Hochschule Hamm-Lippstadt
Fachhochschule des Landes Nordrhein-Westfalen
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Die Hochschule Hamm-Lippstadt (kurz HSHL) ist eine Fachhochschule des Landes Nordrhein-Westfalen, die im Jahr 2009 gegründet wurde und nach ihren beiden Standorten Hamm ⊙ und Lippstadt ⊙ benannt wurde. Sie wurde zur Stärkung des Studienangebots im MINT-Bereich gegründet.
| Hochschule Hamm-Lippstadt | |
|---|---|
| Gründung | 1. Mai 2009[1] |
| Trägerschaft | staatlich |
| Ort | Hamm und Lippstadt |
| Bundesland | |
| Land | |
| Präsidentin | Kira Kastell[1] |
| Studierende | 4.500 WS 2025/26[1] |
| Mitarbeiter | 417 |
| davon Professoren | 109 |
| Website | www.hshl.de |

An der Hochschule Hamm-Lippstadt studieren etwa 4.500 Studierende in 14 Bachelor- und 10 Masterstudiengängen. Im Wintersemester 2025/26 nahmen rund 1.000 Studienanfänger ein Studium auf.[2]
Präsidentin der Hochschule ist Stand 2026 Kira Kastell. Kanzlerin der Hochschule ist Sandra Schlösser. Das Präsidium wird ergänzt durch die Vizepräsidenten Justin Lange, Klaus Pantke und Sven Quadflieg.
Geschichte
Gründung
Im Mai 2007 hatte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers eine Initiative angekündigt, um dem gestiegenen Fachkräftemangel insbesondere in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern entgegenzutreten.[1] Um die Standorte der insgesamt drei neuen Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen bewarben sich 22 Städte, Regionen und bestehende Fachhochschulen. Die Städte Hamm und Lippstadt reichten eine gemeinsame Bewerbung ein. Am 28. November 2008 erhielt ihre Bewerbung per Kabinettsbeschluss den Zuschlag. Das Gesetz trat mit seiner Verkündung am 21. April 2009 in Kraft.[3] Am 21. September 2009 wurde der Studienbetrieb an den beiden Standorten aufgenommen.
Entwicklung der Standorte

In Hamm wurden bis Anfang 2014 Gebäude der ehemaligen Paracelsuskaserne der Bundeswehr genutzt. Auf deren Gelände (damalige Anschrift: Stadthof 18) waren bis 1963 Schulen untergebracht, z. B. die Katholische Volksschule Hamm-Osten, die Gemeinschaftsschule Hamm-Osten, die Städtische Realschule (heute Friedrich-Ebert-Realschule), das mathematische Gymnasium (heute Freiherr-vom-Stein-Gymnasium) und das humanistische Gymnasium (heute das Hammonense), außerdem die Installations- und Heizungsbaufirma Hermann Fiegener. Der Schulhof wurde später – nachdem die Bundeswehr eingezogen war – zum Exerzierplatz umfunktioniert. Im Dezember 2010 begann der Abriss des alten Bundeswehrkrankenhauses. Auf dem Gelände an der Marker Allee entstand bis 2014 der Hochschulneubau auf 17.340 Quadratmetern Nutzfläche.[4] Im Wintersemester 2013/14 wurde der Lehrbetrieb in den ersten fertiggestellten Gebäuden aufgenommen. Ende Juni 2014 wurde der Campus Hamm offiziell eingeweiht und erhielt kurz darauf den Architektur- und Designpreis „Iconic Award“.[5]
In Lippstadt entstand bis zum Frühjahr 2014 gleichermaßen ein Neubau in der Nähe der historischen Innenstadt. Die gesamte Nutzfläche beträgt 15.910 Quadratmeter.[6] Bis zu seiner Fertigstellung nutzte die Hochschule Hamm-Lippstadt Seminar- und Vorlesungsräume im Cartec an der Erwitter Straße und in zwei Gebäuden an der Lüningstraße und der Rixbecker Straße.
