Horst Borgmann
deutscher Reserveoffizier, Geodät, Bauingenieur und Theologe
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Horst Uwe Martin Borgmann (* 5. Juni 1942 in Dresden) ist ein deutscher Reserveoffizier, Geodät, Bauingenieur und Theologe. Er gilt als einer der Repräsentanten der flächenhaften Berechnung im Liegenschaftskataster durch Ausgleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate.

Leben
Werdegang
Nach Schulbesuch in Lindow (Mark) und nach Ablegen der Reifeprüfung in Berlin trat Borgmann am 1. April 1963 als Soldat auf Zeit und Offizieranwärter in das Pionierbataillon 11 der Bundeswehr in Dörverden-Barme ein. Er legte 1965 die Offizierprüfung an der Offizierschule 1 in Hannover ab und wurde zum Leutnant befördert. Nach Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 1966 wurde er 1972 zum Hauptmann der Reserve ernannt.
Ab 1966 studierte Borgmann Vermessungswesen an der Technischen Universität Berlin. Die Diplom-Hauptprüfung legte er 1969 ab. Anschließend studierte er Bauingenieurwesen in der Studienrichtung Bau- und Raumplanung, ebenfalls an der Technischen Universität Berlin. Dieses Studium schloss er 1973 mit Ablegen der Diplom-Hauptprüfung ab.
Von 1970 bis 1974 war er als wissenschaftlicher Assistent zunächst am Lehrstuhl für Geodäsie und Landesvermessung (Fritz Hunger), später am Fachgebiet Geodäsie und Ingenieurvermessung tätig. 1974 wurde er am Fachbereich Gesellschafts- und Planungswissenschaften der Technischen Universität Berlin zum Doktor-Ingenieur promoviert.
1974 trat er in den Vorbereitungsdienst für den Höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst beim Senator für Bau- und Wohnungswesen in Berlin ein. Mit Ablegen der Großen Staatsprüfung wurde er 1976 zum Vermessungsassessor ernannt.
Von 1977 bis 1994 leitete Borgmann das Vermessungsamt des Bezirksamtes Wilmersdorf von Berlin. Auf eigenen Wunsch schied er 1995 aus und wurde zum Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur in Berlin bestellt. Im Jahr 2013 gab er seine Bestellung zurück.
Geodät
Lehrtätigkeit
Ab 1989 hat Borgmann zunächst als Lehrbeauftragter, später als Honorarprofessor, Liegenschaftskataster und öffentliches Vermessungswesen im Studiengang Vermessungswesen an der Technischen Universität Berlin gelehrt. Im postgradualen Masterstudiengang an der Technischen Universität Berlin hat er Wertermittlung gelehrt. Er hat zahlreiche Studierende und Doktoranden bis zu ihrer Prüfung wissenschaftlich betreut und begleitet.
Durch die politische Wende erweiterte sich Borgmanns Lehrtätigkeit. Die Leitsätze zu den Staatsverträgen sahen vor, dass die DDR zur Planungs- und Investitionssicherheit Rechtsgrundlagen schaffen sollte, die dem Baugesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland entsprechen. Borgmann hat, beginnend ab September 1990, Fachleute aus der DDR in „Aufgaben im Vermessungs- und Liegenschaftswesen unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen“ an der Technischen Universität Berlin ausgebildet.[1][2]
Seit 1990 hat Borgmann als Vorsitzender des Deutschen Vereins für Vermessungswesen, Landesverein Berlin-Brandenburg e. V., in monatlich veranstalteten „Geodätischen Kolloquien“ und Seminaren an der Technischen Universität Berlin, am GeoForschungsZentrum Potsdam und an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus zu umfangreichem Wissenstransfer beigetragen.
Spannungsfreies Katasterzahlenwerk durch Ausgleichungsrechnung nach der Methode der kleinsten Quadrate
Die geschichtliche Entwicklung des vermessungstechnischen Teils des Liegenschaftskatasters und der aus diesem Teil abgeleiteten Flurkarte hat dazu geführt, dass im Lauf der Zeit eine Gewichtsverschiebung von der Karte zur Zahl stattgefunden hat. Bei der liegenschaftsrechtlichen Wirkung steht heute die Zahl, nicht die Flurkarte im Vordergrund.
Benning[3], Borgmann, Gründig und Hoffmann schlagen vor, statt der geodätischen Einzelpunkteinschaltung den Datensatz des Katasterzahlenwerks durch flächenhafte Ausgleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate zu berechnen.[4] Die Vorteile liegen in der Automatisierbarkeit des Rechenprozesses und der gleichzeitigen Verwendung aller Information zur Lokalisierung von Ausreißern.[5] Automatisiert und mit integrierter Fehlererkennung ist die Ausgleichung jeder geodätischen Standardberechnung hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Überprüfbarkeit überlegen.[6] Alle Beobachtungen werden gleichzeitig in Betracht gezogen und bei Anwendung geeigneter Suchverfahren werden Fehler systematisch eingekreist, gefunden und eliminiert – beziehungsweise werden Vorschläge zur eliminierung gemacht[7].
