Huis De Pinto
Haus in Amsterdam
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Das Huis De Pinto ist ein Kulturdenkmal, vermutlich aus dem Jahr 1602, in der Sint Antoniesbreestraat in fußläufiger Entfernung zum Neumarkt in Amsterdam.[A 1] Das ehemalige Wohnhaus ist nach der jüdisch-sephardischen Familie „De Pinto“ benannt, die dort ehemals seit Mitte des 17. Jahrhunderts als wohlhabende Kaufleute und Bankiers lebten.[1]




Geschichte
Das Huis de Pinto wurde in der Zeit des Achtzigjährigen Krieges um 1602 für „Jan Jansz Carel“, einen der ersten Vorsteher (bzw. niederländisch Bewindhebber) der Niederländischen Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC, 1602 bis 1795), ursprünglich als breites Doppelhaus errichtet. Er kaufte dazu sechs bestehende Häuser, ließ diese niederreißen und stattdessen sein Haus auf dem so gewonnenen Grundstück errichten, zusammen mit einem großen Lagerhaus an der „Snoekjesgracht“ sowie einem Stall- und Kutschenhaus.[1]
Im Jahr 1651 verkaufte ein Erbe das Haus an den Witwer „Isaack de Pinto“ als damit neuen Eigentümer. Dessen Sohn „David Emanuel de Pinto“ sorgte bis zum Jahr 1686 für einen erheblichen Umbau und ließ zusätzlich die heute noch existierende, klassizistisch[A 2] anmutende, Fassade anbringen.[2] Der Enkel Isaac de Pinto (1707–1787) wiederum unterstützte später im Österreichischen Erbfolgekrieg den niederländischen Statthalter, indem er Wilhelm IV. von Oranien ausreichend Geld zur Abwehr der Franzosen bei deren Belagerung von Bergen op Zoom (1747) zur Verfügung stellte und dafür mit einem Vorstandsposten in der VOC entschädigt wurde. Etwa zur gleichen Zeit entwickelte er einen Plan, um verarmte sephardische Juden in die Kolonien nach Surinam im damaligen Niederländisch-Guayana auszusiedeln, weil die jüdische Gemeinde diese nicht mehr finanziell unterstützen konnte oder wollte. Das Anwesen blieb mehrere Jahre innerhalb der Familie, wurde aber im Jahr 1756 schließlich an den Apotheker „Avink Stal“ veräußert, das Kutschenhaus und das Lagerhaus dabei separat verkauft.[1]
Im 19. Jahrhundert verlor das Haus zunehmend seinen Charakter als Wohnhaus, danach waren mehrere Unternehmen und Werkstätten darin untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg drohte ein völliger Verfall der Bausubstanz. In den späten 1960er Jahren wollte die Gemeinde Amsterdam dieses und umliegende verfallene Gebäude zerstören, weil es Pläne für eine neue U-Bahn-Linie, eine vierspurige Straße sowie Hotels und Büros gab. Durch damalige Bürgerinitiativen aus dem Viertel und mit Unterstützung von Stadsherstel Amsterdam wurde das Haus vor dem Abriss bewahrt und seit dem Jahr 1975 mehrfach aufwändig restauriert. Die Restaurierung erfolgte unter der Leitung des Architekten „IJ. Kok“, der die Bauphasen von 1602 und 1680 als Ausgangspunkt für eine weitgehende Wiederherstellung nahm. Das Erdgeschoss hat seit dieser Renovierung wieder einige schöne (wenn auch nicht originale) Deckenmalereien.[3]
Heutige Nutzung
Seit 2014 dient das Haus als kulturelles und literarisches Begegnungszentrum mit nachbarschaftlichem Treffpunkt. Im Lesesaal mit Austauschbibliothek besteht eine Ruhezone für Lernende. Gleichzeitig befinden sich die Büros der Waag Society für die nahe De Waag in den oberen Stockwerken des Gebäudes.[2]
Darüber hinaus bietet das Huis De Pinto regelmäßig ein abwechslungsreiches Programm an Kursen und Veranstaltungen sowie Musik und Literatur.
Weblinks
- Informatie Huis De Pinto (niederländisch)
- Rijksmonumentenregister nr 5431 (niederländisch)
Anmerkungen
- Der Baubeginn steht damit zum Ende der Niederländischen Renaissance im Übergang zum Goldenen Zeitalter der Niederlande.
- Der besagte Umbau erfolgte zu Zeiten des Barock, während der Klassizismus allgemein erst fast 100 Jahre später ab dem Jahr 1770 als kunstgeschichtliche Epoche auftritt. Das ab dem Jahr 1648 entstandene Hauptwerk des Klassizistischen Barock in den Niederlanden, das damalige Rathaus von Amsterdam, kann als Vorbild vermutet werden.