Hubert Kaltenmark
deutscher Bildhauer und Künstler
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Leben
Kaltenmark wurde 1961 in Tübingen geboren und lebt seit 1968 am Bodensee.[1] Nach einer Ausbildung zum Steinmetz setzte er seine künstlerische Qualifizierung 1986 in der Meisterklasse für Steinbildhauer bei Erwin Rager und Ernst Vollmer in Aschaffenburg fort.[2] Seit 1988 ist er als freier Künstler tätig. 1990 absolvierte er einen Studienaufenthalt in Island. In den Jahren 1991 und 1993 erhielt er Förderungen durch die Otto-Valentien-Stiftung in Kressbronn.[3] Seit 1988 ist er mit Ausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und Symposien im In- und Ausland vertreten.
Kaltenmark lebt in Kümmertsweiler bei Kressbronn[4] und arbeitet seit 2020 in einem Atelier in Hiltensweiler, einer ehemaligen Schreinerei, das ihm Raum für Werkserien, Modelle und Steinarbeiten bietet. Seine künstlerische Praxis schließt auch Lehrtätigkeiten in einer Jugendkunstschule ein.[5][6]
Werk

Kaltenmark fand über einen unkonventionellen Umgang mit Material und traditionellen Handwerkstechniken zur Kunst. Erste Aufmerksamkeit erlangte er durch Bohrungen in Steinen, durch die je nach Lichteinfall punktuelle Lichtreflexe erscheinen. Seine Werke kreisen um Grundfragen der Erkenntnis wie Sichtbares und Unsichtbares, Inhalt und Oberfläche, Anfang und Ende sowie um das „im Inneren Verborgene“.[5] Wiederkehrende Themen sind Vergänglichkeit, Zwischenräume und das Unsichtbare als Bestandteil von Material und Wahrnehmung.[7]
Kaltenmark beschreibt sein künstlerisches Arbeiten als Versuch, Materialien zu „ergründen“ statt sie bloß zu formen. Er entwickelt eigene Verfahren und verbindet traditionelle Techniken wie etwa Steinbearbeitung oder Eitempera mit experimentellen Formaten wie Fototransfer auf Beton.
Seine Werke befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen sowie Museen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Japan.[2]
Eine zentrale Werkserie der jüngeren Jahre bilden die „Number Diaries“. Ausgangspunkt dafür war die weltweite Debatte um Datensammlung und digitale Überwachung. Kaltenmark sammelt seit Jahren alle Zahlen, die in seinem Alltag auftreten, in sogenannten „Nummern-Tagebüchern“. Diese abstandslosen Zahlenreihen überträgt er in einem aufwendigen Fototransfer-Verfahren und schreibt sie mit Eitempera auf eigene Fotografien. Die Serien thematisieren den Wandel der Bedeutung von Zahlen in der digitalen Welt: vom Verlust persönlicher Identität bis zur vollständigen Abhängigkeit von PIN- und Zugangsdaten. Gleichzeitig erzeugt die Verdichtung der Zahlen einen schwer dechiffrierbaren „Zahlenbrei“, der sowohl das Individuum hinter den Zahlen verbirgt als auch schützt. Die „Number Diaries“ wurden unter anderem in der Bonhoeffer-Kirche in Friedrichshafen gezeigt, begleitet von einem Vernissage-Gottesdienst zu biblischer Zahlensymbolik.[8][1]
Kaltenmark ist regelmäßig im kirchlichen Auftrag tätig und hat in zahlreichen Kirchen die Prinzipalien künstlerisch gestaltet[9] und an Neugestaltungen von Altarräumen mitgewirkt,[10][11][12] häufig in Zusammenarbeit mit dem Glaskünstler Diether F. Domes.[5] Seine Arbeiten zeichnen sich dabei durch Formenreduktion, Bohrungen und die Thematisierung des „Zwischenraums“ aus.
