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Hiob (Joseph Roth)

Roman von Joseph Roth From Wikipedia, the free encyclopedia

Hiob ist der Titel eines 1930[Anm 1] erschienenen Romans von Joseph Roth. Er erzählt den Leidensweg des jüdisch-orthodoxen Toralehrers Mendel Singer im fiktiven Schtetl Zuchnow in Russland und in dem folgenden amerikanischen Exil in der Zeit von 1900 bis nach dem Ersten Weltkrieg. Mendel erleidet in der Geschichte schwere Schicksalsschläge, durch die seine Frömmigkeit erschüttert und sein Glaube an Gott auf eine harte Probe gestellt werden.

Joseph Roth (1926)

Inhalt

Erster Teil

Mendel Mechelovitsch Singer, dessen Ahne vor ein paar Jahrhunderten aus Spanien nach Wolhynien eingewandert sind, verdient im Dorf Zuchnow notdürftig seinen Lebensunterhalt, wie schon sein Vater und sein Großvater, als Toralehrer für jüdische Elementarschüler, die er im Lesen und Memorieren der Bibel unterrichtet. Sein Leben rinnt „stetig dahin, wie ein kleiner Bach zwischen kärglichen Ufern.“[1.1] Zusammen mit seiner Frau Deborah hat er bereits zwei Söhne (Jonas und Schemarjah) und eine Tochter (Mirjam), als ihr viertes Kind Menuchim geboren wird (Kap. 1). Bald zeigt sich bei diesem eine schwere Entwicklungsstörung und ein Arzt diagnostiziert Epilepsie. Sein Leiden wird zur schweren Prüfung für die gesamte Familie und ist der Beginn einer Reihe von Schicksalsschlägen. Mendel entscheidet sich gegen die Behandlung Menuchims, weil er kein Vertrauen in die Methoden der Krankenhäuser hat. Er fügt sich in sein Los, betet und vertraut auf Gott. Deborah, die schon immer dazu neigte, mit ihrem kümmerlichen Schicksal zu hadern („Sie schielte nach dem Besitz Wohlhabender und neidete Kaufleuten den Gewinn“[1.2]), ist dagegen der Auffassung, dass der Mensch versuchen muss, sich zu helfen, dann werde ihm Gott helfen. Sie erinnert sich an ein Erlebnis während ihrer Schwangerschaft, das sie als böses Vorzeichen ansieht. Sie konnte die kleine Mirjam nicht vor der Anziehungskraft einer golden glänzenden christlichen Kirche bewahren. Jetzt sucht sie verzweifelt Rat bei einem Wunderrabbi in der Kreisstadt Kluczýsk. Dieser weissagt Menuchim eine späte Genesung und für die Zukunft sogar besondere Fähigkeiten durch seine Behinderung: „Der Schmerz wird ihn weise machen, die Häßlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark.“ Sie solle ihren Sohn trotz der für sie schweren Belastung nicht verlassen und ihn nicht weggeben, denn er komme von ihr „wie ein gesundes Kind“.[1.3]

Menuchim lässt alles passiv über sich ergehen, reagiert interessiert nur auf Klänge (Kap. 4, 16) und kann mit zehn Jahren noch nicht sprechen und lediglich das Wort „Mama“ lallen. „Lange Zeit bedeutet[-] dieses eine Wort, das er nach so schrecklichem Schweigen zustande gebracht hat[-], Essen und Trinken, Schlafen und Liebe, Lust und Schmerz, Himmel und Erde“. Für Deborah erscheint er mit dem einen Wort „beredt wie ein Prediger und reich an Ausdruck wie ein Dichter“.[1.4] Menuchim braucht ständig Unterstützung, auch durch seine drei Geschwister und diese verachten und quälen ihn, weil sie sich seit seiner Geburt von ihrer Mutter, die sich nur noch um ihren kleinen Bruder kümmert, vernachlässigt fühlen. Sie werden wegen Menuchims Behinderung von den anderen Kindern im Schtetl gehänselt. Daher kommt es einmal sogar so weit, dass sie ihn in eine Regenwassertonne werfen, worin der ungeliebte Rivale zu ertrinken droht. Doch Menuchim überlebt die Attacke (Kap. 2). Obwohl sich sein Zustand nicht ändert und sein Vater ihm vergeblich das Wort Gottes beizubringen versucht, geben die Eltern ihre Hoffnung nie auf, aber ihre Beziehung zueinander kühlt immer mehr ab und neues Unheil kündigt sich an, als ihre Kinder ihre eigenen Wege gehen:

Mendel entdeckt zu seinem Entsetzen, dass seine schöne Tochter Mirjam, „kokett und gedankenlos wie eine Gazelle“,[1.5] ihre Anziehungskraft auf die Soldaten genießt, sich gegen ihren Vater auflehnt und Affären mit einigen „Kosaken“ hat: „Gleich hinter den äußeren Toren ihrer Sinne lauert[-] die Neugier in Mirjam, die Schwester der Jugend, die Künderin der Lust.“[1.6] Einige Jahre später, als Mirjam in New York nach mehreren Beziehungen mit Männern psychisch erkrankt, wird Mendel über sie sagen: „Sie hat ohne Männer nicht leben können. Sie ist verrückt.“[1.7]

Eine weitere Sorge der Eltern ist die mit ihrem Glauben unvereinbare Einberufung ihrer Söhne zu Armee (Kap. 3).[Anm 2] Für den jüngeren Sohn Schemarjah, „schlau und hurtig wie ein Fuchs“,[1.5] kann die Mutter mit kostspieliger Hilfe des Geschäftemachers Kapturak die Fahnenflucht aus Russland organisieren (Kap. 5). Er wird über die westliche Grenze geschleust und kann sich in Triest das Geld für die Überfahrt nach Amerika verdienen. Der ältere Jonas, „stark und langsam wie ein Bär“,[1.5] hat die Familie schon vorher verlassen, um dem strengen jüdischen Leben in der Familie und im Schtetl zu entfliehen: „Ich konnte es nicht bei euch aushalten, aber ich hab' euch alle ganz gern!“[1.8] Er wird Stallknecht beim Bauern Sameschkin, trinkt gern Alkohol und lässt sich zum mehrjährigen Militärdienst einberufen.

Einige Jahre später besucht Schemarjahs amerikanischer Freund und Geschäftspartner Mac die Singers in Zuchnow und überbringt Geld und Nachrichten von ihrem Sohn (Kap. 6): Er nennt sich inzwischen Sam, lebt mit seiner Frau Vega in New York und hat mit Mac eine Versicherungsgesellschaft gegründet. Mit seinen erarbeiteten Ersparnissen will er seine Familie ins „freie Land“ holen. Die Singers fällen die schwere Entscheidung, zu emigrieren, Mirjam aus ihren Beziehungen mit den Soldaten zu lösen und ihren behinderten Sohn Menuchim, entgegen dem Rat des Rabbis, in Russland zurückzulassen. Sie geben ihn bei einer Tochter der benachbarten jüdischen Familie Billes in Pflege und diese darf mit ihrem Mann das Haus der Singers kostenlos bewohnen.

Mendel reist nach Dubno, um von der Behörde die Ausreise genehmigen zu lassen, er wird jedoch von autoritären und desinteressierten Beamten von einem Büro zum nächsten geschickt, muss ein Gesuch schreiben lassen, Stempelgeld zahlen, auf neue Termine warten und sich auf eine lange Bearbeitungszeit einstellen (Kap. 7). Er reflektiert: Die Welt hat der Herr in sieben Tagen geschaffen, „wenn eine Jude nach Amerika fahren will, braucht es Jahre!“[1.9] Mendel wendet sich an den Agenten Kapturak und dieser organisiert für 40 Rubel die Reise, nachdem ihm Schemarjahn das Geld geschickt hat (Kap. 8).

