Horst David

deutscher Serienmörder From Wikipedia, the free encyclopedia

Horst David (* 22. November 1938 in Breslau; † 8. November 2020 in Straubing) war ein deutscher Serienmörder. Die Aufklärung seines Mordes an der Prostituierten Fatima Grossart gilt als Meilenstein der deutschen Kriminalgeschichte, weil es hier erstmals gelang, eine fast 20 Jahre zurückliegende Tat mit Hilfe des automatisierten Fingerabdruckidentifizierungssystems aufzuklären.

Leben

1944 wurde Horst David, mit einem Namensschild um den Hals, allein auf dem Bahnhof im bayerischen Hof aufgefunden. Er kam in ein Kinderheim. 1948 konnte der Suchdienst des Roten Kreuzes die Mutter in Cuxhaven ermitteln. Zu einer Begegnung zwischen den beiden kam es jedoch nicht.[1]

David lebte nach abgeschlossener Malerlehre als angestellter Maler in Hainsacker bei Regensburg. 1963 heiratete er und bekam mit seiner Ehefrau zwei Söhne. Zeitweise blieb er tagelang von zu Hause weg. Diese Zeiten verbrachte er in München, Hamburg und vermutlich noch in weiteren deutschen Großstädten, wo er viel Geld für Frauen ausgab. Seine Familie befand sich deshalb in finanziellen Schwierigkeiten. Nach der Kündigung seiner Anstellung und der Trennung von seiner Frau zog er 1984 nach Regensburg und lebte von Sozialhilfe.[2]

Die Morde

Am 22. und 24. August 1975 ermordete er während einer seiner Ausflüge in München die beiden Prostituierten Waltraud Frank (24) und Fatima Grossart (23). Beide wurden erwürgt und ihre Wohnungen durchsucht, offenbar nach Geld. Später gab David an, er sei mit beiden Opfern in Streit geraten, weil sie für ihre Dienste mehr Geld verlangt hätten, als vereinbart gewesen sei.[2]

Am 7. September 1993, 18 Jahre nach den Morden in München, wurde Horst Davids Nachbarin Mathilde Steindl erwürgt in ihrer Wohnung aufgefunden. David wurde schnell zum Hauptverdächtigen bei den Ermittlungen der Polizei und festgenommen, nachdem seine Fingerabdrücke in der Wohnung der Toten gefunden wurden sowie Kleidungsfasern der Toten an seiner Kleidung. Es kam jedoch zunächst nicht zu einer Anklage, weil sich herausstellte, dass sich David offenbar zeitweise berechtigt in der Wohnung seiner Nachbarin aufgehalten hatte.[2]

Seine Fingerabdrücke wurden von der Polizei routinemäßig an das Bayerische Landeskriminalamt übersandt. Das damals noch neue „Automatisierte Fingerabdruckidentifizierungssystem“ (AFIS) erkannte 1994 die Übereinstimmung mit den 19 Jahre zuvor, bei der ermordeten Prostituierten Waltraud Frank auf einem Cola-Glas gesicherten Fingerabdrücken.[2]

In den folgenden polizeilichen Vernehmungen – zunächst als Zeuge – tappte David in die Falle der Ermittler und gab an, im August 1975 nicht in München gewesen zu sein und auch keine Prostituierten besucht zu haben. Als er dann mit den Beweisen konfrontiert wurde, gab er die Tötung der zwei Prostituierten zu und räumte noch weitere Morde ein. Neben dem an seiner Regensburger Nachbarin Mathilde Steindl gestand er auch die folgenden:

  • am 12. April 1981 an der 59-jährigen Rentnerin Barbara Ernst
  • am 26. Januar 1983 an der 67-jährigen Rentnerin Martha Lorenz
  • am 27. Oktober 1984 an der 70-jährigen Rentnerin Maria Bergmann
  • am 12. Januar 1992 an der 84-jährigen Rentnerin Kunigunda Thoss

Die drei Opfer aus den Jahren 1981 bis 1984 wollten ihn als Hilfskraft für die Renovierung ihrer Wohnungen engagieren, weigerten sich jedoch, ihm Geld zu leihen beziehungsweise Vorschüsse zu zahlen. Kunigunda Thoss hatte ihm offenbar nach und nach über 20.000 D-Mark geliehen. Drei der Taten wurden bis zum Geständnis von Horst David nicht als Morde erkannt, weil er die Leichen so drapierte, dass von Haushaltsunfällen ausgegangen wurde.[2]

Horst David hat sieben Morde gestanden, von denen er nach Angaben der Ermittler annahm, dass die Polizei ihm diese Taten sowieso nachweisen könnte. Danach verweigerte er jede weitere Kooperation mit den Ermittlern. In allen Fällen spielten nach Aussage des damals hauptverantwortlichen Ermittlers Josef Wilfling finanzielle Aspekte eine Rolle. Man nimmt an, dass er noch weitere Morde begangen hat.[3] Dafür sprechen das ungewöhnlich hohe Alter bei der ersten bewiesenen Tat und seine tagelangen Ausflüge. Er galt als tatverdächtig bei weiteren Tötungsdelikten, unter anderem an einer Prostituierten in Augsburg, einem Fall in Nürnberg und einer Nachbarin an seinem früheren Wohnort Hainsacker – bei welchem zunächst ebenfalls von einem Haushaltsunfall ausgegangen wurde. Josef Wilfling war der Meinung, dass der kurze Zeitraum zwischen den beiden ersten Taten, die näheren Umstände und Davids Verhalten danach bereits für eine diesbezügliche Erfahrung sprachen.[4][2]

Im Dezember 1995 verurteilte das Landgericht München I Horst David zu lebenslanger Haft.[5] Er verstarb nach rund 25 Jahren Haft in der Justizvollzugsanstalt Straubing.[2]

Literatur

  • Rudolf Schröck: Der Biedermann. Die Geschichte des Frauenmörders Horst David. Knaur, München 2004, ISBN 3-426-77721-5.

Filme

  • Der Mann, dem die Frauen vertrauten – Der Serienmörder Horst David. Regie: Walter Harrich (ARD, 2008), mit Ulrich Tukur und anderen (Dokumentarfilm mit Spielszenen und Interviews). Horst David bei IMDb

Einzelnachweise

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