Huldigungsmedaille
Medaille oder Münze
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Huldigungsmedaille, auch Huldigungsmünze, ist eine die Huldigung oder Krönung eines Herrschers durch Bild und Schrift feiernde Medaille oder Münze.[1]

In einer davon abweichenden Wortverwendung wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Staat Huldigungsmedaillen an verdienstvolle Bürger vergeben, um sie für besondere Leistungen auf wirtschaftlichem, künstlerischem oder militärischem Gebiet zu ehren.
Erläuterung
Unter Huldigung eines Herrschers versteht man den Akt der Anerkennung der politischen Gewalt eines Herrschers durch seine Untertanen. Im Staatsrecht bestand die Huldigung im Treueeid der Untertanen, der Landstände (Klerus, Adel, Städtebürgertum) dieser Länder.[2] Das war das eidliche Versprechen der Treue und des Gehorsams. Seinen Ursprung hat er im Lehnseid der Vasallen. Besonders im 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Huldigungsmedaillen geprägt. Allein im Königreich Preußen wurden für Friedrich Wilhelm II. (1786–1797) im Jahr 1786 etwa 30 unterschiedliche Medaillen auf seine Huldigung hergestellt.[3]
Beispiele
Medaille auf die Huldigung Friedrichs II. zu Breslau durch Schlesien 1741
(Bild siehe oben)
Nach der Besetzung von Breslau durch Friedrich II., König in Preußen, huldigten die schlesischen Stände ihm am 7. November 1741 nach der Eroberung im ersten Schlesischen Krieg in Breslau. Der Medailleur Georg Wilhelm Kittel schuf die Huldigungsmedaille. Die Münzstätte ist Breslau (Wrocław), Region Schlesien. Die 1741 geprägte Medaille besteht aus Gold, wiegt 17,40 g und hat einen Durchmesser von 32 mm.
- Die Vorderseite zeigt das Brustbild Friedrichs II. im Harnisch mit Hermelin und Ordenskreuz nach rechts. Die Umschrift lautet FRIDERICVS BORVSSORVM REX SVPR. SILES. INF. DVX (Friedrich, König der Preußen, oberster Herzog von Niederschlesien).
- Die Rückseite zeigt die links stehende Borussia, die von der knienden Silesia, der weiblichen Verkörperung Schlesiens, die Herzogskrone empfängt. Die bogige Überschrift lautet IVSTO VICTORI (Dem rechtmäßigen Sieger). Im Abschnitt unten sind die folgenden drei Zeilen Schrift: FIDES SILES. INF. / VRATIS. D. XXXI OCT. / MDCCXLI (Huldigung Niederschlesiens / Breslau 31. Oktober 1741).[4] Die Übergabe Schlesiens wurde am 31. Oktober 1741 angeboten.[5]
Medaille auf die Huldigung Friedrichs II. zu Marienburg zum gesamtpreußischen König 1772


Die Medaille mit der Jahreszahl 1772 ist zum Gedenken an die Huldigung Friedrichs II. zu Marienburg geprägt worden. Die Teilnehmer der Huldigung erhielten die Medaille als Ehrengabe.
Der Medailleur Jacob Abraham fertigte die Medaillenstempel. Die Medaille wurde in der Münzstätte Berlin, Region Brandenburg, geprägt. Sie besteht aus Silber, hat einen Durchmesser von 53 mm und wiegt 57,20 g.[6]
- Die Vorderseite zeigt Friedrich II. mit Lorbeerkranz im römischen Harnisch mit Überwurf nach rechts. Unten befindet sich die Medaillensignatur I A des Medailleurs Jacob Abraham. Im Schriftbogen oben steht: FRIDERICUS BORUSSORUM REX (Friedrich, König der Preußen).
- Die Rückseite zeigt Friedrich II. als sitzenden römischen Imperator. Vor ihm kniet eine Frauengestalt mit aufgerollter Karte, auf der die neu erworbenen Landesteile zu sehen sind. Der König stützt sich auf die Wappenschilde des Königreichs Preußen und des Herzogtums Pommern. Im Schriftbogen oben steht REGNO REDINTEGRATO (auf das wiedervereinigte Reich) und im Abschnitt unten stehen die drei Zeilen FIDES / PRӔSTITA MARIEBURGI / MDCCLXXII (Huldigung, geleistet zu Marienburg 1772).[7]
Anlass der Huldigung war, dass Preußen durch den am 5. August 1772 zwischen Russland, Preußen und Österreich abgeschlossenen Petersburger Vertrag über die erste Teilung Polens das bisher polnische Königlich Preußen erworben und mit dem bisherigen Herzogtum Preußen vereinigt hatte. Im Konvokationspatent, mit dem zu dieser Huldigung aufgerufen wurde, nannte sich der preußische König daher erstmals „König von Preußen“ anstelle des bisherigen Titels „König in Preußen“, der zum Ausdruck gebracht hatte, dass der preußische König nur einen Teil Preußens regierte.[8]
Medaille auf die Huldigung der Österreichischen Niederlande 1781

