Hoffuß

altbayerische Einteilung von bäuerlichen Anwesen nach Größe und Ertragsfähigkeit zum Zweck der Steuererhebung From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Hoffuß ist eine altbayerische Einteilung von bäuerlichen Anwesen nach Größe und Ertragsfähigkeit zum Zweck der Steuererhebung.

Geschichte

Die Einteilung nach dem Hoffuß ist seit 1445 nachweisbar, im Jahr 1812 wurde sie abgeschafft.[1]

Einteilung

Die Einteilung konnte regional und zeitlich variieren. So reichte sie im 18. Jahrhundert beispielsweise vom Ganzhof (11-Hof) über Hube (12- bzw. 13-Hof), Lehen/Gütl (14- bzw. 16-Hof) und Bausölde (18-Hof) bis zur Leersölde/Leerhäusel (116- bis 164-Hof). Vom Hoffuß rührte auch häufig der Name seines Bewohners her, z. B. Bauer oder Maier (Ganzhof), Huber, Söldner, Gütler, Häusler.

Eine Hoffußeinheit bestand im Flachland aus ungefähr 36 Juchert Ackerland mittlerer Güte, Wiesen und Wald; im Prinzip konnte der Hoffuß aber auch von der Fläche unabhängig sein. Im Gäuboden war die Einteilung beispielsweise folgendermaßen:[2]

Weitere Informationen Wirtschaftsfläche ca. in Tagwerk, Bezeichnung des Besitzers ...
HoffußWirtschaftsfläche
ca. in Tagwerk
Bezeichnung des Besitzers
11100 und mehrBauer oder Maier
1250–90Halbbauer oder Huber
1420–45Söldner
1812–18Gütler
1164–10Häusler
1422–3Leerhäusler
164< 1
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Im Landgericht Weilheim verfügte ein 11-Hof über 120 bis 180 Tagwerk.[3]

Im Erzstift Salzburg wurde teils nur nach Anwesen größer oder kleiner/gleich einer Sölde/Viertlacker unterschieden.

Durch Hofteilungen und -zusammenlegungen konnten auch andere Bruchzahlen entstehen. Im Ort war der Hoffuß allgemein bekannt und ist auch als Gesellschaftsstruktur anzusehen.[1]

Literatur

  • Rainer Beck: Jenseits von Euclid. Einige Bemerkungen über den „Hoffuß“, die Staatsverwaltung und die Landgemeinden in Bayern. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Nr. 53. C.H. Beck, München 1990, S. 697–742 (Digitalisat).
  • Reinhard Heydenreuter, Wolfgang Pledl, Konrad Ackermann: Hoffuß. In: Vom Abbrändler zum Zentgraf. Wörterbuch zur Landesgeschichte und Heimatforschung in Bayern. 3. Auflage. Volk Verlag, München 2010, ISBN 978-3-937200-65-1, S. 101.
  • Dietmar Stutzer: Der alte bayerische Hoffuß in der historischen Praxis der bäuerlichen Betriebsschätzung und -bewertung. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Nr. 42. C.H. Beck, München 1979, S. 285–304 (Digitalisat).
  • F.B.M. Wagner: Hoffuß. In: Churpfalzbayerisch gelehrt-decisives universales Gesetz-Lexikon. II. Theil. Pappenheim 1800, S. 792–797 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  • Franz Valentin Zillner: Über Haus und Hof im Salzburgischen. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Band 33, 1893, S. 145–163, hier S. 162 f. (Digitalisat [abgerufen am 16. Februar 2018]).

Einzelnachweise

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