Mendel, Deborah und Mirjam besteigen nach drei Tagen Eisenbahnfahrt in Bremerhaven den Ozeandampfer „Neptun“und erreichen nach vierzehn Tagen im Zwischendeck New York (Kap. 9). Von Bord aus erblicken sie die Freiheitsstatue, das Symbol eines besseren Lebens. Obwohl ihnen Mac bei der komplizierten Einreiseprozedur behilflich ist und sich Sam und seine Frau Vega sofort um sie kümmern, wird Mendel bei der Ankunft von der brodelnden Fülle der Eindrücke erschlagen: „Amerika drang auf ihn ein, Amerika zerbrach ihn, Amerika zerschmetterte ihn. Nach einigen Minuten wurde er ohnmächtig.“[1.10] Nicht nur die Sprache, auch alles andere ist ihm fremd; selbst sein eigener Sohn kommt ihm wie ein Ausländer vor. Er fragt sich: „Bin ich noch Mendel Singer? Wo ist mein Sohn Menuchim? Es war ihm, als wäre er aus sich selbst herausgestoßen worden, von sich selbst getrennt würde er fortan leben müssen. Es war ihm, als hätte er sich selbst in Zuchnow zurückgelassen, in der Nähe Menuchims. […] Schon war er einsam, Mendel Singer: schon war er in Amerika…“[1.11]

Zweiter Teil

Nach einigen Monaten haben sich die Singers, gut versorgt von ihrem Sohn, in die neue Umgebung eingefunden (Kap. 10) In ihrem Viertel leben mehr Juden als in ihrer Heimat und Mendel findet im Laden der Familie Skowronnek, wo sich alle älteren Leute des Viertels treffen, neue Bekannte. Sie sprechen über Politik und erzählen Anekdoten aus der Heimat. Mendel trägt immer noch seinen Kaftan, „wandert vom Morgengebet zum Abendgebet, vom Frühstück zum Nachtmahl, vom Erwachen zum Schlaf“.[1.12] Sam und Mac sind erfolgreiche Geschäftleute, sie spekulieren mit Grundstücken und betreiben ein Warenhaus, in dem Mirjam als Verkäuferin arbeitet. Deborah genießt das quirlige Leben, Kino und Theater, und ihre Tochter findet in Mac einen neuen Liebhaber. Die Beziehung Mendels zu seiner Frau jedoch erkaltet immer mehr, er nimmt sie nur noch als alternde Fremde wahr (Kap. 11). Außerdem sehnt er sich nach Menuchim. Er fühlt sich mit seinen 59 Jahren alt, während seine Kinder schwärmen, Amerika sei „das Land Gottes […] New York die Stadt der Wunder und Englisch die schönste Sprache“, die Amerikaner seien „gesund, die Amerikanerinnen schön, der Sport wichtig, die Zeit kostbar, die Armut ein Laster, der Reichtum ein Verdienst, die Tugend der halbe Erfolg, der Glaube an sich selbst ein ganzer, der Tanz hygienisch, Rollschuhlaufen eine Pflicht, Wohltätigkeit eine Kapitalanlage, Anarchismus ein Verbrechen, Streikende die Feinde der Menschheit, Aufwiegler Verbündete des Teufels, moderne Maschinen Segen des Himmels, Edison das größte Genie“. Bald würden die Menschen „fliegen wie Vögel, schwimmen wie Fische, die Zukunft sehn wie Propheten, im ewigen Frieden leben und in vollkommener Eintracht bis zu den Sternen Wolkenkratzer bauen“.[1.13] Mendel glaubt seinen Kindern gern ihren Optimismus, zumal gute Nachrichten aus der Heimat eingetroffen sind: Jonas ist zufrieden mit seinem Soldatenleben. Er reitet wie ein Kosake, ist gut versorgt und braucht selbst nicht zu denken. Menuchim macht Fortschritte im Sprechen und Laufen und die Singers planen, ihn zu sich zu holen.