Initiative zu einer neuen Fachgesetzgebung
Landesvermessung und Liegenschaftskataster liefern nur gemeinsam und integriert verbindliche raumbezogene Basisdaten, welche zur Realisierung dieser Ziele zwingend erforderlich sind.[8] Es wird daher ein verbindliches Basisinformationssystem des Landes vorgeschlagen. Die Führung dieses Informationssystems – nicht die getrennte Aufgabenwahrnehmung von Landesvermessung und Liegenschaftskataster – ist Aufgabe des öffentlichen Vermessungswesens.
Internationale Tätigkeit
- 1999–2000 FAO Food- and Agricultural Organization, United Nations, Rome: Ermittlung landwirtschaftlicher Produktionsleistungen der Republik Slowenien als Grundlage für Beitrittsverhandlungen zwischen der Republik Slowenien und der Europäischen Union.
- 2002 Beratung bei der Vorbereitung des Bodenkodex mit Schwerpunkt „Gesetzliche Absicherung der Hypotheken, ihre Wertermittlung und Monitoring“, Föderationssowjet, Moskau, Russische Föderation
- Seit 2002 Mitglied der Staatlichen Sibirischen Akademie für Geodäsie und Kartographie, Novosibirsk, Russische Föderation
- 2005 Mitglied des IGFB – International Geodetic Faculty Board – RICS Royal Institution of Chartered Surveyors London, Vereinigtes Königreich
Theologe
Ausbildung
2002 wurde Borgmann als Lektor im Evangelischen Kirchenkreis Templin-Gransee ausgebildet. Im Jahr 2004 nahm er ein wissenschaftliches Fernstudium der Theologie beim KFU – Kirchlichen Fernunterricht der Kirchenprovinz Sachsen auf, welches er 2006 erfolgreich abschloss. 2007–2008 wurde er beim Amt für Kirchliche Dienste der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zum Prädikanten ausgebildet. Seine Berufung erfolgte 2008 durche den Evangelischen Kirchenkreis Oberes Havelland. Mit der Berufung sind das Recht der freien Wortverkündung und die Sakramentsverwaltung verbunden.
Eine Ausbildung zum Notfallseelsorger erhielt er 2010 in der Evangelischen Kirchenprovinz Mitteldeutschland.
Kloster Lindow
2009 wurde Borgmann vom Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zum Vorsitzenden des Stiftskapitels des Evangelischen Stifts Kloster Lindow berufen. Während dieser Zeit wurde die Klosteranlage touristisch aufgewertet durch Restaurierung der Ruine des Konventgebäudes, Herstellung von Barrierefreiheit, Anlegen des jüdisch-christlich-muslimischen „Garten des Buches“, Erneuerung des Justus-Perels-Hauses mit Gedenkstätte für Perels -gefördert durch Gedenkstätte Deutscher Widerstand – und Klosterbibliothek, Sanierung des Klosterfriedhofes mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz[9] und weitgehende Wiederherstellung der historischen Parkanlage des Klosters. 2022 hat Borgmann den Vorsitz des Stiftskapitels auf eigenen Wunsch beendet.
Ehrenamtliches Wirken
- 1989–2014: Mitglied des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Berlin
- 1988–2009: Vorsitzender des Deutschen Vereins für Vermessungswesen – Deutsche Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, Landesverein Berlin-Brandenburg e. V.
- 2009–2012: Vorsitzender des Stiftskapitels des Evangelischen Stifts Kloster Lindow
- 2010–2016: Notfallseelsorger in Berlin
Auszeichnungen
- 2000: Ernennung zum Honorarprofessor für das Fachgebiet Landmanagement an der Technischen Universität Berlin
- 2003: Verdienstorden am Bande, Bundesrepublik Deutschland
- 2004: Fellow Royal Institution of Chartered Surveyors, Vereinigtes Königreich
- 2005: Ehrenprofessor der Staatlichen Sibirischen Akademie für Geodäsie und Kartographie, Nowosibirsk, Russische Föderation
- 2007: Orden Komandoria Missio Reconciliationis, Republik Polen
- 2009: Ehrenmitglied Deutscher Verein für Vermessungswesen – DVW - Deutsche Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, Landesverein Berlin-Brandenburg e. V.
- 2009: Paul-Gerhardt-Medaille, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
- 2011: Ehrenmitglied Bauherren-Schutzbund e. V.
Privates
Borgmann ist verheiratet. Er hat zwei erwachsene Töchter.