlichkeit hin, dass bis König Qaa regelmäßig Gefäße und Tonsiegel mit kurzen Herrscherlisten in diversen Mastabas und Königsgräbern gefunden wurden, ein weiteres Mal im Galeriegrab des Ninetjer aus der 2. Dynastie, wo die Horusnamen von Hetepsechemui, Raneb und Ninetjer gemeinsam aufgereiht sind. Eine solche „Königsliste“ fehlt für die Übergangszeit von 1. zu 2. Dynastie.[15] Unterstützt werden diese Vermutungen durch den ausgefallenen Horusnamen des Hetepsechemui: Diesen hatte der Herrscher betont beiden Landeshälften (Ober- und Unterägypten) von Ägypten gewidmet. George Andrew Reisner und Dietrich Wildung vermuten, dass er keinen Grund dazu gehabt hätte, wenn der Übergang von der ersten zu der zweiten Dynastie reibungslos verlaufen wäre.[16]
Inschriften auf Tonsiegeln zufolge gründete Hetepsechemui eine neue Residenz nahe Thinis und nannte sie Hor-chaj-seba („Horus, der strahlende Stern“). Er ließ wohl auch einen Tempel für die Gottheit Netjer-Achti nahe Buto errichten.[17] Auf Steingefäßen aus Sakkara und Gizeh erscheint unter Hetepsechemui zum ersten Mal der Name der Göttin Bastet, weshalb vermutet wird, dass sie unter Hetepsechemui eingeführt worden war. Zu dieser Zeit wurde Bastet als Löwengöttin und entweder stehend oder auf einem Thron sitzend dargestellt. Interessanterweise wird ihr Name schon zu dieser Zeit in leicht abweichenden Schreibungen überliefert und die Übersetzung und Deutung ihres Namens ist bis heute umstritten. Auch die Göttin Neith scheint besondere Verehrung genossen zu haben, sie erscheint unter Hetepsechemui zum ersten Mal in anthropomorpher Gestalt.[18][19]
Manetho (Africanus) berichtet, dass unter Hetepsechemui, den er Boëthôs nennt, „eine Kluft aufging bei Bubastis und viele starben“. Diese Beschreibung könnte auf ein schweres Erdbeben deuten, da die Region um Bubastis in einer seismologisch aktiven Zone liegt.[20]
Grab

Hetepsechemui wurde mit einiger Sicherheit in Nord-Sakkara bestattet. Flinders Petrie und Alessandro Barsanti halten das Galeriegrab B in Sakkara unter dem Unas-Aufweg für das des Hetepsechemui, da sich dort Siegelabrollungen sowohl Hetepsechemuis als auch des Nebre fanden. Wolfgang Helck ist unschlüssig und sieht dieses Grab als das von König Nebre an, da die Grabstätte von Hetepsechemui noch nicht zweifelsfrei lokalisiert sei und wahrscheinlich an anderer Stelle in diesem Gebiet liegt.[21]
Es ist unbekannt, warum genau Hetepsechemui/Nebre seine Grabanlage nach Saqqara verlegen ließ. Möglicherweise war es unter anderem eine Entscheidung aus Sicherheitsgründen: der eher weiche Untergrund von Abydos bot nicht genug Schutz vor räuberischen Grabungen, wie die Könige der 1. Dynastie wohl leidlich feststellen mussten (sämtliche Königsgräber waren bereits in der Frühzeit vandaliert und geplündert worden). Der felsige Untergrund von Saqqara (welcher aus besonders hartem Kalkstein und Granit besteht) versprach mehr Sicherheit, zumindest vor Grabungen von außen her. Galleriegrab B befindet sich in einer Tiefe von etwa 7,85 m. Der Eingang liegt am nördlichen Ende, die gesamte Anlage weist in südliche Richtung. Eine 35 m lange Treppe führt in die etwa 122 m lange und 48 m breite unterirdische Labyrinth-Anlage aus Korridoren, Kammern und Magazinen, die eine Gesamtfläche von etwa 5,85 Quadratkilometern einnimmt. Die Treppe weist vier Absätze auf, die für vier massive Verschlusssteine eingerichtet worden waren. Ein fünfter Verschlussstein dürfte die unterirdische Eingangstür zur eigentlichen Grabanlage verschlossen haben. Die Korridore, Kammern und Magazine weisen unterschiedliche Deckenhöhen auf, sie schwanken zwischen 2,0 und 2,2 m. Insgesamt wurden 122 Räume archäologisch erfasst und erforscht. Interessanterweise weist Galleriegrab B zwei größere Kammern (Kammer H und Kammer J) auf, die gleichermaßen als Grabkammern in Frage kommen. Das bewusst labyrinthartig angelegte Korridor- und Magazinsystem kann als weitere Sicherheitsmaßnahme gewertet werden.[14]
Literatur
- Reg J. Clark: Tomb Security in Ancient Egypt from the Predynastic to the Pyramid Age. Archaeopress, Oxford (UK) 2016, ISBN 978-1-78491-300-7.
- Walter B. Emery: Ägypten. Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200–2800 v. Chr. Fourier, Wiesbaden 1980, ISBN 3-921695-39-2.
- Martin von Falck, Susanne Martinssen-von Falck: Die großen Pharaonen. Von der Frühzeit bis zum Mittleren Reich. Marix, Wiesbaden 2015, ISBN 3-7374-0976-5, S. 54–57.
- Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4.
- Jochem Kahl: Inscriptional Evidence for the Relative Chronology of Dyn. 0–2. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden / Boston 2006, ISBN 90-04-11385-1, S. 94–115 (Online).
- Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit. (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 8, 3). Harrassowitz, Wiesbaden 1963.
- W. M. Flinders Petrie: The royal tombs of the earliest dynasties: 1901. Part II (= Memoir of the Egypt Exploration Fund. Band 21). Egypt Exploration Fund u. a., London 1901 (Digitalisierung).
- Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.
- Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. Vom Ziegelbau zum Weltwunder. (= Kulturgeschichte der Antiken Welt. Band 30). 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. von Zabern, Mainz 1991, ISBN 3-8053-1142-7.
- Jürgen von Beckerath: Handbuch der Ägyptischen Königsnamen (= Münchner ägyptologische Studien. Band 20). Deutscher Kunstverlag, München u. a. 1984, ISBN 3-422-00832-2.
- Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. Die Zeitbestimmung der ägyptischen Geschichte von der Vorzeit bis 332 v. Chr. (= Münchner ägyptologische Studien. Band 46). von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2310-7.
- William Gillian Waddell: Manetho. (= The Loeb classical Library. Band 350). Harvard University Press u. a., Cambridge MA u. a. 1997, ISBN 0-674-99385-3.
- Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Teil 1: Posthume Quellen über die Könige der ersten vier Dynastien. (= Münchner ägyptologische Studien. Band 17, ZDB-ID 500317-9). Hessling, Berlin 1969.
- Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London u. a. 1999, ISBN 0-415-18633-1.