Die Nachricht vom Kriegsausbruch in Europa verändert schlagartig die Situation. Die Singers erhalten vom Roten Kreuz die Mittelung, Jonas sei „verschollen“. Dann greifen die USA, die sich weltpolitisch lange neutral verhalten haben, 1917 in den Ersten Weltkrieg ein (Kap. 12). Sam und Mac melden sich als Patrioten freiwillig und werden an der europäischen Front eingesetzt. Anfang Februar überbringt Mac den Singers die Nachricht von Sams Tod. Deborah stirbt aus Schmerz daüber. Wenige Tage später erleidet Mirjam, die während Macs Abwesenheit eine Affäre mit dem Ersten Direktor des Kaufhauses, Herrn Glück, begonnen hat, eine schwere degenerative Psychose und wird in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert (Kap. 13). Durch diese Schicksalsschläge zweifelt Mendel an der Barmherzigkeit Gottes (Kap. 13, 14). Er bereut sein bisheriges gottesfürchtiges Leben: „Mehr als sechzig Jahre war ich verrückt, heute bin ich es nicht.“[1.14] Er lästert Gott und zieht sich völlig aus dem religiösen Leben zurück: „Ich habe keine Angst vor der Hölle […] Alle Qualen der Hölle habe ich schon gelitten. Gütiger als Gott ist der Teufel.“[1.15] Er zögert allerdings, seine Tefillin, seinen Tallit und seinen Siddur zu verbrennen. Seine jüdischen Freunde versuchen, ihn zu beruhigen, erinnern ihn an die Prüfung Hiobs durch Gott und übereden ihn, seine schäbige Wohnung zu verlassen und in eine Kammer im Laden des Schallplattenhändlers Skowronnek zu ziehen. Dort lebt Mendel sehr zurückgezogen. Er erledigt Hausmeisterdienste und Besorgungen für seine Nachbarn und erhält kleine Entgelte, die er spart. Um das Unglück seiner schwangeren, verwitweten Schwiegertochter Vega und ihres kleinen Sohnes MacLincoln zu mildern, überredet er Mac, statt der vermutlich unheilbar kranken Mirjam nun Vega zu heiraten und mit ihr die Geschäfte weiterzuführen.

Das Kriegsende kommt und wird mit einem Feuerwerk gefeiert. An diesem Abend sitzt Mendel allein in seiner Kammer, träumt von seiner alten Heimat und hört auf einer von Skowronneks Grammophonplatten ein Lied, das ihn sehr berührt (Kap. 15). Es heißt Menuchims Lied und wurde komponiert von einem Musiker namens Alexej Kossak – auch Deborahs Geburtsname war Kossak. Ein Ehepaar aus der Nachbarschaft, das in New York ein Konzert eines europäischen Orchesters dieses Dirigenten besucht, wird von einem der Musiker nach Mendel Singer befragt. Als Mendel davon erfährt, entsteht in ihm der starke Wunsch, endlich das Schicksal Menuchims zu erfahren, von dem er inzwischen annimmt, dass er tot sei. Er bringt es aber nicht über sich, Alexej Kossak direkt zu kontaktieren. Dieser trifft jedoch überraschend als Gast beim Pessachfest in der Familie Skowronnek ein und überbringt eine Nachricht von Mendels ältestem Sohn Jonas: Der so lange verschollen Geglaubte wurde zuletzt als Soldat bei den Weißgardisten gesehen. Kossak gesteht, dass er selbst Menuchin ist, und erzählt sein wundersames Schicksal. Ein Arzt nimmt sich seiner an und heilt ihn. Seine musikalische Begabung wird entdeckt. Als Wunderkind kommt er im Krieg zur Militärmusik, leitet in St. Petersburg eine Kapelle und spielt vor dem Zaren. Während der russischen Revolution flieht er ins Ausland, gründet in London ein Orchester, wird ein berühmter Komponist und unternimmt Tourneen ins Ausland.

