Hubert Kaltenmark

deutscher Bildhauer und Künstler From Wikipedia, the free encyclopedia

Hubert Kaltenmark (* 1961 in Hirschau) ist ein deutscher Bildhauer und Künstler, der vor allem durch seine Werkserien mit Bohrungen in Stein, seine Auseinandersetzung mit Zahlen sowie durch zahlreiche kirchliche Auftragsarbeiten im süddeutschen Raum bekannt wurde. Er lebt und arbeitet am Bodensee.

Leben

Kaltenmark wurde 1961 in Tübingen geboren und lebt seit 1968 am Bodensee.[1] Nach einer Ausbildung zum Steinmetz setzte er seine künstlerische Qualifizierung 1986 in der Meisterklasse für Steinbildhauer bei Erwin Rager und Ernst Vollmer in Aschaffenburg fort.[2] Seit 1988 ist er als freier Künstler tätig. 1990 absolvierte er einen Studienaufenthalt in Island. In den Jahren 1991 und 1993 erhielt er Förderungen durch die Otto-Valentien-Stiftung in Kressbronn.[3] Seit 1988 ist er mit Ausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und Symposien im In- und Ausland vertreten.

Kaltenmark lebt in Kümmertsweiler bei Kressbronn[4] und arbeitet seit 2020 in einem Atelier in Hiltensweiler, einer ehemaligen Schreinerei, das ihm Raum für Werkserien, Modelle und Steinarbeiten bietet. Seine künstlerische Praxis schließt auch Lehrtätigkeiten in einer Jugendkunstschule ein.[5][6]

Werk

Skulptur Corpus Kressbronn (2007), Kressbronn am Bodensee

Kaltenmark fand über einen unkonventionellen Umgang mit Material und traditionellen Handwerkstechniken zur Kunst. Erste Aufmerksamkeit erlangte er durch Bohrungen in Steinen, durch die je nach Lichteinfall punktuelle Lichtreflexe erscheinen. Seine Werke kreisen um Grundfragen der Erkenntnis wie Sichtbares und Unsichtbares, Inhalt und Oberfläche, Anfang und Ende sowie um das „im Inneren Verborgene“.[5] Wiederkehrende Themen sind Vergänglichkeit, Zwischenräume und das Unsichtbare als Bestandteil von Material und Wahrnehmung.[7]

Kaltenmark beschreibt sein künstlerisches Arbeiten als Versuch, Materialien zu „ergründen“ statt sie bloß zu formen. Er entwickelt eigene Verfahren und verbindet traditionelle Techniken wie etwa Steinbearbeitung oder Eitempera mit experimentellen Formaten wie Fototransfer auf Beton.

Seine Werke befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen sowie Museen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Japan.[2]

Eine zentrale Werkserie der jüngeren Jahre bilden die „Number Diaries“. Ausgangspunkt dafür war die weltweite Debatte um Datensammlung und digitale Überwachung. Kaltenmark sammelt seit Jahren alle Zahlen, die in seinem Alltag auftreten, in sogenannten „Nummern-Tagebüchern“. Diese abstandslosen Zahlenreihen überträgt er in einem aufwendigen Fototransfer-Verfahren und schreibt sie mit Eitempera auf eigene Fotografien. Die Serien thematisieren den Wandel der Bedeutung von Zahlen in der digitalen Welt: vom Verlust persönlicher Identität bis zur vollständigen Abhängigkeit von PIN- und Zugangsdaten. Gleichzeitig erzeugt die Verdichtung der Zahlen einen schwer dechiffrierbaren „Zahlenbrei“, der sowohl das Individuum hinter den Zahlen verbirgt als auch schützt. Die „Number Diaries“ wurden unter anderem in der Bonhoeffer-Kirche in Friedrichshafen gezeigt, begleitet von einem Vernissage-Gottesdienst zu biblischer Zahlensymbolik.[8][1]

Kaltenmark ist regelmäßig im kirchlichen Auftrag tätig und hat in zahlreichen Kirchen die Prinzipalien künstlerisch gestaltet[9] und an Neugestaltungen von Altarräumen mitgewirkt,[10][11][12] häufig in Zusammenarbeit mit dem Glaskünstler Diether F. Domes.[5] Seine Arbeiten zeichnen sich dabei durch Formenreduktion, Bohrungen und die Thematisierung des „Zwischenraums“ aus.

Sakrale Kunstwerke (Auswahl)

Unter anderem folgende Kirchen wurden von Kaltenmark künstlerisch ausgestattet:

Ausstellungen (Auswahl)

Seit 1988 war Kaltenmark in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen sowie internationalen Symposien vertreten. Wichtige Stationen waren u. a.:[14]

Kataloge

  • Gegenüber Frauen - Frauen gegenüber / Frauenbilder von Hubert Kaltenmark. Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Stuttgart 2018.
  • Becker, Sabine / Kaltenmark, Hubert: Blau - Weiß. Druckhaus Josef Müller, Langenargen 1997.
  • VIERMALFÜNF AUF SECHSMALDREI, Ausstellungskatalog zur Installation mit Bruno Kurz, hg. v. Kunsthalle Prisma, Arbon am Bodensee, Schweiz 1994

Auszeichnungen

Einzelnachweise

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