Weitere Entwicklungen
Infolge der Fertigstellung und Inbetriebnahme der Campusneubauten in Hamm und Lippstadt entwickelten sich auch die Studierendenzahlen weiter nach oben. Während zur Gründung 2009 zunächst rund 80 Studierende eingeschrieben waren, stieg die Gesamtzahl bis zum Wintersemester 2014/15 auf etwa 3.400.[7] Auch das Studienangebot wurde zu dieser Zeit ausgebaut. Zum Sommersemester 2015 sowie zum Wintersemester 2015/16 erweiterte die Hochschule ihr Angebot um mehrere Bachelor- und Masterstudiengänge, insbesondere in den Bereichen Technik und Wirtschaft. Die Gesamtzahl der Studiengänge erhöhte sich zu dieser Zeit auf 14 Bachelor- und fünf Masterstudiengänge.[8]
Im Juli 2025 wurde am Campus Lippstadt ein Visual-Effects-Labor (VFX Lab) eröffnet. Das Labor ermöglicht unter anderem die Erstellung von Filmaufnahmen, Animationen und interaktiven Anwendungen und wird vor allem in den Studiengängen Computervisualistik und Design sowie Electronic Engineering genutzt.[9]
Struktur und Organisation
Die Hochschule Hamm-Lippstadt wird von einem Präsidium geleitet, dem neben der Präsidentin auch mehrere Vizepräsidenten sowie die Kanzlerin angehören.[10] Zentrale Gremien der Hochschule sind der Hochschulrat und der Senat.[11] An der Hochschule studieren etwa 4.500 Studierende.[2]
An den Standorten Hamm und Lippstadt verfügt die Hochschule zusammen über eine Gesamtnutzfläche von über 30.000 Quadratmetern,[4][6] davon eine Laborinfrastruktur von rund 15.000 Quadratmetern.[11] Die Verpflegung der Studierenden und die Bearbeitung der BAföG-Anträge wird für beide Standorte der Hochschule vom Studierendenwerk Paderborn übernommen.
Lehre und Studienangebot
Die Hochschule bietet Bachelorstudiengänge in den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Informatik und Wirtschaft an, welche auf die Standorte Hamm und Lippstadt verteilt sind.[12][13][11] Die Lehre ist interdisziplinär ausgerichtet und beinhaltet projektorientierte Elemente.[14] Während in Hamm Studienangebote mit Bezug zu Gesundheits-, Umwelt- und Wirtschaftsthemen angesiedelt sind, werden in Lippstadt ingenieurwissenschaftliche und technische Studiengänge sowie Informatik angeboten.[12]
Studiengänge
Insgesamt werden 14 Bachelor- und 10 Masterstudiengänge angeboten.[11]
Am Standort Hamm werden Stand 2026 folgende Studiengänge angeboten:[15]
- Biomedizinische Technologie, Abschluss Bachelor of Engineering
- Energietechnik und Ressourcenoptimierung, Abschluss Bachelor of Engineering
- Gesundheits- und Sportingenieurwesen, Abschluss Bachelor of Engineering
- Intelligent Systems Design, Abschluss Bachelor of Engineering
- Interkulturelle Wirtschaftspsychologie, Abschluss Bachelor of Science
- Technisches Management und Marketing, Abschluss Bachelor of Science
- Umweltmonitoring und Forensische Chemie, Abschluss Bachelor of Engineering
- Angewandte Biomedizintechnik, Abschluss Master of Science
- Biomedizinisches Management und Marketing, Abschluss Master of Science
- Intercultural Business Psychology, Abschluss Master of Science
- Product and Asset Management, Abschluss Master of Science
- Product Development and Business Studies, Abschluss Master of Engineering
- Umwelt- und Gefahrstoffanalytik, Abschluss Master of Science
Am Standort Lippstadt werden Stand 2026 folgende Studiengänge angeboten:[15]
- Angewandte Informatik und Soziale Medien, Abschluss Bachelor of Science
- Betriebswirtschaftslehre, Abschluss Bachelor of Science
- Computervisualistik und Design, Abschluss Bachelor of Science
- Electronic Engineering, Abschluss Bachelor of Engineering
- Materialwissenschaften und Bionik, Abschluss Bachelor of Science
- Mechatronik, Abschluss Bachelor of Engineering, auch als dualer Studiengang
- Wirtschaftsingenieurwesen, Abschluss Bachelor of Engineering
- Business and Systems Engineering, Abschluss Master of Engineering
- Technical Consulting und Management, Abschluss Master of Science
- Technical Entrepreneurship and Innovation, Abschluss Master of Science
Studienorientierung
Die Hochschule kooperiert mit Schulen in der Region im Bereich der Studien- und Berufsorientierung, insbesondere zur Förderung des Nachwuchs in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).[16][17] Zu den Angeboten zählt unter anderem die Möglichkeit an Lehrveranstaltungen teilzunehmen, Labore zu besuchen und beim Schülerlabor mitzumachen.[18] Darüber hinaus werden Workshops, Laborpraktika und Veranstaltungen zu Themen wie Robotik, Chemie und Künstliche Intelligenz durchgeführt.[19]
Forschung und Forschungseinrichtungen