Von Dankbarkeit und Wehmut überwältigt, findet Mendel zu seinem Glauben zurück. Menuchim fährt ihn in seinem Luxuswagen in ein luxuriöses Hotel und bringt ihn wie ein Kind zu Bett (Kap. 16). Am nächsten Tag machen sie einen Ausflug ans Meer. Mendel genießt das neu erwachte Leben, lässt alte Erinnerungen wieder wach werden und träumt von einem späten Tod, „umringt von vielen Enkeln und satt am Leben, wie es im Hiob geschrieben stand“. Menuchim verspricht, für seine Schwester Mirjam die besten Ärzte zu suchen und nach Ablauf seiner Konzert-Tournee gemeinsam mit ihm nach Europa heimzukehren, um ihm dort seine Ehefrau und zwei Kinder vorzustellen:

„Mendel schlief ein. Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“[1.16]

Form

In seinem in zwei Teilen mit durchnummerierten sechzehn Kapiteln unterteilten Roman verlegt Roth seine Version der alttestamentlichen Hiobsbeschichte ins 20. Jh. Er beginnt mit der sagenhaften Formulierung „Vor vielen Jahren lebte in Zuchnow ein Mann namens Mendel Singer“[1.1] und endet mit dem Satz: „Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“[1.16] In der historischen Einordnung spielt die Handlung zwischen dem ausgehenden 19. Jh., kurz vor der Zeit des Russisch-Japanischen Kriegs, und der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, also keine zehn Jahre vor Erscheinen des Romans in der „Jetztzeit“ des zeitgenössischen Lesepublikums.

Wie bereits der Titel andeutet, lehnt Roth seine „Legende aus dem zwanzigsten Jahrhundert“ an die Geschichte von Hiob an. Das betrifft sowohl die parataktische Sprache, die der einfachen und zugleich pathetischen Sprache des Alten Testaments nachempfunden ist, als auch die Handlung: Wie Hiob scheint auch Mendel Singer alles zu verlieren und angesichts der Härte der „Strafe“ an Gott zu verzweifeln.[2] Ergänzt wird diese inhaltliche Analogie mit konkreten Anspielungen auf bestimmte Bibelstellen durch die Anknüpfung an einen zweiten biblischen Text, die Josephsgeschichte. Auch in Roths Roman ist es der jüngste Lieblingssohn, der als Kind von seinen Geschwistern beneidet, gequält und fast ertränkt wird und als Erwachsener seinen von Kummer gepeinigten Vater nach Jahren wiedertrifft und versöhnend zu sich holt. Damit gleicht Menuchim als heilbringender Erlöser nicht nur dem alttestamentlichen Joseph, sondern auch dem neutestamentlichen Messias.

Publikationsgeschichte

Während eine frühere Fassung, Wasserträger Mendel, Fragment blieb,[3] wurde der Roman Hiob zunächst als Vorabdruck in der Frankfurter Zeitung vom 14. September bis 21. Oktober 1930 und im Oktober desselben Jahres im Verlag Gustav Kiepenheuer in Berlin veröffentlicht. Bereits ein Jahr später erschien die englische Übersetzung von Dorothy Thompson bei The Viking Press in New York und 1932 bei William Heinemann Ltd. in London. In den nächsten Jahren kamen Neuauflagen und weitere Übersetzungen hinzu. Hiob war das bis dahin erfolgreichste Werk von Joseph Roth.[4]

Rezeption (Auswahl)

