Hua Chunying
chinesische Politikerin und Diplomatin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Hua Chunying (chinesisch 华春莹, Pinyin Huà Chūnyíng; geboren am 24. April 1970 in Huaiyin) ist eine chinesische Diplomatin. Sie ist seit 2024 stellvertretende Außenministerin der Volksrepublik China. Davor war sie als Generaldirektorin der Presseabteilung des Außenministeriums tätig.

Herkunft und Ausbildung
Hua wurde in 1970 in Huai'an in der ostchinesischen Provinz Jiangsu geboren. Ihre Eltern waren beide Beamte. Ihr Vater war früher Sekretär der Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei Chinas im Kreis Huai'an, ihre Mutter war stellvertretende Direktorin eines örtlichen Bezirks.[1] Sie schloss 1992 ihr Studium an der Universität Nanjing mit einem Bachelor of Arts in englischer Sprache und Literatur ab.
Karriere

Nach ihrem Abschluss im Jahr 1992 trat Hua als Referentin in den Dienst des Außenministeriums. Von 1992 bis 2003 war sie als Mitarbeiterin, Attachée und Dritte Sekretärin in der Abteilung Westeuropa des Ministeriums und in der Botschaft in Singapur tätig. Von 2003 bis 2010 war sie als Zweite Sekretärin, Erste Sekretärin und dann als Beraterin in der Ständigen Vertretung Chinas bei der Europäischen Union tätig.[2] Anschließend war Hua von 2010 bis 2012 als Beraterin in der Abteilung für europäische Angelegenheiten, von 2012 bis 2019 als stellvertretende Generaldirektorin der Abteilung für Presse, Kommunikation und öffentliche Diplomatie tätig.[3] Im Februar 2018 gab es Berichte über eine längere Abwesenheit im Außenministerium und darüber, dass es eine Untersuchung gegen Hua wegen der Lagerung großer Mengen US-Dollar in ihrem Haus gebe. Am 1. März 2018 kehrte Hua jedoch als Sprecherin des Außenministeriums an ihren Arbeitsplatz zurück.[4]
Am 18. Juli 2019 wurde sie zur Generaldirektorin der Abteilung für Presse, Kommunikation und öffentliche Diplomatie ernannt und trat damit die Nachfolge von Lu Kang an.[5]
Im Oktober 2021 wurde sie zusätzlich zur Assistenz-Außenministerin befördert[2] und erhielt die Verantwortung für die Bereiche Presse, Protokoll und Übersetzung.[6] Hua war Delegierte des 19. und 20. Parteitags der Kommunistischen Partei Chinas (2017 und 2022).[7][8]
Am 27. Mai 2024 ernannte der Staatsrat Hua Chunying zur stellvertretenden Außenministerin.[9][10]
Am 15. Januar 2025 trat Hua von ihrer Position als Sprecherin des chinesischen Außenministeriums zurück[11] und widmete sich ganz ihrer Aufgabe als stellvertretende Ministerin.[2]
Positionen
Hua wird den sogenannten Wolfskrieger-Diplomaten zugerechnet, die seit den 2010er Jahren abweichend von der bis dahin erlebten chinesischen Außenpolitik auf Konfrontation zur Durchsetzung politischer Ziele setzten.[12] Im Jahr 2020 erklärte sie, es sei für sie „in Ordnung“, als „wolf-warrior diplomat“ bezeichnet zu werden, solange sie die legitimen Interessen Chinas in Bezug auf Souveränität, Sicherheit und Entwicklung verteidige.[13] Politologen diagnostizierten eine „männliche Durchsetzungsfähigkeit“ im diplomatischen Diskurs und stellten ähnliche Kommunikationsmuster wie bei männlichen Kollegen wie Zhao Lijian fest. Huas diplomatischer Stil wurde bald von Diplomatinnen wie Mao Ning übernommen, die im September 2022 Sprecherin des Außenministeriums wurde.[14]
Hua kritisierte die US-Forderung nach Freilassung des inhaftierten Dissidenten Pu Zhiqiang mit den Worten: „Ich denke, viele teilen meine Ansicht, dass manche Menschen in den Vereinigten Staaten ein zu großes Herz und zu lange Hände haben. Washington sollte sich um die Menschenrechtsprobleme im eigenen Land kümmern und aufhören, sich als Weltpolizist oder Weltrichter aufzuspielen.“[15]
