Hoplocryptanthus

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Hoplocryptanthus ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa zehn Arten kommen hauptsächlich im östlichen Brasilien vor.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Hoplocryptanthus

Hoplocryptanthus glaziovii

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Bromelioideae
Gattung: Hoplocryptanthus
Wissenschaftlicher Name
Hoplocryptanthus
(Mez) Leme, S.Heller & Zizka
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Beschreibung

Herbarbeleg von Hoplocryptanthus glaziovii

Vegetative Merkmale

Hoplocryptanthus-Arten wachsen als immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Sie wachsen lithophytisch.[1] Je nach Art ist die Sprossachse gestaucht oder relativ lang ausgeprägt. Zur vegetativen Vermehrung entwickeln sich Kindel.[1]

Die in grundständigen Rosetten oder an den Sprossachsen verteilt angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und -spreite gegliedert.[1] Die Blattscheiden sind unauffällig.[1] Die ledrigen, derben, parallelnervigen, gleichmäßig gefärbten Blattspreiten sind lanzettlich bis fast-linealisch, nicht oder nur etwas an ihrer Basis verschmälert, mit geradem Blattrand und bewehrt.[1]

Generative Merkmale

Die zusammengesetzten oder selten einfachen Blütenstände haben stark gestauchte Sprossachsen und so sitzen alle unscheinbaren Blüten in einem „Köpfchen“ zusammen in der Mitte der Blattrosette oder am Ende der Sprossachsen. In den schirmrispigen Blütenständen sind in den unteren abgeflachten bis geringfügig kissenbildenden Bündeln jeweils zwei bis fünf sitzende oder kurz gestielte Blüten angeordnet.[1] Die unteren Tragblätter sind laubblattähnlich.[1] Die häutigen Deckblätter sind eiförmig-dreieckig und bis zu gleich lang wie die Kelchblätter.[1]

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Falls eine Blütenbecher ausgebildet ist, dann ist er unscheinbar.[1] Die drei Kelchblätter sind von ihrer Basis an 1/5 bis 1/2 ihrer Länge verwachsen.[1] Die drei meistens weißen, manchmal grünlichen, fast aufrechten bis wenigsten am oberen Bereich während der Anthese spreizenden Kronblätter sind von ihrer Basis an für 1/10 bis 1/3 ihrer Länge verwachsen oder selten vollständig frei, 2,5- bis 4-mal länger als breit, breit-elliptisch-eiförmig oder selten schmal-spatelförmig. Wenn die Kronblätter ausgebreitet sind, dann sind die Staubblätter zu sehen. Es sind keine Anhängsel an den Kronblättern vorhanden.[1] Es sind zwei Kreise mit je drei mehr oder weniger aufrechten Staubblättern vorhanden. Die gleich langen Staubfäden sind meist mit der Basis der Kronblätter verwachsen und bilden eine gemeinsame Struktur mit den Kronblättern und dem Griffel; selten sind sie frei oder es kommt auch vor, dass sie hoch über dieser gemeinsamen Struktur mit den Kronblättern verwachsen sind. Die weißen bis grünlich-gelben Staubbeutel sind schmal-länglich und deutlich zweilappig an ihrer Basis, aber nicht seitlich abgeflacht; sie sind während der Anthese gerade oder leicht zurückgekrümmt.[1] Die Pollenkörner sind sulcat, oblat, etwa 50 μm, meist micronetzartig oder manchmal perforat oder netzartig; das Reticulum ist feinmaschig und der Sulcus ist spärlich mit kleinen Exineelementen bedeckt und die Begrenzung sind schwach ausgebildet.[1] Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, fast-ellipsoiden bis fast-kugeligen Fruchtknoten verwachsen und enthält viele Samenanlagen. Die Samenanlagen sind kugelig mit mehr oder weniger stumpf-bespitztem Ende.[1] Die weißen oder selten grünlich-gelben, schwach dreilappigen Narben erreichen die Höhe der Staubbeutel oder sind deutlich länger; sie sind zylindrisch und die Narbenlappen sind schwach-aufrecht sowie meist löffelförmig mit fein-gekerbten Rand.[1]

Die Blütenformel lautet .

Die bei Reife grünen bis zum oberen Ende hin grünlichen und zu ihrer Basis hin weißlichen Beeren sind 6 bis 10 Millimeter lang sowie 5 bis 8 Millimeter breit und enthalten 35 bis 75 Samen. An der Frucht sind die haltbaren Kelchblätter vorhanden, die sind meist etwas kürzer bis gleich lang wie die Frucht oder bis zu 1,4-mal länger wie diese.[1] Die Samen sind 1,5 bis 2 Millimeter lang sowie 0,7 bis 1,5 Millimeter breit.[1]

Ökologie

Die tagsüber geöffneten, zwittrigen Blüten duften.[1] Es liegt Homogamie vor; männliche und weibliche Blütenorgane sind während der Anthese gleichzeitig reif.[1]

Standorte

Die meisten Hoplocryptanthus-Arten gedeihen nur auf oder über eisenhaltigen Quarzitgesteinen in der „Campos Rupestres“-Vegetation.[2] Es sind überwiegend lithophytisch lebende Arten.