Sakrale Kunstwerke (Auswahl)
Unter anderem folgende Kirchen wurden von Kaltenmark künstlerisch ausgestattet:
- Zum Kostbaren Blut, Weikersheim, Christusfigur und Tabernakel, Taufbecken mit fließendem Wasser (1998)
- St. Maria Immaculata, Heilbronn, Altarraumgestaltung (1999)
- St. Michael, Neckargartach, Altar, Ambo und Tabernakel (1998)
- Galluskapelle Winterberg, Leutkirch im Allgäu, Innenraumgestaltung (2000)
- St. Joseph, Neckarwestheim, Christusfigur an Wandbild von Diether Domes (2001)
- St. Johannes Baptist, Weil im Schönbuch, Altar, Ambo, Taufort und Tabernakelsockel (2001)
- Bruderhauskapelle, Ravensburg, Künstlerische Gesamtgestaltung (2003)
- St. Petrus und Magnus, Waltershofen, Altar (2003)
- St. Urban, Herdern, Chorraumgestaltung (2003)
- St. Johannes Baptist, Diepoldshofen, Altar und Ambo (2006)
- St. Kassian, Hannober, Altar, Ambo und Taufstein (2008)
- St. Johannes Baptist, Ailingen, Altar und Ambo (2008)
- St. Kilian, Duttenberg, Zelebrationsaltar (2009)
- Heilig-Geist-Kirche, Schorndorf, Relief Einfall des Geistes (2009)
- St. Laurentius, Deißlingen, Altar, Ambo, Taufbecken und Tabernakel (2009)
- St. Maria von den Sieben Schmerzen, Blaufelden, Altar, Ambo und Taufbecken (2010)
- St. Andreas, Stackendorf, Chorraumgestaltung mit Diether F. Domes, Skulpturen Maria und Josef (2010 und 2011)
- Evangelische Kirche, Eichstetten am Kaiserstuhl, Altar, Kanzel, Leuchter und Kreuz (2011)
- St. Martin, Hauerz, Taufstein (2011)
- Evangelische Bonhoeffer-Kirche, Friedrichshafen, Altar, Kanzel und Taufbecken (2012)
- St. Nikolaus, Friedrichshafen, Altar, Ambo und Taufstein (2013)
- Mariae Geburt, Lohndorf, Altar (2013)
- St. Ulrich und Konrad, Fulgenstadt, Altar, Ambo und Tabernakel (2014)
- Evangelische Johanneskirche, Elzach, Altar, Kanzel, Taufbecken, Leuchter und Kreuz (2014)
- Friedenskirche, Friedlingen, Altar, Ambo und Taufbecken (2016)
- St. Peter und Paul, Freising, Altar, Ambo, Taufbecken, Sedilien, Priestersitz, Leuchter und Taufschale (2016)[13]
- St. Anna, Vogt, Altar, Ambo, Osterleuchter, Sedilien und Kredenz, Taufortdeckel (2016)
- Galluskapelle in Leutkirch
- St. Urban in Freiburg
- St. Johannes Baptist in Ailingen
- Zelebrationsaltar in Duttenberg
- St. Peter und Paul in Freising
- Einfall des Geistes an der Heilig-Geist-Kirche Schorndorf
Ausstellungen (Auswahl)
Seit 1988 war Kaltenmark in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen sowie internationalen Symposien vertreten. Wichtige Stationen waren u. a.:[14]
- Skulpturenfeld Fuchsmoos
- 1993: Steine und Bilder, Galerie Seghaier, Wien
- 1994: Mitgift, Zollhaus, Ludwigshafen (Bodensee), mit Sabine Becker und Jo Bukowski
- 1994: viermalfünf auf sechsmaldrei, Kunsthalle Prisma, Arbon, mit Bruno Kurz
- 1997: Blau-Weiss, Acis Gallery, Tokyo, mit Sabine Becker
- 1998: Blau-Weiss, Villa Bosch, Kunstverein Radolfzell, mit Sabine Becker
- 1998: Bildhauerarbeiten, Galerie Atelierhaus, Sindelfingen
- 2002: Elegien 2000–2002, Rechelerhaus, Ladis
- 2003: …ganz in die Nähe…, Giebelgalerie, Wangen im Allgäu
- 2005: aus einem anderen Land, Galerie Lände, Kressbronn
- 2007: Kunstbrücke 2, Städtische Galerie, Grimma
- 2008: Feldarbeit, Galerie Degenhartt, Berlin
- 2009: 6 oder 7 Projekte, Galerie Lände, Kressbronn
- 2009: Transmontana. Künstler aus Oberschwaben, Palazzo Te, Mantua
- 2010: Störung!, Kunstverein Markdorf
- 2010: take five, Atelier Barbara Ehrmann, Ravensburg
- 2011: Liebe Grüße, Städtische Galerie im Schlosspark, Tettnang
- 2012: Turmbauten, Galerie des Kunstvereins Diözese Rottenburg-Stuttgart, Kloster Heiligkreuztal
- 2012: Dauer und Zerbrechlichkeit, Säulenhalle, Landsberg am Lech
- 2012: 20 Jahre Kunstbrücke, Lände, Kressbronn und Rathausgalerie, Grimma
- 2012: Salem2Salem, Neues Museum, Salem
- 2013: Moment - Dokument, mit Leonie Stade, Stadtmuseum Lindau
Kataloge
- Gegenüber Frauen - Frauen gegenüber / Frauenbilder von Hubert Kaltenmark. Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Stuttgart 2018.
- Becker, Sabine / Kaltenmark, Hubert: Blau - Weiß. Druckhaus Josef Müller, Langenargen 1997.
- VIERMALFÜNF AUF SECHSMALDREI, Ausstellungskatalog zur Installation mit Bruno Kurz, hg. v. Kunsthalle Prisma, Arbon am Bodensee, Schweiz 1994
Auszeichnungen
- Kulturpreis des Bodenseekreises (2014)[15]
- 2. Preis der Ausstellungsreihe Engel – oder kann das weg?, Erzdiözese Freiburg / Diözese Rottenburg (2020)