Historisches Archiv der Stadt Wetzlar
Archiv in Wetzlar, Hessen
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Das Historische Archiv der Stadt Wetzlar bewahrt handschriftliche, gedruckte und fotografische Zeugnisse aus der Geschichte der Stadt Wetzlar und eingemeindeter Stadtteile.
Geschichte

Das Archiv wurde bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im Heidenturm des Wetzlarer Doms aufbewahrt.[1] Das älteste Zeugnis für diesen Standort gibt eine Urkunde vom 3. Oktober 1385.[2] Mehrfach startete die Reichsstadt Wetzlar in den folgenden Jahrhunderten Versuche, die wachsenden und immer wieder in Unordnung geratenden Unterlagen zu ordnen. So legte der Registrator Nold ab 1772 eine Registratur über 63 Bände an.[3] 1831 verkaufte Bürgermeister Waldschmidt 21 Zentner Akten aus dem städtischen Archiv als Altpapier.[4]
Seit 1907 befand sich das Archiv als Depositum im preußischen Staatsarchiv Wetzlar, das wiederum die Teile des Archivs des Reichskammergerichts verwaltete, die an Preußen gefallen waren.[5] Als dieses Staatsarchiv 1925 aufgelöst wurde, nahm die Stadt Wetzlar den städtischen Bestand in eigene Verwaltung zurück.[6] Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Archivmaterial auf die Burg Hohensolms in Sicherheit gebracht, bis es 1948 wieder in das – nunmehr als „Altes Rathaus“ bezeichnete – Gebäude in der Hausergasse zurückgeholt werden konnte.[7]
Leitung
Bis Ende 2023 war das Archiv über das Büro des Magistrats (Amt 01) in die Stadtverwaltung eingebunden, seit dem 1. Januar 2024 gehört es zum Kulturamt.
| Leitung | Zeitraum | Anmerkung |
|---|---|---|
| August Schoenwerk[8] (1891–1957) | Weimarer Republik | ehrenamtlich, unklar ist, wann genau er seine Tätigkeit begonnen hat. |
| Herbert Flender[9] (1915–1986) | nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1986 | ehrenamtlich, Nachfolger von August Schoenwerk |
| Irene Jung | 1986[10] –2019 | erste hauptamtliche Leiterin |
| Christoph Franke | 2019–2024[11] | |
| Sabine Schneider | 2025[12] |
Unterbringung
Das Archiv befindet sich im Alten Rathaus der Stadt Wetzlar. Das Gebäude wurde ab 1782 als Archiv des Reichskammergerichts errichtet, der Bau aber unterlag mehreren Verzögerungen, der Rohbau war erst 1792 fertiggestellt. Um 1800 deckte das Haus noch immer nur ein Notdach. Durch die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches und damit auch des Reichskammergerichts 1806 ging das letztendlich an das Königreich Preußen über. Dieses beließ die auf Preußen bezogenen Bestände zunächst vor Ort und brachte in dem Gebäude ab 1852 zusätzlich das Kreisgericht und nach der Reichsjustizreform 1879 das Amtsgericht Wetzlar unter. 1856 wurde das Bauwerk deshalb auch aufgestockt.[13] Das Amtsgericht blieb dort bis 1911, bevor das Rathaus der Stadt Wetzlar 1912 dort einzog.[14] Während der gesamten Zeit nutzte auch das Archiv weiter Räume im Gebäude.
Heute befinden sich im Erdgeschoss Büroräume, der Lesesaal und die Bibliothek. Magazinräume gibt es im Keller und 2010 wurde auch das Dachgeschoss zu einem weiteren Magazinraum ausgebaut.
Bestände
Das Stadtarchiv Wetzlar verfügt über ca. 4460 Urkunden, eine der größten Urkundensammlung, in Hessen. Die älteste Urkunde datiert von 1242. Zum Bestand gehören auch 183 Akten des Reichskammergerichts, die die Stadt Wetzlar betreffen[15] und ein Rest der Reichskammergerichtsbibliothek.[16]
Weiter bewahrt das Archiv Akten und Amtsbüchern ab dem 15. Jahrhundert auf und hat die Archive eingemeindeter Ortsteile mit Akten und Amtsbüchern übernommen.[17] Nachlässe[18], ca. 5000 Karten und Pläne, über 50.000 Bildträger, eine Plakat- und eine Flugblattsammlung ergänzen den Bestand.[19] Der Zeitungsbestand reicht bis 1767 zurück.[20] Die aufbewahrten Unterlagen der städtischen Verwaltung umfassen etwa 2 km Akten, die Archivbibliothek rund 5000 Bände.[21] Anfang 2025 übernahm das Archiv die historischen Unterlagen der Königsberger Diakonie, sodass diese nun eingesehen werden können.[22]
Aufgaben und Nutzung
Das Archiv forscht zur Stadt- und Regionalgeschichte und fördert Arbeiten, die sich damit befassen. Wechselnde Ausstellungen[23] greifen historische oder aktuelle Themen auf. Seit 2020 wurden die Bestände verstärkt in Arcinsys verzeichnet, so dass sie im Umfang von 41000 Verzeichnungseinheiten[Anm. 1] dort recherchiert werden können.
Das Archiv berät die städtischen Ämter bei der Umstellung der Schriftgutverwaltung auf die E-Akte und beim Aussondern der dort für den aktuellen Betrieb nicht mehr benötigten Papierakten. Es arbeitet mit Wetzlarer Schulen zusammen und bietet als außerschulischer Lernort Recherchen zur Wetzlarer Stadtgeschichte an.
Literatur
- Kurt Hinze: Das Stadtarchiv im Reichskammergerichtsgewölbe. Alte Dokumente in historischen Räumen. In: Wetzlarer Neue Zeitung vom 3. Februar 1968, S. 4.
- Irene Jung: Das Historische Archiv der Stadt Wetzlar. In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins NF 77 (1992), S. 377–392.
- Martin Lugauer: Ein Ausflug in Wetzlars Vergangenheit. In: Wetzlarer Neue Zeitung vom 5. Januar 1980.
Weblinks
Anmerkungen
- Zahlen von Anfang 2026.