  • Ludwig Marcuse[5] nimmt die Dominanz der „Wärme“ gegenüber „kühler Distanz“ als eine Ursache für die Wirkung des Textes.
  • Stefan Zweig[6] ist von der „gebändigten Einfachheit“ des Stoffes ergriffen.
  • Marlene Dietrich[7] benennt in einer englischen Zeitung den Roman als ihr Lieblingsbuch.
  • Zwar lobt Heinrich Böll[8] den Roman als herausragendes Buch der 1930er Jahre, schließt sich aber Marcuse in einem Punkte an. Der Schluss komme ein wenig „leichtfertig“ daher.
  • KLL:[9] „[W]ährend die Gestaltung des Leidens […] erschütternd und überzeugend die ‚grausame Gewalt Jehovahs‘ verkündet, ruft das Wunder der Heilung, der gleichsam leichthändigen Erfüllung des Menschheitstraums von Glück, Ruhm und Größe, eher Rührung als Ergriffenheit hervor, wird in ihm nicht wirklich die Gewalt der Gnade spürbar. Roth versucht, die Frage nach dem Sinn des Leidens im Geist der Bibel zu benatworten; doch es ist die Antwort eines Mannes, dessen Leben Heimsuchung war, der die erlösende Gnade inbrünstig herbeisehnte, aber nicht an sie glauben konnte.“

Buchausgaben (Auswahl)

  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Kiepenheuer, Berlin 1930 (= Erstausgabe).
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes, nach der Buchausgabe von 1930. Mit Kommentar und Nachwort, hrsg. v. Hans Wagener. Reclam, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-018532-2.
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Mit Nachwort, Materialien, Zeittafel und Kommentar von Martin Lowsky. Hamburger Lesehefte, Husum 2010, ISBN 978-3-87291-224-4.
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Kommentiert von Heribert Kuhn. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-518-18912-2.
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Schöningh, ISBN 978-3-14-022555-7.

Zitat

„Die Hauptfigur Mendel Singer, ein jüdisch-orthodoxer Lehrer, ist Hiob, denn durch die vielen Schicksalsschläge stellt er die Gerechtigkeit Gottes in Frage, versucht sie jedoch zu verstehen.“

Joseph Roth, 1930.[10]

Literatur

  • Hans-Jürgen Blanke: Joseph Roth, Hiob: Interpretation. Oldenbourg, München 1993, ISBN 3-486-88657-6.
  • H. Herwig: Intertextualität als Mittel der Assimilations- und Orthodoxiekritik in J. R.s ‚Hiob‘. In: Zeitschrift für Semiotik 24, 2002, 2/3, S. 261–276.
  • Manfred Eisenbeis: Lektüreschlüssel. Joseph Roth: Hiob. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-015376-X.
  • Martin Lowsky: Joseph Roth: Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Bange, Hollfeld 2005, ISBN 3-8044-1821-X.
  • H. Wagener: Von der Legende zum Pogrom. J. R.s Romane ‚Hiob‘ und ‚Tarabas‘. In: R. G. Weigel (Hrsg.): Vier große galizische Erzähler im Exil, W. H. Katz, Soma Morgenstern, Manès Sperber und J. R. 2005, S. 36–52.
  • M. d. Bruyker: Narratologie der Vergewaltigung. Der Erzähler und die Ikonografie der Tochter in J. R.s ‚Hiob‘. In: Zeitschrift für Germanistik 16, 2006, 1, 77–88.
  • Eva Raffel, Helena-Lisa Näher: Joseph Roth: Hiob. Schroedel Interpretationen. Schrodel, Braunschweig 2012, ISBN 978-3-507-47731-5.
  • Matthias Richter: Die Sprache jüdischer Figuren in der deutschen Literatur (1750–1933) – Studien zu Form und Funktion. Wallstein Verlag, Göttingen 1995, ISBN 3-89244-068-9, S. 304–328.
  • Christine Schmidjell: Joseph Roth. Hiob. Erläuterungen und Dokumente. Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-016033-2.
  • Wilhelm von Sternburg: Joseph Roth. Eine Biographie. 2. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 978-3-462-05555-9, S. 372–378.
  • Stefan Zweig: Der Roman „Hiob“ von Joseph Roth. In: Rezensionen 1902–1939. Begegnungen mit Büchern. 1983. (E-Text)

Adaptionen

Verfilmung

Theaterinszenierung

Oper

Lesung

  • Lesung in der Sendung Lesung im Zwei auf der Webseite des Schweizer Radiosenders DRS1[13]

Hörspiel

Hörbuch

Einzelnachweise

Anmerkungen

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