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Hohes Haus (Meran)

Bauwerk in Meran From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Hohe Haus, auch Hochhaus, Haus an der Platten, Haus unter dem Kofl, Ortensteinhaus bzw. Ansitz Ortenstein[1], gilt als eines der ältesten Gebäude der Kurstadt Meran in Südtirol. Im Kern bildet das Anwesen einen spätmittelalterlichen Wohnturm. Das Hohe Haus war das alte Gerichtshaus von Meran. Am 20. Juni 1980 erfolgte die Unterschutzstellung von Seiten des Südtiroler Landesdenkmalamtes.

Hohes Haus in Meran

Lage und Funktion

Gesamtansicht
Der Pulverturm der Burgruine Ortenstein
Wappenfresken und die Jahreszahl "AD 1530" am äußeren Fassadenerker
Gotische Spitzbogentür

Das Hohe Haus liegt am inneren Passeirer Tor, am oberen Ende des historischen Steinachviertels, in der Passeirer Gasse Nr. 9 bis 11. Das äußere Passeirer Tor diente seit dem Mittelalter zur Kontrolle des Passeiertales und war Ausgangspunkt wichtiger Handelswege über den Jaufenpass und das Timmelsjoch.[2] Als ältestem Stadtquartier entwickelte sich aus Steinach ab dem 13. Jahrhundert die Meraner Altstadt.[3] Der Name Steinach dürfte sich von der steinreichen Ache der Passer ableiten, aus der vielleicht auch das Baumaterial bezogen wurde. Ein Bogen mit einem eingemauerten römischen Merkurkopf verbindet das Hohe Haus mit der Burgruine Ortenstein, gelegen auf einem Felsvorsprung des Küchelberges. Örtliche Bodenfunde verweisen auf die Anwesenheit der Römer. Nach älterer Auffassung bestand an der Stelle der Burg Ortenstein das "castrum majense".[4] Nach heutigem Wissensstand befand sich das römische Heerlager jedoch auf dem nahen Gelände der Zenoburg.[5] Von Burg Ortenstein blieb nur der Bergfried erhalten, der später als Pulverturm in die Stadtbefestigung einbezogen wurde.

Das Hohe Haus bildet im Kern einen spätmittelalterlichen Wohnturm, früher auch als Hochhaus bzw. Haus an der Platten oder Turmhaus, 1362 als „Haus unter dem Kofl“ bezeichnet. Wie die Urkunden des Archives Dornsberg belegen, war das Hohe Haus das alte Gerichtshaus von Meran, wo Gerichtsverhandlungen stattfanden.[6] Zudem war dort die Säckelwarte des Herzogs Friedrich mit der leeren Tasche untergebracht.[7] Zeitweise residierte auf Ortenstein auch der Burggraf von Tirol.[8] Womit aber ebenfalls das Schloss bzw. Burg Ortenstein gemeint sein könnte.[9] Das Hochhaus sowie das gegenüber liegende Weinhaus mit Keller umfassten dem Schriftsteller Beda Weber zufolge den ehemaligen Ansitz Ortenstein. 1530 erfolgte ein Umbau des Hohen Hauses im Renaissancestil. Am 23. Januar 1809 war im Hochhaus die französische Hauptwache stationiert, als der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer unter dem Kommando des Kapitäns Renuard, nach seiner Gefangennahme in der Pfandler Hütte, nach Meran gebracht wurde.[10]

Besitzerfolge

Vom Hohen Haus übernahm, laut dem Schriftsteller Beda Weber, das Briefadelsgeschlecht der Hohenhauser (von und zu Tierburg) seinen Namen.[11][12][13] Am 9. Mai 1327 quittierte Pinella von Riffian dem Heinrich von Annenberg ein verkauftes Weingut bei Bezzan, gelegen über dem Schloss Ortenstein (also vermutlich im Hohen Haus). Darauf stellte Heinrich von Kärnten am 12. Dezember 1330 dem Burggrafen Volkmar von Burgstall einen Schuldschein aus und verwies ihn auf das Burggrafenamt und die Behausung zum Ortenstein, die er zur Sicherstellung annahm.[14][15] Laut Pfandbrief von 1349, brachten die Brüder Hans und Friedrich von Greifenstein das Haus Ortenstein „ober dem Passeirer Thore“ an sich. 1443 schenkte der Meraner Bürger Heinrich Kneisl das Hochhaus im Stadtviertel Steinach dem Dominikanerinnenkloster zu Maria Steinach.[16]

Auf Grund Feindesbedrohung schloss man 1498 die vier Stadttore, darunter auch Ortenstein, wozu jeder am Tor Anwohnende ein Schlüssel hatte. 1615 besaß das Ortensteinhaus eine Person namens Lacharding. Nachfolgend gehörte das „Haus unter dem Kofl zu Ortenstein“ Hans Greif sowie den Personen Barth und Janegger. Der 1664 in einem Streit um eine Wiese mit dem Ratsbürger Egghofer erwähnte Johann Travers „zu Ortenstein“ und Rametz, dürfte das Prädikat nicht, wie der Historiker Cölestin Stampfer angab, von dem Hohen Haus unter der Burg Ortenstein geführt haben, sondern von Schloss Ortenstein in Graubünden. 1772 erscheint als Besitzerin des Hohen Hauses Anna Hartmann. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Haus in zwei Teile geteilt, die westliche Hälfte gehörte einem Tischler Pircher und die östliche Hälfte mit Garten der Witwe von Anton Hartmann.[17] Das Anwesen befindet sich heute in Privatbesitz.[18]

Siehe auch

Commons: Hohes Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Eintrag im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts

Einzelnachweise

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