2021 verglich sie den Sturm auf das Kapitol in Washington 2021 mit dem Sturm von Oppositionellen auf das Gebäude des Legislativrats in Hongkong.[16]
Afghanistan
Angesichts der Kritik der australischen und neuseeländischen Regierungen im Jahr 2020 an einem computergenerierten Bild, das der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, auf Twitter veröffentlicht hatte und das einen australischen Soldaten zeigte, der einem afghanischen Kind die Kehle durchschnitt, sagte Hua: „Die australische Seite hat so heftig auf den Tweet meines Kollegen reagiert. Warum? Glauben sie, dass ihre gnadenlose Tötung afghanischer Zivilisten gerechtfertigt ist, die Verurteilung solch brutaler Gewalt aber nicht?“[17][18]
Nur wenige Stunden nach dem Fall von Kabul im August 2021 erklärte Hua auf einer Pressekonferenz, China sei bereit, die gutnachbarlichen Beziehungen und die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Afghanistan weiter auszubauen und eine konstruktive Rolle beim Friedensprozess und Wiederaufbau Afghanistans zu spielen.[19]
Desinformation zur COVID-19-Pandemie
Im Januar 2021 behauptete Hua zum wiederholten Male, dass das SARS-CoV-2-Virus seinen Ursprung auf dem US-amerikanischen Militärstützpunkt Fort Detrick habe. Ihre Äußerungen verbreiteten sich rasant auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo, und Hua verbreitete angebliche Beweise auf Twitter. Gleichzeitig forderte sie die US-Regierung auf, Fort Detrick für weitere Untersuchungen zu öffnen, um festzustellen, ob es tatsächlich der Ursprung des SARS-CoV-2-Virus sei.[20]
Pakistan
Nachdem der indische Premierminister Narendra Modi Pakistan auf dem BRICS-Gipfel 2016 indirekt als „Mutterland des Terrorismus“ bezeichnet hatte, erklärte Hua auf einer Pressekonferenz: „Es ist allgemein bekannt, dass Indien und Pakistan Opfer des Terrorismus sind. Pakistan hat im Kampf gegen den Terrorismus enorme Anstrengungen unternommen und große Opfer gebracht. Ich denke, die internationale Gemeinschaft sollte dies respektieren.“[21] Eine ähnliche Erklärung veröffentlichte sie im August 2017, nachdem US-Präsident Donald Trump Pakistan beschuldigt hatte, Terroristen Zuflucht zu gewähren.[22]
Taiwan
Im August 2022 warnte Hua die Sprecherin des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten Nancy Pelosi davor, Taiwan zu besuchen, und drohte: „Wir verfolgen Pelosis Reiseplan genau. Sollten die USA ihren eigenen Weg weiterverfolgen, wird China entschiedene und energische Maßnahmen ergreifen, um seine Souveränität und Sicherheitsinteressen zu schützen.“[23]
Gaza-Krieg
Im April 2024 veröffentlichte Hua auf der Social-Media-Plattform X mehrere Screenshots und Fotos von Videos, die das harte Vorgehen der US-Polizei gegen pro-palästinensische Proteste an US-amerikanischen Universitäten 2024 gegen die US-Unterstützung für Israel im Gaza-Krieg zeigten. In einem Beitrag schrieb sie: „Erinnert euch daran, wie US-Beamte reagierten, als diese Proteste anderswo stattfanden.“[10]
Weblinks
- China Global Television Network (Hrsg.): Let's give a giant mirror to U.S.: Hua Chunying slams Washington for human rights accusations. 13. Mai 2021 (chinesisch, youtube.com).
- ShanghaiEye魔都眼 (Hrsg.): Taiwan is not Ukraine. Attempt to latch onto, exploit Ukraine issue for Taiwan separation a dead end. 23. Februar 2022 (chinesisch, youtube.com).