Die Hochschule Hamm-Lippstadt betreibt anwendungsorientierte Forschung[20][21] in mehreren Fachgebieten, insbesondere in den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Die Forschung erfolgt häufig interdisziplinär und mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen.[21][22][23]
An der Hochschule bestehen Einrichtungen zur Bündelung von Forschungsaktivitäten, darunter das Institut für Sektorenkopplung in der Energiewende, in dem Forschungsaktivitäten aus den Bereichen Energietechnik, Informationstechnologie und Wirtschaft zusammengeführt werden.[24]
Projekte (Auswahl)
Im Bereich der Medizintechnik wurde 2012 ein Forschungsprojekt zur Entwicklung eines Mikrochips für die Leukämiediagnostik durchgeführt. Ziel war es, mit wenigen Blut- oder Knochenmarkproben eine schnellere und einfachere Diagnose zu ermöglichen. Dafür wurden Biomarker genutzt, die krankhafte Veränderungen in Zellen erkennen und so Rückschlüsse auf die jeweilige Form der Leukämie zulassen können.[20]
Im Bereich Lebensmitteltechnologie wurde ein Forschungsprojekt zur Herstellung pflanzlicher Proteinprodukte aus Reststoffen der Lebensmittel- und Getränkeproduktion durchgeführt. Verwendet wurden dabei unter anderem Rückstände aus Obst und Gemüse wie Möhren, Zwiebeln, Äpfel oder Trauben. Zur Verarbeitung wurde ein Verfahren eingesetzt, bei dem Mikroorganismen die Ausgangsstoffe in eine proteinreiche Masse umwandeln, die anschließend zu Fleisch- und Wurstalternativen sowie anderen Lebensmitteln weiterverarbeitet wurden. Das Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.[21][25]
2025 startete das Projekt PSY:SICHT, welches die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft untersucht. Durch das Projekt sollen psychologische Faktoren identifiziert werden, die beeinflussen, wie wissenschaftliche Leistungen wahrgenommen und kommuniziert werden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.[26]
Im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wird seit 2025 eine Studie zum ehrenamtlichen Engagement bei Wahlen durchgeführt. Untersucht werden die Motivation von Wahlhelfern sowie Strategien zu deren Gewinnung und langfristiger Bindung.[27]
Die Hochschule ist am Projekt Digitalise_SWF beteiligt, das gemeinsam mit der Fachhochschule Südwestfalen durchgeführt wird. Im Rahmen des Projekts wurde die mobile Ausstellung Lab-on-Tour entwickelt. In dieser werden interaktive Exponate und Demonstrationen aus Forschung und Lehre gezeigt.[23]
Ein weiteres Projekt ist die Werkbank Sektorenkopplung, die sich mit Fragen der Energieversorgung und der Verbindung verschiedener Energiesektoren befasst.[22]
Im Bereich der Informatik und digitalen Anwendungen wird das Forschungsprojekt ARiadne durchgeführt, in dem eine Augmented-Reality-Navigationsanwendung für Fußgänger entwickelt wird. Ziel ist es, Navigationshinweise direkt in die reale Umgebung einzublenden, um die Orientierung zu erleichtern. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen SWCode umgesetzt und durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.[28]
Im Bereich der IT-Sicherheit wird das Forschungsprojekt Trustpoint durchgeführt, in dem eine Software zur Verwaltung digitaler Identitäten in industriellen Anwendungen entwickelt wird. Dadurch soll die Authentizität von Geräten innerhalb von Netzwerken sichergestellt werden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.[29]
In der Cybersicherheit wurde 2025 das Forschungsprojekt B5GCyberTestV2X abgeschlossen, das sich mit der Sicherheit vernetzter Mobilitätssysteme befasste. Dabei wurden Verfahren entwickelt, um die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und ihrer Umgebung besser vor Cyberangriffen zu schützen. Das Projekt wurde vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gefördert und unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz durchgeführt.[30]
Internationales
Die Hochschule Hamm-Lippstadt unterhält internationale Kooperationen mit Hochschulen, unter anderem in Mexiko, Uruguay und Paraguay. Außerdem werden internationale Austauschformate wie Summer Schools angeboten.[24]
Im Bereich der internationalen Zusammenarbeit wird das Projekt I.N.F.U.S.E. (International Network for Future Skills and Universal Skills Education) durchgeführt. Ziel ist der Aufbau eines Netzwerks, das Studierende auf eine international geprägte Arbeitswelt vorbereitet. Das Projekt wird gemeinsam mit Hochschulen in Thailand, Japan, Jordanien und Indien umgesetzt. Dabei werden unter anderem digitale Lehrformate für die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg sowie kurze Zusatzqualifikationen entwickelt. Es wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst gefördert.[31]
Weblinks
- www.hshl.de – Website der Hochschule Hamm-Lippstadt