Hohenzieritz

Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern From Wikipedia, the free encyclopedia

Hohenzieritz ist eine Gemeinde im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Süden Mecklenburg-Vorpommerns (Deutschland). Die Gemeinde wird vom Amt Neustrelitz-Land mit Sitz in der nicht amtsangehörigen Stadt Neustrelitz verwaltet. Bekannt ist Hohenzieritz mit seinem Schloss als Sterbeort der Königin Luise von Preußen.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
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Hohenzieritz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hohenzieritz hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 53° 27′ N, 13° 6′ O
Bundesland:Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Mecklenburgische Seenplatte
Amt: Neustrelitz-Land
Höhe: 85 m ü. NHN
Fläche: 20,54 km²
Einwohner: 444 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 22 Einwohner je km²
Postleitzahl: 17237
Vorwahl: 039824
Kfz-Kennzeichen: MSE, AT, DM, MC, MST, MÜR, NZ, RM, WRN
Gemeindeschlüssel: 13 0 71 066
Adresse der Amtsverwaltung: Marienstraße 5
17235 Neustrelitz
Website: www.amtneustrelitz-land.de
Bürgermeister: Peter Strobl[2]
Lage der Gemeinde Hohenzieritz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
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Geografie

Die Gemeinde Hohenzieritz liegt am Rande einer Endmoräne, die sich mit Höhen um 100 m ü. NN westlich des Tollense-Urstromtales hinzieht. Der Ortsteil Prillwitz liegt etwa 70 m tiefer am Westufer der Lieps, die durch eine sumpfige Zone vom Tollensesee getrennt ist und schon zur Stadt Neubrandenburg gehört. Das gesamte Lieps-Ufer ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Weitere Schutzgebiete im Gemeindegebiet sind die Naturschutzgebiete Rosenholz und Zippelower Bachtal sowie Ziemenbachtal. Hohenzieritz, etwa 25 km südlich von Neubrandenburg, ist jeweils etwa elf Kilometer von Neustrelitz und Penzlin entfernt.

Umgeben wird Hohenzieritz von den Nachbargemeinden Penzlin im Nordwesten, Neubrandenburg im Nordosten, Blumenholz im Südosten sowie Klein Vielen im Westen.

Der Ort liegt genau auf der Kippachse der postglazialen Landhebung. Seit dem Rückzug der letzten eiszeitlichen Gletscher „federt“ das ehemals von ihnen bedeckte Land (nordöstlich von Hohenzieritz) zurück, hebt sich also in winzigem Maße an. Das einst vor den Gletschern gelegene Land (im Südwesten), das einst durch deren Druck aufgewölbt wurde, sinkt hingegen in winzigem Maße wieder ab. Die Linie, an der sich beide Effekte ausgleichen, verläuft entlang der schleswig-holsteinischen Ostseeküste und von Nordwest nach Südost quer durch Mecklenburg, u. a. genau durch Hohenzieritz.[3]

Gemeindegliederung

Zu Hohenzieritz gehören die Ortsteile Prillwitz und Zippelow.

Geschichte

Die Orte Hohenzieritz (Cyrice) und Prillwitz (Priulbiz) werden im Jahre 1170 in einer Schenkungsurkunde erstmals urkundlich erwähnt, durch welche Fürst Kasimir von Pommern dem Bistum Havelberg etliche Dörfer zur Stiftung eines Klosters übereignete.[4][5] Damals gehörten die Orte zum Land Penzlin und waren unter den Gütern, mit denen Fürst Nikolaus von Werle 1274 die Brüder Hermann und Heinrich von Peckatel belehnte.[6]

Beide Ortsnamen sind slawischer Herkunft und von slawischen Personennamen abgeleitet (bei Hohenzieritz mit einem jüngeren deutschen Zusatz). Bei Hohenzieritz rekonstruierte Willich als ursprüngliche Form *Sirici, d. h. etwa „bei Sira’s Leuten“, nach einer Kurzform von Männernamen wie Siroslav. Bei Prillwitz liegt *Preľubici zugrunde, nach demselben Muster vom Männernamen Preľub abgeleitet.[7]