Systematik und Verbreitung

Die Erstveröffentlichung des Namens Hoplocryptanthus erfolgte 1881 durch Carl Christian Mez als Untergattung Cryptanthus subgen. Hoplocryptanthus Mez in Bromeliaceae (part 1) in C. F. P. von Martius: Flora Brasiliensis, Band 3, 3, F. Fleischer, Leipzig, Seite 202.[3][4] Typusart ist Cryptanthus glaziovii Mez. Synonyme für Hoplocryptanthus Otto & A.Dietr. sind: Pholidophyllum Visiani, Madvigia Liebmann, Eucryptanthus Mez (seit 2017 eine Untergattung Cryptanthus subgen. Eucryptanthus Mez).[4] Der Gattungsname Hoplocryptanthus leitet sich vom altgriechischen Wort hoplon für „Waffe“ oder „Armor“, dies bezieht sich auf die bewehrten Laubblätter, und dem Gattungsname Cryptanthus ab. Der Gattungsname Cryptanthus setzt sich aus den altgriechischen Wörtern kryptós κρυπτός für „versteckt, verborgen“ und ánthos für „Blüte, Blume“ zusammen und bezieht sich auf die zwischen den Laubblättern versteckten Blüten. Typusart ist Hoplocryptanthus glaziovii (Mez) Leme, S.Heller & Zizka. Seit Elton M. C. Leme, Sievert Heller und Georg Zizka 2017 in New circumscription of Cryptanthus and new Cryptanthoid genera and subgenera (Bromeliaceae: Bromelioideae) based on neglected morphological traits and molecular phylogeny. in Phytotaxa, Volume 318, Issue 1, 2017 Seite 62 hat Hoplocryptanthus den Rang einer Gattung im Cryptanthoid-Komplex der Unterfamilie Bromelioideae. Diese Abtrennung wird damit begründet, dass sich molekulare Phylogenetik, Samenanatomie, Pollen- sowie Blütenmerkmale von Hoplocryptanthus und Cryptanthus deutlich unterscheiden.[1]

Die Areale der Hoplocryptanthus-Arten liegen nur im östlichen Brasilien.

Es gibt seit 2025 etwa zehn Hoplocryptanthus-Arten:[1][5][4]
  • Hoplocryptanthus caracensis (Leme & E.Gross) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus caracensis Leme & E.Gross): Die Erstbeschreibung erfolgte 1992 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und diese Neukombination 2017. Sie gedeiht terrestrisch unter xerophytischen Bedingungen zwischen Felsaufschlüssen in der für die sogenannte „rupestral fields“ typischen offenen krautigen oder strauchigen Vegetation in Höhenlagen oberhalb von 1000 Metern.[4]
  • Hoplocryptanthus ferrarius (Leme & C.C.Paula) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus ferrarius Leme & C.C.Paula): Die Erstbeschreibung erfolgte 2006 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und diese Neukombination 2017. Sie gedeiht terrestrisch in der „Campos Rupestres“-Vegetation in Höhenlagen von 1000 bis 1220 Metern.[4]
  • Hoplocryptanthus glaziovii (Mez) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus glaziovii Mez): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht terrestrisch in Höhenlagen von 1400 bis 1600 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.[4]
  • Hoplocryptanthus knegtianus O.B.C.Ribeiro & Lem: Die Erstbeschreibung erfolgte 2020 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Sie gedeiht lithophytisch in kleinen Gruppen in Ansammlungen von organischen Material in Felsspalten von mehr oder weniger senkrechten Quarzitfelsen verteilt im „Campos Rupestres“ in einer Höhenlage von etwa 750 Metern.[4]
  • Hoplocryptanthus lavrasensis (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus lavrasensis Leme): Sie wurde 2007 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und diese Neukombination 2017. Sie gedeiht terrestrisch in einer offenen „Campos Rupestres“-Vegetation in Höhenlagen von etwa 1300 Metern und wurde bisher nur in Ouro Preto, Lavras Novas gefunden.[4]
  • Hoplocryptanthus regius (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus regius Leme): Die Erstbeschreibung erfolgte 2007 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und diese Neukombination 2017. Sie gedeiht lithophytisch auf Felsen im „Campos Rupestres“ in einer Höhenlage von etwa 1000 Metern und wurde bisher nur in der Serra de Sao Jose in der Nähe von Marco Zero da Estrada Real gefunden.[4]
  • Hoplocryptanthus schwackeanus (Mez) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus schwackeanus Mez): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht lithophytisch oder terrestrisch an offenen Felshängen und in Gipfelbereichen in den brasilianischen Bundesstaaten Minas Gerais sowie São Paulo.[4]
  • Hoplocryptanthus serrapiresensis Leme, J.L.Lobo, O.B.C.Ribeiro & A.P.Gelli: Die Erstbeschreibung erfolgte 2025 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Sie gedeiht lithophytisch auf Itabirit-Felsbrocken in einer Höhenlage von etwa 1280 Metern. Sie wurde bisher nur in der Serra do Pires gefunden, einem Gebiet das durch Bergbau stark verändert wird, deshalb ist diese Art als CR = „Critically Endangered“ = „vom Aussterben bedroht“ bewertet.[2][4]
  • Hoplocryptanthus tiradentesensis (Leme) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Cryptanthus tiradentesensis Leme): Die Erstbeschreibung erfolgte 2007 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und diese Neukombination 2017. Sie gedeiht lithophytisch zwischen Felsen, teilweise durch Sträucher beschattet bis in voller Sonne auf den blanken Felsen, in der „Campos Rupestres“-Vegetation in Höhenlagen von 700 bis 1200 Metern.[4]
  • Hoplocryptanthus vidaliorum (O.B.C.Ribeiro & C.C.Paula) Leme, S.Heller & Zizka (Syn.: Orthophytum vidaliorum O.Ribeiro & C.C.Paula, Lapanthus vidaliorum (O.B.C.Ribeiro & C.C.Paula) Louzada & Wand.): Die Erstbeschreibung erfolgte 2010 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und diese Neukombination 2017. Sie gedeiht lithophytisch auf Quarzitaufschlüssen im „Campos Rupestres“ in einer Höhenlage von etwa 1470 Metern.[4]

Quellen

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