Die Medaille von 1781 wurde auf die Huldigung der Österreichischen Niederlande an den römisch-deutschen Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Joseph II. (1765–1790) geprägt. Joseph war von 1765 bis 1780 Mitregent seiner Mutter Maria Theresia, ab 1780 war er Alleinherrscher. Die Huldigungsmedaille ist auf seine Alleinherrschaft bezogen. Der Durchmesser der Silbermedaille beträgt 41 mm, ihr Gewicht 26,04 g.
- Die Vorderseite der Huldigungsmedaille zeigt die Büste von Kaiser Joseph II. nach rechts. Unten im Feld befindet sich das Signum des Medailleurs T.V.B. von Theodor Victor van Berckel. Die Umschrift lautet JOSEPH(us). AVG(ustus) DVX BURG(undiae) BRAB(ant) COM(mes) FLAND(ern) (= Joseph, Römischer Kaiser, Herzog von Burgund und Brabant, Graf von Flandern).
- Die Rückseite zeigt die dem Kaiser huldigende Belgia mit dem Löwen. Rechts im Feld, auf einem Kissen liegt der Reichsapfel mit dem Zepter. Die Umschrift lautet VINCVLVM FIDELITATIS PVBLICAE (Vereinigte öffentliche Huldigung). Unten im Abschnitt befindet sich die Jahreszahl MDCCLXXXI (1781).[9]
Doppeldukaten Augusts des Starken auf die Dresdner Huldigung 1694
Auf die Huldigung in Dresden am 11. Juli 1694 ließ der Kurfürst von Sachsen, Friedrich August I. (August der Starke), seit 1694 Kurfürst, von 1697 bis 1733 mit Unterbrechung König von Polen, den breiten Doppeldukaten[10] wahrscheinlich in der Münzstätte Dresden unter dem Münzmeister Johann Koch prägen. Die Goldmünze hat einen Durchmesser von 30 mm und wiegt 6,95 g. Das Gepräge ohne Münzmeisterzeichen und Signatur gibt es auch als Abschlag in Silber.
- Die Vorderseite zeigt die gekreuzten Kurschwerter in einer Einfassung, die aus vier Bögen besteht. Um die Bögen herum verteilt sind je viermal die mit dem Kurhut bekrönten Buchstaben FF als Spiegelmonogramm und der Buchstabe A (FA = Friedrich August).
- Die Rückseite zeigt eine Schwurhand im Rauten- und Schriftkranz[11]. Die äußere Umschrift lautet MEMORIA HOMAGII DRESDAE PRAESTITI XI IUL MDCXCIV (Das Gedächtnis der Dresdner Huldigung, den 11. Juli 1694). Die Beischrift zur Schwurhand lautet MENTE VNA PVRAQUE (Mit einem und reinem Gemüt.)[12]
Literatur
- Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. Regenstauf 2005. S. 200 Huldigungsmedaille, Huldigungsmünze.
- Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976. S. 152 Huldigungsmünze, Huldigungsmedaille.
- Friedrich von Schrötter (Hrsg.) mit N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde. de Gruyter, Berlin 1970 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930). S. 276 Huldigungsmünzen- und Medaillen.
- Ingrid Mittenzwei: Friedrich II. von Preußen. Eine Biographie. Berlin 1987.
- Walter Haupt: Sächsische Münzkunde S. 245: Breiter Doppeldukaten auf die Dresdner Huldigung.
- Wilhelm Ernst Tentzel: Saxonia Numismatica oder Medaillen-Cabinett von Gedächtnismünzen und Schaupfennigen welche die Chur- und Fürsten der albertinischen Linie haben prägen und verfertigen lassen, Dresden, Frankfurt, Gotha 1714. 2. Buch (Reprint Transpress Verlag, Berlin 1981), S. 681.
- Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte bei Verzeichnung der Hofrath Engelhardt’schen Sammlung. Dresden 1888: Medaille auf die Dresdener Huldigung S. 312, Nr. 1201.