Hohenzieritz

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fiel der Ort als „erledigtes“ Lehen dem Landesherren Adolf Friedrich IV. zu, der Hohenzieritz seinem Bruder und Nachfolger Karl II. schenkte. Das vorhandene Herrenhaus in Hohenzieritz wurde im Auftrag des neuen Besitzers 1790 um ein Stockwerk erweitert, zum Schloß ausgebaut, durch weitere Nebengebäude ergänzt und der Hohenzieritzer Park angelegt. Seit seinem Regierungsantritt 1794 nutzte Karl das Schloss Hohenzieritz als Sommersitz. 1810 starb hier bei einem Familienbesuch nach längerem Krankenlager seine Tochter, Königin Luise von Preußen.

Prillwitz

Im 13. Jahrhundert wurde in Prillwitz eine Burg erbaut, sie stellte im Mittelalter das östliche Ende der Landhemme Isern Purt dar. Prillwitz wurde im Folgenden auch „Städeken Prilevitz“ genannt. Bis um 1300 standen die Ortschaften im Besitz des Domkapitels zu Havelberg. Danach wurden sie Spielball der Geschichte und wechselten oft die Besitzer. Als Lehnsherren werden in alten Schriften die Brüder Hermann und Heinrich von Peckatel, Achim von Heydebreke, von Blankenburg, von Maltzahn, von Bülow, von Behr, von Finkh und 1733 Hans Christian von Fabian genannt. Christoph August von Bredow wuchs nach dem Tod seines Vaters bei seinem Onkel Asmus Wilhelm von Bredow (* 4. Januar 1731 in Prillwitz; † 18. September 1799 in Markau), preußischer Landrat, auf Gut Prillwitz auf. Von 1887 bis 1889 wurde in Prillwitz das „Liepser Schlösschen“, das heutige Jagdschloss Prillwitz für Großherzog Adolf Friedrich V. erbaut.

Im 18. Jahrhundert hielt man den Prillwitzer Burgberg für die Lage des legendenumwobenen slawischen Heiligtums Rethra. Prillwitz wurde damit Zielort für Erkundungsreisen von Geschichtsinteressierten. Bekannt ist, dass 1766 der schottische Reiseschriftsteller Thomas Nugent deswegen Prillwitz besuchte und darüber in seinem Briefwerk Travels through Germany (1768) berichtete.[8]

Bald darauf wurde Prillwitz Namensbestandteil der Prillwitzer Idole, überwiegend im 18. Jahrhundert entstandene Bronzegüsse angeblich slawischer Gottheiten, die angeblich im Pfarrgarten von Prillwitz entdeckt worden sein sollen, sich aber später als geschickte Fälschungen Neubrandenburger Goldschmiede erwiesen. Um 1803 waren die Bronzen, inzwischen in herzoglichen Besitz gelangt, im Herrenhaus Prillwitz aufgestellt. Belegt ist, dass Caspar David Friedrich sie bei einem seiner Familienbesuche in Neubrandenburg hier gesehen und Einzelstücke gezeichnet hat.[9]

Zippelow

In Zippelow befand sich ein altes Kabinettgut,[10] zumeist in der Pachtvergabe. Gut Zippelow gehörte dann über Generationen zum Schloss Hohenzieritz. Letzter Eigentümer beider genannten Besitzungen war der noch nicht volljährige Ernst August Prinz zur Lippe (1917–1990), Sohn der Marie von Mecklenburg-Strelitz und ihres Ehemannes Julius Ernst zur Lippe-Biesterfeld,[11] mit Wohnsitz Dresden Villa zur Lippe. Gut Zippelow hatte 1927 einen Inhalt von 257 ha, davon 205 ha Acker. Ebenfalls befand sich am Gut ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb.[12]

Politik

Dienstsiegel

Die Gemeinde verfügt über kein amtlich genehmigtes Hoheitszeichen, weder Wappen noch Flagge. Als Dienstsiegel wird das kleine Landessiegel mit dem Wappenbild des Landesteils Mecklenburg geführt. Es zeigt einen hersehenden Stierkopf mit abgerissenem Halsfell und Krone und der Umschrift „GEMEINDE HOHENZIERITZ * LANDKREIS MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE“.[13]

