Homilie
Vers-für-Vers-Auslegung
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Der Begriff Homilie [] (lateinisch homilia; von griechisch ὁμιλεῖν homilein „vertraut miteinander umgehen, vertraut miteinander reden“[1]) bedeutet so viel wie „Gespräch, Rede, Unterricht“.
Oft werden die Begriffe Homilie und Predigt synonym verwandt. Homilie und Predigt haben jedoch unterschiedliche Absichten und Zielgruppen. Während eine Predigt die Großtaten Gottes preist (lateinisch praedicare „preisen“) und Menschen für den Glauben begeistern und Nichtgläubige für den Glauben gewinnen will, hat die Homilie einen mystagogischen und unterweisenden Charakter für Gläubige.[1]
Die Homiletik als Wissenschaft beschäftigt sich mit der Lehre von der Homilie bzw. Predigt. Als Homiliar(ium) oder Panegyrikon wird eine Sammlung bibelerklärender Predigten bezeichnet.
Römisch-katholische Kirche
Grundsätzliche Regelung
In der römisch-katholischen Kirche bezeichnet Homilie die Predigt innerhalb der Heiligen Messe, in der die vorgetragenen biblischen Lesungen ausgelegt werden. Nach geltendem Kirchenrecht unterscheidet sie sich von jener Predigtform, die außerhalb der Messfeier gehalten wird und für die „nach Maßgabe der Vorschriften der Bischofskonferenz Laien zugelassen werden, wenn das unter bestimmten Umständen notwendig oder in Einzelfällen als nützlich angeraten ist.“[2][3][4] An Sonntagen und gebotenen Feiertagen ist die Homilie in allen Messen, die mit Beteiligung des Volkes gefeiert werden, verbindlicher Bestandteil der Liturgie; sie darf nur aus schwerwiegendem Grund entfallen. An anderen Tagen wird sie empfohlen.[5][6]
Bekannt sind etwa die Evangelienhomilien[7] (Homiliae in Evangelia) des Papstes Gregor.
Wegen der engen Verknüpfung der Homilie mit dem Weihesakrament und den daraus resultierenden Ämtern des Lehrens und Heiligens ist sie ausschließlich dem Bischof, Priester oder Diakon vorbehalten (can. 767 CIC ). Demgemäß ist die Homilie ein Wesensbestandteil des kirchlichen Lehramtes (Munus docendi) und primär Aufgabe des Bischofs.[8][9] Dies wird auch in der Liturgie deutlich, wenn er bei der Homilie die Mitra mit den zwei Vittae trägt. Diese weisen symbolisch auf die Vollmacht hin, das Alte und das Neue Testament getreu der Überlieferung auslegen zu können.[10]
Ignorieren des Verbots
Seit dem Jahr 2000 ignorieren Teilgemeinden der deutschen Bistümer verstärkt die kirchenrechtliche Regelung. Im September 2020 hielten erstmals im Bistum Osnabrück auch Frauen Homilien in der Heiligen Messe. Dies geschah mit Unterstützung des Diözesanbischofs Franz-Josef Bode, der in diesem Kontext für eine subjektive Neuinterpretation des katholischen Kirchenrechts plädierte.[11] Mittlerweile sind in vielen deutschsprachigen Bistümern Frauenpredigten schon heute kirchenrechtswidrige Normalität und werden auch veröffentlicht.
Zunehmend werden sie es auch im restriktiv-konservativen Erzbistum Köln. Hier lassen drohende persönliche Konsequenzen noch immer manchen Priester davor zurück schrecken, den Ambo einer Frau für die Predigt zu überlassen. Aktionen von Frauenverbänden wie der KfD[12] (zum Tag der Apostelin Junia am 17. Mai) oder Berufsverbänden („Weil wir es können! Pastoral- und Gemeindereferent:innen im Erzbistum Köln predigen“) zeigen aber, dass sich auch im Erzbistum Köln die Realität wandelt; so haben beispielsweise an den beiden letzten Oktober-Wochenenden 2022 in 50 Messen Laien im Erzbistum gepredigt, davon 39 mal Frauen (78 %).[13]
Bemühung um Legalisierung der Laienpredigt
Das vatikanische Verbot der Laienpredigt (Homilie), das vor allem Frauen trifft, war auch Gegenstand der Beratungen des Synodalen Weges in Deutschland. In seinem Handlungstext Verkündigung des Evangeliums durch beauftragte Getaufte und Gefirmte in Wort und Sakrament[14], dem fast 90 % der Bischöfe zugestimmt haben, wird 2023 gefordert, dass „die Homilie entsprechend der vom Ortsordinarius erkannten pastoralen Erfordernisse durch theologisch wie geistlich qualifizierte Gläubige, die vom Bischof beauftragt sind, übernommen werden kann.“ (Nr. 3). Dementsprechend hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, eine eng begrenzte Ausnahme vom Verbot (Indult) beantragt.[15] Dies wurde vom Vatikan 2026 abgelehnt.[16][17]
Die vatikanische Ablehnung stößt auf breite Kritik in Deutschland. Sowohl Theologen[18][19] als auch Laienvertretungen[20][21][22] halten das uneingeschränkte Fortbestehen des Verbots der Laienpredigt für wirklichkeitsfremd und der seelsorgerischen Situation – angesichts des wachsenden Priestermangels – für völlig unangemessen. Für das ZdK zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands ist die abschlägige Antwort aus Rom „eine grosse Enttäuschung“.[23] Mit dem Ausschluss der Frauen von zentralen Aufgaben und Diensten nehme die Kirche „wie selbstverständlich grundlegende Ungerechtigkeit in den eigenen Reihen in Kauf“, kritisiert die KfD.[24]
Evangelische Kirchen
In den evangelischen Kirchen versteht man unter einer Homilie eine den biblischen Text nacherzählende Predigt. Rudolf Bohren bezeichnet in seiner Predigtlehre die Homilie als die bevorzugte Gestalt der Schriftpredigt, im Unterschied zur Themapredigt.[25]
Weblinks
- Papst Franziskus über die Homilie in Evangelii Gaudium: (Absätze 135–159, ab Seite 122)