Holy-Ghost-Mission

älteste Missionsstation Ostafrikas From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Holy-Ghost-Mission (auch Old Catholic Church of Bagamoyo) in der tansanischen Küstenstadt Bagamoyo gilt als die älteste römisch-katholische Missionsstation in Ostafrika und eine der ältesten katholischen Missionsgründungen auf dem afrikanischen Festland. Ihre Gründung geht auf Mitglieder der Ordensgemeinschaft der Spiritaner zurück, die sich hier 1868 gegen den Widerstand der einheimischen Zaramo-Bevölkerung niederließen. Zu dem kirchlich bestimmten Komplex befindet sich auch ein kleines Museum, das der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Missionierungstätigkeit, die von hier ausging, ist eng mit dem ostafrikanischen Sklavenhandel im 19. Jahrhundert verbunden.[1]

Der Turm der ersten Kirche in Bagamoyo, gezeichnet von Alexandre Le Roy. Der Turm wird heute „Dr. Livingstones Turm“ genannt.

Geschichte

Die Mission wurde 1868 unter Leitung des französischen Missionars Antoine Horner (1827–1880) gegründet. Das Gelände wurde der Mission von lokalen Autoritäten mit Zustimmung des Sultans von Sansibar, Majid bin Said, überlassen. Bagamoyo war zu dieser Zeit ein bedeutender Handels- und Verkehrsknotenpunkt an der Swahili-Küste des Indischen Ozeans und zugleich ein wichtiges Zentrum des ostafrikanischen Sklavenhandels.[2]

Die erste Kirche entstand 1872 in einfacher Bauweise. Internationale Bekanntheit erlangte die Mission 1874, als der Leichnam des schottischen Afrikaforschers David Livingstone nach seinem Tod in Zentralafrika vorübergehend in Bagamoyo aufgebahrt wurde, bevor er weiter nach Sansibar und Großbritannien überführt wurde.[3]

Jüngstes Kirchengebäude von 1910, Aufnahme: Januar 2011

1892 wurde das Missionsgelände durch eine Schenkung des wohlhabenden muslimischen Kaufmanns Sewa Hadji erheblich erweitert. Zwischen 1910 und 1914 entstand die heutige Hauptkirche aus behauenen Korallensteinen in romanisierendem Stil, die den älteren Bau ersetzte.[4][5]

Funktion und Kontext

Neben ihrer religiösen Funktion diente die Mission als Bildungs- und Versorgungszentrum, insbesondere für freigekaufte und geflohene Sklaven. In der Nähe der Missionsanlage entstand ein sogenanntes „Freedom Village“, in dem ehemalige Sklaven Unterkunft, handwerkliche Ausbildung und religiöse Unterweisung erhielten. Diese Aktivitäten standen im Zusammenhang mit zeitgenössischen christlichen abolitionistischen Bewegungen, sind jedoch zugleich in den kolonialen und missionarischen Kontext des späten 19. Jahrhunderts einzuordnen.[6]

Die Mission spielte damit eine ambivalente Rolle: Einerseits bot sie Schutz und soziale Unterstützung, andererseits war sie Teil der europäischen Missions- und Einflussgeschichte in Ostafrika, die eng mit politischen und kulturellen Transformationsprozessen verbunden war.[7]

Die Holy-Ghost-Mission ist heute ein geschütztes Kulturdenkmal und Bestandteil des historischen Ensembles von Bagamoyo, das seit mehreren Jahren als Kandidat für die UNESCO-Welterbeliste geführt wird. Auf dem Gelände befinden sich neben der Kirche ein kleines Museum, ehemalige Missionsgebäude sowie ein Friedhof früher Missionare. Die Anlage ist zugleich religiöser Erinnerungsort, historisches Denkmal und touristische Sehenswürdigkeit.[8]

Gebäude und Anlagen auf dem Missionsgelände

Zum Missionskomplex der Holy-Ghost-Mission in Bagamoyo gehören beziehungsweise gehörten mehrere eigenständige Gebäude und bauliche Anlagen, die unterschiedliche religiöse, soziale und administrative Funktionen erfüllten:

  • Erste Missionskirche (1872)
Früher Kirchenbau der Mission aus dem Jahr 1872. Nur der Turm dieses Gebäudes ist noch erhalten und wird in der Überlieferung mit der Aufbahrung des Leichnams von David Livingstone genannt. Beim Überbringen des Leichnams am nächsten Morgen sollen 700 Sklaven dem schottischen Missionar und Entdecker die letzte Ehre erwiesen haben.
  • Heutige Hauptkirche (1910–1914)
Größere Kirchenanlage aus behauenen Korallensteinen, errichtet zwischen 1910 und 1914, die den älteren Kirchenbau ersetzte und bis heute als Pfarrkirche genutzt wird.
  • Old Fathers’ House
Mehrgeschossiges Missionshaus, das ursprünglich als Wohn- und Arbeitsgebäude für die Missionare der Kongregation vom Heiligen Geist diente.
  • Sisters’ House
Ehemaliges Wohnhaus der Missionsschwestern; das Gebäude beherbergt heute ein kirchliches Museum zur Geschichte der Mission und der Region.
  • Missionsfriedhof
Begräbnisstätte für Missionare und Ordensangehörige, die auf dem Gelände der Mission tätig waren.
  • Grotte
Religiöse Andachtsstätte, die nach zeitgenössischen Berichten von ehemaligen Sklaven errichtet wurde und später als Gebets- und Erinnerungsort diente.
  • Kreuz am Meer
Großes Kreuz in Küstennähe, das an die Gründung der Mission erinnert und Teil des erweiterten Missionsareals ist.

Darüber hinaus befanden sich im weiteren Umfeld der Mission zeitweise zusätzliche Einrichtungen wie Schulgebäude, Werkstätten, Unterkünfte für ehemalige Sklaven sowie medizinische Einrichtungen, die jedoch nicht alle als eigenständige, heute noch klar identifizierbare Bauwerke erhalten sind.

Commons: Holy-Ghost-Mission – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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