Hippolyte Lazerges
französischer Maler, Zeichner und Dekorationsmaler
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Jean Raymond Hippolyte Lazerges (* 5. Juli 1817 in Narbonne; † 24. Oktober 1887 in Mustapha bei Algier) war ein französischer Maler, Zeichner und Dekorationsmaler. Darüber hinaus trat er als Kunsttheoretiker und Komponist von Chorwerken in Erscheinung. Er wirkte in Frankreich und Algerien und gilt als einer der frühen Vertreter der Orientmalerei in Algerien.[1]

Leben

Hippolyte Lazerges wuchs zeitweise in Algerien auf. Ab 1838 leistete er in Paris seinen Militärdienst. Er erhielt seine künstlerische Ausbildung an der École des Beaux-Arts in Paris, wo er Schüler von Pierre-Jean David d’Angers und François Bouchot war. Seit den frühen 1840er Jahren hielt sich Lazerges regelmäßig in Algerien auf und ließ sich ab etwa 1861 überwiegend dort nieder, während er weiterhin enge Verbindungen zu Paris unterhielt. Parallel zu seiner künstlerischen Tätigkeit verfasste er kunsttheoretische Schriften, insbesondere zur Ausbildung an der École des Beaux-Arts, und betätigte sich erfolgreich als Komponist. Anlässlich der Weltausstellung von 1867 in Paris wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Er war der Vater und Lehrer des Malers Paul Jean-Baptiste Lazerges. Lazerges starb 1887 in Mustapha bei Algier.[1]
Werk
Das Œuvre von Hippolyte Lazerges ist umfangreich und vielgestaltig. In traditionell-akademischer Auffassung schuf er technisch virtuos und detailreich ausgeführte Porträts, religiöse Szenen, allegorische Darstellungen sowie einzelne Historienbilder. Zu seinen bekannten Werken zählen Porträts wie Marie Dorval dans le rôle d’Agnès de Méranie, religiöse Darstellungen wie La fuite en Égypte sowie allegorische Kompositionen wie Le génie éteint par la Volupté. Einen bedeutenden Schwerpunkt bildet seine Tätigkeit als Dekorationsmaler. Er schuf zahlreiche Wand-, Decken- und Tafelgemälde für Profan- und Sakralbauten in ganz Frankreich. Dazu gehören Arbeiten für die Kirche der Sorbonne in Paris, die Kathedrale von Narbonne, mehrere Kirchen in Orléans sowie das Theater in Nantes. Für die Kathedrale von Reims entwarf er zudem Kartons für Glasfenster.[1]

In Algerien widmete er sich nahezu ausschließlich der Orientmalerei. Seine Gemälde zeigen genrehafte Alltagsszenen, Porträts und Landschaften, häufig mit Staffage. Besondere Aufmerksamkeit fanden seine Darstellungen von Kaffeehäusern und Basaren sowie seine idealisierten Frauenporträts, die eine sinnlich-verträumte, oft melancholische Anmutung haben. Farblich bevorzugte er warme, bisweilen gedämpfte, harmonische Töne. Während Lazerges in Frankreich einen wesentlichen Beitrag zur Erneuerung der religiösen Malerei des 19. Jahrhunderts leistete, zählt er in Algerien neben Joseph-André Sintès und Marc Alfred Chataud zu den frühen Begründern der Schule der orientalischen Malerei von Algier.[1]
Literatur
- Schurr, Gérald; Cabanne, Pierre: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture, Band II, Les Éditions de l’Amateur, Paris, 1996.
- Bénézit, Emmanuel: Dictionnaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs, Band VIII, Gründ, Paris, 1999.
- Cazenave, Éric: Les artistes de l’Algérie, Éditions de l’Amateur, Paris, 2001.
- Thornton, Lynne: Les orientalistes. Peintres voyageurs 1828–1908, ACR Édition, Paris, 1983.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris, 2006.