Hisako Hibi
japanisch-amerikanische Malerin und Druckgrafikerin
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Hisako Shimizu Hibi (* 14. Mai 1907 in Kōchi, Präfektur Fukui, Japan; † 25. Oktober 1991 in San Francisco, Kalifornien, USA) war eine japanisch-amerikanische Malerin und Druckgrafikerin der ersten Einwanderergeneration (Issei).[1] In ihren Werken stellte sie den Alltag in den Internierungslagern japanischstämmiger Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs sowie Landschaften und Stillleben dar.[2]

Leben
Hisako Shimizu wurde 1907 als ältestes von sechs Kindern in Kōchi in der japanischen Präfektur Fukui geboren. 1920 wanderte sie mit ihren Eltern nach Seattle (Bundesstaat Washington) aus und zog später nach Los Angeles. Nachdem ihre Eltern 1925 nach Japan zurückgekehrt waren, blieb Hisako in den Vereinigten Staaten und schloss die Lowell High School in San Francisco ab. Im Jahr 1926 begann sie ein Studium an der California School of Fine Arts (heute San Francisco Art Institute). Dort lernte sie den Maler George Matsusaburō Hibi kennen, den sie 1930 heiratete.[1]
1932 zog das Ehepaar zunächst nach Mt. Eden und anschließend nach Hayward in Kalifornien. George Hibi gründete dort die Hibi-juku, eine Schule für japanische Sprache und Kunst. Das Paar hatte zwei Kinder: Satoshi („Tommy“) Hibi und Ibuki Hibi Lee. In den 1930er-Jahren nahm Hisako Hibi regelmäßig an Gruppenausstellungen teil, unter anderem bei der California State Fair (1934, 1937, 1939), in der Oakland Art Gallery (1937, 1939, 1940) und bei der San Francisco Art Association (1940, 1941, 1944). Ihre Werke wurden 1939 auf der Golden Gate International Exposition und 1940 im Palace of Fine Arts in San Francisco ausgestellt.[1]
Internierung

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Jahr 1941 und der darauf folgenden Zwangsumsiedlung japanischstämmiger Amerikaner musste die Familie Hibi ihre Heimat in Hayward verlassen. Sie übergab fünfzig Gemälde zur Aufbewahrung an den Maler Will Frates, die jedoch später verloren gingen. Die Familie wurde zunächst im Tanforan Assembly Center interniert und anschließend in das Topaz War Relocation Center in Utah verlegt. Die Fotografin Dorothea Lange dokumentierte den Abtransport der Familie Hibi. Im Lager gründeten George und Hisako Hibi gemeinsam mit dem Künstler Chiura Obata die Topaz Art School, an der Hisako Hibi Malerei unterrichtete. Die Schule hatte rund 800 Schüler und bot Kurse in Ölmalerei, Aquarellmalerei, Design, Kalligrafie sowie in der Gestaltung mit Leder und Stein an. Während der Internierung schuf Hisako Hibi über siebzig Gemälde und zahlreiche Skizzen, die das Leben im Lager thematisieren. Darunter sind Darstellungen des Alltags, der Baracken und traditioneller japanischer Motive. 1943 erhielt sie für ihr Gemälde Sunflowers einen Preis bei einer Ausstellung internierter Künstler im Friends Center in Cambridge, Massachusetts.[1]
Nachkriegszeit
Nach Kriegsende zog die Familie nach New York City, wo George Hibi im Jahr 1947 starb. Um die Familie zu ernähren, arbeitete Hisako Hibi zunächst als Näherin in einer Textilfabrik. Sie setzte ihre künstlerische Ausbildung fort, besuchte Kurse im Museum of Modern Art und entwickelte ihren Stil zunehmend in Richtung Abstraktion. 1953 erhielt sie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Im Jahr 1954 kehrte sie mit ihrer Tochter Ibuki nach San Francisco zurück. Dort arbeitete sie zunächst als Näherin und später als Haushälterin bei der Künstlerin und Pädagogin Helen Salz, die ihr auch ein Atelier zur Verfügung stellte. Hibi stellte regelmäßig in der San Francisco Bay Area aus und wurde 1960 Mitglied der San Francisco Women Artists. 1970 hatte sie ihre erste Einzelausstellung in der Lucien Labaudt Gallery in San Francisco. In den 1980er- und 1990er-Jahren folgten weitere Ausstellungen. 1985 erhielt sie von der San Francisco Arts Commission den Award of Honor, verbunden mit einer großen Retrospektive mit dem Titel Hisako Hibi, Her Path in der Somar Gallery. Sie gehörte zu den frühen Mitgliedern der Asian American Women Artists Association. Hisako Hibi starb am 25. Oktober 1991 im Alter von 84 Jahren in San Francisco.[1]
Im Jahr 2004 veröffentlichte ihre Tochter Ibuki Hibi Lee die Memoiren Peaceful Painter: Memoirs of an Issei Woman Artist (Heyday Books), was von einer Ausstellung im De Saisset Museum in Santa Clara, Kalifornien, begleitet wurde. 2006 erschien das zweisprachige Kinderbuch A Place Where Sunflowers Grow von Amy Lee-Tai, der Enkelin der Künstlerin. Es basiert auf den Internierungserfahrungen der Familie.
Literatur
- Michael D. Brown, Views from Asian California, 1920–1965, Michael D. Brown, 1992.
- Gordon H. Chang, Mark Dean Johnson, Paul J. Karlstrom (Hrsg.), Asian American Art: A History, 1850–1970, Stanford University Press, Stanford 2008.
- Hisako Hibi, Peaceful Painter: Memoirs of an Issei Woman Artist, hrsg. von Ibuki Hibi Lee, Heyday Books, Berkeley 2004.
- Karin Higa u. a., The View from Within: Japanese American Art from the Internment Camps, 1943–1945, Japanese American National Museum, Los Angeles 1992.
- Betty Kano, „Four Northern California Artists: Hisako Hibi, Norine Nishimura, Yong Soon Min, and Miran Ahn“, Feminist Studies 19.3 (1993): 628–642.
- Amy Lee-Tai, A Place Where Sunflowers Grow, Children's Book Press, New York 2006.
- Sandra C. Taylor, Jewel in the Desert: Japanese American Internment at Topaz, University of California Press, Berkeley 1993.
- ShiPu Wang, Pictures of Belonging: Miki Hayakawa, Hisako Hibi, and Miné Okubo, Japanese American National Museum / University of California Press, Los Angeles 2023.