Hitachi Blues
Triebzüge der italienischen Staatsbahnen
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Die italienischen Baureihen HTR.312 und HTR.412 umfassen drei- und vierteilige Triebzüge für den Regional- und Intercityverkehr des Herstellers Hitachi Rail Italia. Die vom Betreiber Trenitalia als Blues bezeichneten Triebzüge sind als Hybridzüge bzw. Bi- und Trimodalzüge sowohl für den elektrischen Betrieb unter Oberleitung als auch für den oberleitungsfreien Betrieb geeignet. Dafür sind sie mit einem Akkumulator sowie zum Teil auch mit einem Dieselmotor ausgestattet.
| HTR.312 / HTR.412 | |
|---|---|
Dreiteiliger Blues der Baureihe HTR.312 der Trenitalia in der Toskana | |
| Anzahl: | 16 HTR.312 88 HTR.412 (bestellt) Rahmenvertrag: bis zu 135 |
| Hersteller: | Hitachi Rail Italy |
| Plattform: | Masaccio |
| Baujahr(e): | ab 2020 |
| Bauart: | 3 oder 4 Wagen |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Länge über Kupplung: | 66,88 m / 86,08 m |
| Breite: | 2,8 m |
| Höchstgeschwindigkeit: | 160 km/h |
| Dauerleistung: | Dreiteiler: 1680 / 1170 kW (Diesel) Vierteiler: 1910 / 1330 kW (Diesel) |
| Beschleunigung: | 1,1 m/s² |
| Stromsystem: | 3000 V = |
| Sitzplätze: | 224 / 306 |
| Besonderheiten: | mit Dieselmotoren und Akkus ausgerüstet |
Die erste Ziffer der Baureihe bezeichnet die Anzahl der Wagen, das „H“ nimmt auf den hybriden Antrieb Bezug. Gemeinsam mit den Doppelstockzügen des Typs Rock bauen die Blues auf der Plattform Masaccio auf, so besitzen sie zum Beispiel eine ähnliche Front und einflügelige Taschenschiebetüren.
Zwei Triebzüge wurden ab 2021 auf dem Eisenbahnversuchsring Velim und bei Italcertifer in Bologna getestet.[1] Die ersten Fahrzeuge gingen im Dezember 2022 in Sizilien und in der Toskana in den Fahrgastbetrieb.[2]
Technik
Die Gliederzüge mit Jakobs-Drehgestellen sind für den Betrieb unter Oberleitung mit 3000 Volt Gleichspannung geeignet und sind darüber hinaus für den Einsatz auf nicht-elektrifizierten Strecken sowohl mit Dieselmotoren als auch Akkumulatoren oder nur mit letzteren ausgerüstet. Die Akkus sollen Leistungsspitzen abfedern und den Lärmpegel und Stickoxidemissionen in Bahnhofsnähe reduzieren. Sie können im Oberleitungs- und im Dieselbetrieb geladen werden.[3] Die Reichweite im Akkubetrieb beträgt zwischen 7 Kilometer bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h und 12 Kilometer bei 50 km/h. Die dreiteiligen Züge besitzen eine geringfügig höhere Reichweite. Werden nur Traktionsbatterien eingebaut, erhöht sich die Reichweite im Batteriebetrieb auf bis zu 150 Kilometer. Die Spitzenleistung eines Batteriemoduls beträgt 750 kW. Die dort integrierten Lithium-Ionen-Akkus werden flüssigkeitsgekühlt.
Die Höchstgeschwindigkeit der Triebzüge liegt bei 160 km/h.
Die Fahrzeuge werden in zwei unterschiedlichen Länge gebaut: Ein dreiteiliger Zug bietet bei circa 66,88 Metern Länge 224 Fahrgästen einen Sitzplatz. Die vierteilige Version verfügt bei 86,08 Metern über 306 Sitze. Der Dreiteiler leistet 1680 kW unter Oberleitung, im Dieselbetrieb dagegen nur 1170 kW. Beim Vierteiler beträgt die Leistung 1910 kW beziehungsweise 1330 kW.
Die Triebzüge sind unter anderem mit einer Klimaanlage, Videoüberwachung, WLAN, Steckdosen, USB-Ladebuchsen und behindertengerechten Toiletten ausgestattet.[4][5] Videoüberwachte Szenen werden teilweise auf die Fahrgastinformationsbildschirme übertragen.
Einsatz und Varianten
Die Blues-Triebzüge sind vor allem für den Einsatz auf nicht elektrifizierten Strecken vorgesehen. In einem 1,2 Milliarden Euro umfassenden Rahmenvertrag zwischen Hitachi und Trenitalia wurde die Lieferung von maximal 135 Zügen vereinbart.
16 dreiteilige HTR.312 sind für den Regionalverkehr in der Toskana und auf Sizilien an die Trenitalia geliefert worden.
62 vierteilige HTR.412 wurden für den Regionalverkehr bestellt, darunter 18 Züge für Sizilien, 18 für die Toskana, zwölf für Sardinien, fünf für das Aostatal, drei für Latium und zehn für Kalabrien.[6]
Weitere 26 vierteilige HTR.412 werden für den Intercity-Verkehr beschafft, zum Beispiel zwischen Reggio Calabria und Lecce. Sie erhalten deswegen eine erste Klasse und das blaue Intercity-Giorno-Design (ohne Blues-Schriftzug) der Trenitalia.[7] Bei den sechs Intercity-Zügen HTR.412 070–075 wird auf Dieselmotoren verzichtet. Äußerlich sind die „bimodalen“ Züge an einem zweiten Stromabnehmer erkennbar.[8] Seit dem 14. Juni 2026 werden sie auch im Trajektverkehr vom Festland nach Sizilien eingesetzt, wo sie Wendezüge mit E464-Lokomotiven ersetzten. Zudem soll eine neue Intercity-Verbindung eingeführt. Von Rom nach Lamezia Terme Centrale verkehren beide Zugteile gemeinsam, bevor sie nach Reggio Calabria und im Dieselbetrieb nach Catanzaro Lido geflügelt werden.[9]
- HTR.312, ausgestellt auf der Innotrans 2022
- Frontansicht
- Innenraum
- HTR 412 Intercity-Variante