Partnergemeinde

Sehenswürdigkeiten

Hohenzieritz

Alte Schmiede Hohenzieritz
Das Gebäude wurde 1823 von Friedrich Wilhelm Buttel erbaut und diente bis 1961 als Schmiede. Heute beherbergt es eine Heimatstube einschließlich einer Luisenkammer und wird ehrenamtlich betreut.
  • Rundkirche (ehemalige Schlosskirche)
Dieses Gebäude wurde 1806 im Auftrag Herzog Karls II. erbaut. Friedrich Wilhelm Dunckelberg führte den Auftrag aus. Den Eingang zieren ein Dreiecksgiebel und Halbsäulen dorischen Stils.
  • Kruggebäude
Das Kruggebäude wurde 1804 ebenfalls von Friedrich Wilhelm Dunckelberg erbaut.
  • Louiseneiche bei der Sandmühle mit einem Brusthöhenumfang von 7,50 m (2016).[14]

Prillwitz

Jagdschloss Prillwitz nach der Fertigstellung – historische Ansicht (Postkarte, um 1900)
  • Siedlungskammer aus slawischen Zeit
In der Lieps mehrere in der Slawenzeit besiedelte Inseln und die Halbinsel Nonnenhof. In diesem Gebiet vermutet man das legendäre Slawenheiligtum Rethra. Ein wissenschaftlicher Nachweis dafür gelang bisher jedoch nicht.
  • Jagdschloss Prillwitz (auch: Liepser Schlösschen)
Insel Kietzwerder in der Lieps bei Prillwitz
Das Jagdschloss Prillwitz direkt an der Lieps (Privatbesitz). Das Jagdschloss ist eingebettet in einen seit April 2009 rekonstruierten Landschaftspark.
  • Burgberg Prillwitz
Direkt am Friedhof des Dorfes befindet sich ein gewaltiger frühdeutscher Burgberg. Im Winter und Frühjahr kann man schon von Weitem dessen enorme Ausmaße erkennen. Oberhalb der Anlage finden sich Reste des Feldsteinfundaments. Die Anlage wurde direkt nach der Slawenzeit im 13. Jahrhundert errichtet und hat ein Oberflächenausmaß von 50 mal 70 Metern. Der Grundriss ist annähernd quadratisch.
  • Dorfkirche
Der ursprüngliche Backsteinbau stammt aus dem Mittelalter, wurde 1730 als Fachwerkbau umgebaut und erhielt 1893 einen Turm im neogotischen Stil. Ein Hosenbandorden ziert den Haupteingang.
Kapelle zum guten Hirten Prillwitz
  • Kapelle zum guten Hirten
Die Kapelle stiftete der Besitzer des Jagdschlosses. Sie wurde 2011 nach Entwürfen der Berliner Architekten Krieger + Mielke[15] aus mehr als 100 Jahre alten Klinkersteinen errichtet.[16]

Verkehrsanbindung

Nach Hohenzieritz gelangt man über Peckatel an der B 192 oder über Blumenholz an der B 96. Es bestehen gute Straßenanschlüsse in die umliegenden Städte Neubrandenburg, Penzlin, Neustrelitz und Waren (Müritz).

Die Anbindung an Neustrelitz wird unter der Woche mit den Linienbussen der MVVG sichergestellt. In Neustrelitz befindet sich auch der nächste Bahnhof, gelegen u. a. an der Strecke Berlin–Rostock.

Persönlichkeiten

Prillwitz

  • Henning August von Bredow (1774–1832), mecklenburg-strelitzscher Oberforstmeister, preußischer Landrat und Gutsbesitzer, sächsischer Winzer und Önologe
  • Eva Rechlin (1928–2011), deutsche Schriftstellerin

Literatur

  • Gemeinde Hohenzieritz (Hrsg.): Hohenzieritz, Prillwitz und Zippelow im Wandel der Zeiten. Hohenzieritz 2002. DNB 1001339177
  • Erwin Schulz: Ortsnamen in Mecklenburg-Strelitz von 1170 bis 1572. In: Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde; 6, Hrsg. Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Selbstverlag, Greifswald 2004, ISBN 3-86006-218-2, u. a. S. 39.

Einzelnachweise

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